Sanktionen: Russische Zentralbank droht mit Folgen für das Finanz-System

Mit der Aufnahme der russischen Sberbank auf die Sanktions-Liste könnten die EU- und US-Politiker einen verhängnisvollen Fehler gemacht haben: Die Bank wird von der russischen Zentralbank beherrscht. Diese kennt die internationalen Verflechtungen im Finanz-System genau. In einer geharnischten Stellungnahme drohen die russischen Banker unverhohlen mit einem Crash des Finanzsystems: Ein Drittel der Anteile an der Sberbank halten nämlich Investoren aus Europa und den USA.

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Die russische Sberbank sieht in ihrem Ausschluss aus den Kapitalmärkten eine Gefahr für das weltweite Bankensystem.

Diese Warnung ist besonders bedeutsam, weil die russische Zentralbank an der Sberbank mit einer beherrschenden Mehrheit beteiligt ist. Über die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) weiß die russische Zentralbank über die Verflechtungen der globalen Finanz-Wirtschaft bestens Bescheid. Zwar ist es unklar, inwieweit die Bank wirklich staatlich ist, doch laut dem Central Bank Directory gehört sie zu 100 Prozent dem russischen Staat. Man kann daher ausgehen, dass alle Aussagen im Einvernehmen mit der Zentralbank in Moskau abgestimmt sind. Mehr noch: In einem so engen Geflecht der Macht, wie es in Moskau herrscht, verwenden die wichtigsten Player oft ihre untergeordneten Einrichtungen, um Stellungnahmen zu lancieren.

Die Stellungnahme der Sberbank verweist darauf, dass sie die wichtigsten Bank Russlands ist: 110 Millionen Russen erhielten ihre Gehälter oder Stipendien durch die Bank, heißt es da. Und weiter: „Praktisch jeder russische Bürger über 14 Jahren ist Kunde der Bank.“

Die von den Finanz-Sanktionen betroffenen russischen Banken sind teilweise stark vernetzt, die Sanktionen führen bereits zu Ausfällen bei europäischen Banken. Die Maßnahme untergrabe die Grundfesten der globalen Finanzsystems, so die Bank.

Die Sberbank, Russlands größter Kreditgeber, sieht in ihren Ausschluss aus dem europäischen Kapitalmarkt eine Gefahr für das globale Bankensystem.

Die EU hat Sanktionen gegen fünf staatlich kontrollierte russische Großbanken verhängt. Künftig dürfen die Sberbank, VTB, Gazprombank, Vnesheconombank und Rosselkholzbank sich am Kapitalmarkt weder Fremd- noch Eigenkapital beschaffen, das eine Laufzeit von mehr als 90 Tagen hat.

Die zweitgrößte russische Bank, VTB äußerte ähnliche Kritik an den Maßnahmen der EU. „Solche Taten widersprechen Europas demokratischen Werten und zeigen, dass sie gegen ihre eigenen Interessen verstoßen, um das Geheiß ihrer Vorgesetzten jenseits des Atlantiks zu erfüllen“ erklärte die Bank.

Analysten zufolge schade der Ausschluß der drei größten russischen Banken zwar langfristig der russischen Wirtschaft. Eine sofortige Krise in Russland werde dadurch aber nicht ausgelöst. Russland versucht seit längerem eine Abkoppelung aus den Dollar-Finanzmärkten und schmiedet dazu neue Allianzen mit China und anderen BRICS-Staaten (mehr hier).

Allerdings sind die russischen Banken stark mit internationalen Finanzinstitutionen vernetzt. So hat jüngst auch die französische Société Générale gemeldet, dass der Netto-Gewinn aus dem Russland-Geschäft um ein Drittel gesunken sei. Das Geldhaus ist nach der österreichischen Raiffeisen und ihrer Rosbank-Tochtergesellschaft die am zweitstärksten mit Russland vernetzte Bank.

Die Sberbank verweist unverhohlen darauf, dass die internationale Banken-Industrie wegen der Sanktionen Schaden nehmen werde: „Die Bank hat einen tadellosen internationalen Ruf. Über ein Drittel ihrer Anteile wird von Investoren aus Europa und den USA gehalten.“

Die Schlussfolgerung der Bank über die Konsequenzen ist unmissverständlich: „Die Tatsache, dass die Bank von den Sanktionen erfasst ist, zerstört die Grundfesten des globalen Finanzsystems.“ Die Maßnahme trage nichts zur Entspannung der Europäischen Krise bei, die durch die Situation in der Ukraine auslöst wurde.

Die Zentralbank sagte ergänzend, man werde alles unternehmen, um die Sberbank zu stützen. Man wolle unbegrenzt Devisen und Rubel zur Sicherung der Liquidität zur Verfügung stellen. Die Zentralbank kündigte weiter an, sie werde als Zwischeninstanz eingreifen, um die Transaktionen mit westlichen Banken sicherzustellen.

Die  Mitteilungen von Sberbank und russischer Zentralbank sind keine leeren Drohungen: Im globalen Schulden-Kasino kann jeder jeden zu Fall bringen – auch auf die Gefahr, dass auch ein lokaler Crash das gesamte Finanzsystem in Richtung Abgrund treibt.

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In seinem Buch erklärt DWN-Herausgeber Michael Maier, wie die Zentralbanken gemeinsam mit der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich längst die Führung der globalen Wirtschaft übernommen haben. Die extreme Vernetzung der Finanz-Institutionen hat dazu geführt, dass jeder unbedachte Schritt Folgen für das ganze System haben kann. Die Russland-Krise könnte zu einem Schwarzen Schwan werden, der das System in sich zusammenbrechen lässt.

 

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