Steuergelder: EU verpulvert Milliarden beim Prestige-Projekt Galileo

Beim EU-finanzierten Raumfahrtprojekt Galileo gibt es eine weitere Panne: Eine Trägerrakete hat ihr Ziel um 6000 Kilometer verfehlt und die Satelliten auf eine falsche Umlaufbahn geschickt. Eine Untersuchung soll nun zeigen, ob die Satelliten noch zu retten sind. Bisher hat das pannen-geplagte Projekt bereits 6 Milliarden Euro an Steuergeld verschlungen.

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Die Europäische Kommission hat eine Untersuchung des pannengeplagten Raumfahrtprogramms Galileo angeordnet. Nach dem jüngst gescheiterten Versuch, zwei Satelliten in die richtige Umlaufbahn zu bringen, sollen die europäische Weltraumorganisation ESA sowie die französische Arianespace einen Bericht vorlegen, der die Vorkommnisse aufklärt sowie einen Zeitplan zur Korrektur der Satelliten-Umlaufbahn enthält.

Galileo soll eine europäische Konkurrenz-Version des amerikanischen Global-Positioning-Systems GPS werden und mit einem Netzwerk aus 30 Satelliten Orientierungs-Daten für Navigationssysteme aller Art liefern.

Allerdings hat die letzte Trägerrakete mit den Satelliten Nummer fünf und sechs ihr Ziel um 6.000 Kilometer verfehlt. Wie der EU-Observer berichtet, hat die mit dem Transport beauftragte französische Arianespace zum Transport der Satelliten in den Orbit russische Soyuz-Raketen genutzt. Nachdem sich bereits der Start um mehr als ein Jahr verspätet hat, eiern die beiden Satelliten jetzt tausende Kilometer zu nah an der Erde auf auf eine ellyptischen Umlaufbahn, statt zu kreisen. Nach bisheriger Einschätzung sind sie zwar unter Kontrolle, aber völlig nutzlos. Ob es überhaupt möglich ist, die Umlaufbahn der Satelliten zu korrigieren ist momentan fraglich.

Das Galileo-Programm hat den Steuerzahler bisher bereits sechs Milliarden Euro gekostet. Bis 2020 sollen weitere sieben Milliarden Euro hinzukommen. Der jüngste Zwischenfall reiht sich in eine Serie von Pannen ein, die das Budget für das Prestige-Projekt immer wieder in die Höhe treiben. 2010 waren insgesamt noch fünf Milliarden für das gesamte Programm geplant, inzwischen ist es fast das Dreifache. Hinzu kommen jede mal zeitliche Verzögerungen: Ursprünglich sollte das Satellitensystem bis 2012 startklar sein.

Arianespace will gemäß EU-Auftrag in den kommenden Jahren weitere 12 Galileo-Satelliten im All positionieren. Insgesamt will die Europäische Weltraum-Behörde ESA für das Galileo-Programm rund 30 Satelliten ins All schießen.

Anreiz für die Investitionen ist der lukrative Markt für satellitengestützte Navigations-Produkte wie Karten und Routenplaner: Bis zum Jahr 2020 soll das Marktvolumen 237 Milliarden Euro betragen.

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