VW hat in der Zeit der Diktatur in Brasilien Gewerkschaften bespitzelt

Neue Dokumente bringen Volkswagens Rolle zur Zeit des Militärregimes in Brasilien zum Vorschein. Darin soll der Wolfsburger Autobauer eng mit der Regierung zusammengearbeitet und Informationen über Mitarbeiter weitergegeben haben. So wurden Gewerkschaften ausgespäht. VW versprach, den Hinweisen nachzugehen.

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Volkswagen hat nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters in den 1980er Jahren in Brasilien die eigenen Mitarbeiter und Gewerkschafter bespitzelt und die gesammelten Daten an die Militärdiktatur weitergegeben. Dabei wurden sensible Informationen über bevorstehende Lohnforderungen sowie Mitschriften von Gesprächen und Namen von Teilnehmern an Gewerkschaftsveranstaltungen überreicht, wie aus neu entdeckten Dokumenten hervorgeht, die die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte. Auch der damalige Gewerkschaftsführer Luiz Inacio Lula da Silva, der später Präsident Brasiliens wurde, war Opfern der Bespitzelung.

Die Dokumente wurden kürzlich von der Nationalen Wahrheitskommission entdeckt, die im Auftrag von Präsidentin Dilma Rousseff Regierungsarchive durchforstet, um den Machtmissbrauch während der Zeit der Militärdiktatur in den Jahren 1964 bis 1985 zu untersuchen. Die Unterlagen zeigten mit außergewöhnlicher Klarheit, wie Unternehmen damals von der Regierung erwarteten, dass sie ihnen dabei half, Probleme mit Arbeitern zu lösen, sagt Sebastiao Neto, der der Wahrheitskommission angehört.

VW versprach, allen Hinweisen nachzugehen und betont, das Unternehmen sehe sich als Vorbild bei der Aufarbeitung seiner Geschichte. Kein anderer großer Konzern mit Niederlassungen in Brasilien habe sich bislang öffentlich zu solchen Untersuchungen verpflichtet, sagen auch Wissenschaftler.

Bereits vor einigen Wochen stellte sich heraus, dass die Kommission Anzeichen dafür fand, dass Dutzende Firmen dem Militär halfen, Gewerkschaftsaktivisten zu identifizieren und Arbeiter zu unterdrücken. Darunter befanden sich neben VW auch andere ausländische Autobauer.

Die nun entdeckten Unterlagen weisen darauf hin, dass Volkswagen eigene Sicherheitsleute auf Gewerkschaftsversammlungen ansetzte. Der Dax-Konzern aus Wolfsburg, der seit 1953 in Brasilien aktiv ist, gab ausführliche Mitschriften von mehr als einem Dutzend Gewerkschaftstreffen im Raum Sao Paulo an die Militärs weiter. Dabei wurden auch Pläne für Streiks sowie Forderungen nach Gehaltserhöhungen und besseren Arbeitsbedingungen weitergereicht. In einigen Fällen wurden die Namen von Arbeitern notiert, die an den Versammlungen teilnahmen. Auch die Marken und Nummernschilder ihrer Autos wurden festgehalten. Die Spitzel gaben den Inhalt von Flugblättern weiter und die Namen derer, die sie vor den Werkstoren verteilten.

1983 dokumentierte Volkswagen eine Kundgebung mit Lula da Silva ausführlich, obwohl dieser gar nicht bei dem Autobauer beschäftigt war. Der Gewerkschafter war damals ein aufsteigender Stern in der Arbeiterbewegung des südamerikanischen Landes. 1980 gründete Da Silva gemeinsam mit anderen die brasilianische Arbeiterpartei. Zwischen 2003 und 2010 war er dann Präsident.

Die bei Ausspähungen gewonnenen Informationen nutzten die Militärs, um Gewerkschafter zu beobachten und zu verunsichern. Ziel war es, die Arbeiterschaft im Zaum zu halten. Die Diktatur setzte auf niedrige Löhne – und betrachtete Streiks als kommunistische Bedrohung. Unzählige Unternehmen wurden damals zur Zusammenarbeit mit dem Militär gezwungen.

Die Unternehmen könnten mit Zivilklagen oder Reparationsforderungen konfrontiert sein, wenn ihnen Menschenrechtsverstöße nachgewiesen würden, meinen Staatsanwälte. Andere Experten bezweifeln jedoch, dass die Beweise für Gerichtsverfahren ausreichen. Der wahre Wert der Untersuchung liege in der umfassenden Darstellung des Machtmissbrauchs in Brasiliens Vergangenheit und der Lehre, dass sich solch ein düsteres Kapitel nicht wiederholen dürfe.

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