„Eine Million Erasmus-Babys“: EU lobt das steuerfinanzierte Liebesleben

Wer nach Liebe sucht, sollte am Studentenaustauschprogramm Erasmus teilnehmen. Denn das verspricht das Auslandssemester auf Steuerzahler-Kosten. Eine Millionen Erasmus-Babys sollen seit dem Start des Programmes im Jahr 1987 geboren worden sein, so eine neue Studie der EU-Kommission.

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Das EU-Programm Erasmus bringt Studenten nicht nur ins Ausland – viele finden dort auch die Liebe. „Viele dieser jungen Menschen haben den Partner, den sie im Ausland gefunden haben, geheiratet. Es gibt rund eine Million Erasmus-Babys“, so die EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou in Brüssel bei der Präsentation einer neuen Studie.

Einer von vier Erasmus-Studenten hat seinen Lebenspartner während des Auslandsaufenthalts kennengelernt. Dafür hat die „The Erasmus Impact Study“ Antworten von 80.000 Befragten analysiert, darunter Studenten, Lehrer und Unternehmer.

Ein Auslandsaufenthalt während des Studiums lässt demnach deutlich die Wahrscheinlichkeit steigen, mit jemandem aus einem anderen Land zusammenzukommen.

Nach den Liebesangelegenheiten untersucht die Studie auch die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt: Erasmus-Studenten sind demnach nur halb so oft von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen, als jene, die kein Auslandssemester absolvieren. Auch fünf Jahre nach dem Abschluss war die Arbeitslosenquote unter den mobilen Studenten 23 Prozent niedriger als von jenen, die ihr Studium im Heimatland absolviert haben.

Doch das bedeutet nicht, dass die Studenten von Erasmus profitiert hätten. Zwar hat sich die die Zahl der Unternehmen, die einen Auslandsaufenthalt für ein wichtiges Einstellungskriterium halten, in wenigen Jahren fast verdoppelt: Zwischen 2006 und 2013 stieg dieser Auswahlfaktor bei den Konzernen von 37 auf 64 Prozent, so die Studie. Doch die EU verkauft den Steuerzahlern diese Binsenweisheit als Erfolg von Erasmus: Weil Unternehmen Mitarbeiter mit Auslandsaufenthalt gerne nehmen, sagt die EU: Erasmus-Absolventen bekommen leichter einen Job. Einen Beleg für genau diese Kausalität findet man nirgends in der Studie.

Die angehenden Akademiker sollen vom Auslandsaufenthalt langfristig profitieren, orakelt die EU-Studie ziemlich vage. In einer Zeit, in der die Jugendarbeitslosigkeit bei rund 20 Prozent, in Spanien und Griechenland sogar bei 50 Prozent liegt, ist Brüssel bemüht, den praktischen Nutzen von Erasmus zu loben.

Mit einem aufgepeppten Budget in Höhe von 15 Milliarden Euro soll das neue „Erasmus +“-Programm zwischen 2014 und 2020 fast 4 Millionen Studenten finanziell absichern.

Im Studienjahr 2012/13 hat das Programm 270.000 Studenten finanziert. Das entspricht zwei Prozent der gesamten Studentenzahl in der EU. Seit dem Jahr 1987 haben rund drei Millionen Studenten einen Austausch mit Erasmus gemacht.

Das Programm umfasst alle 28 EU-Länder, Island, Liechtenstein, Norwegen, Türkei und die Schweiz. Nach der Volksabstimmung zur Begrenzung der Einwanderung im Frühjahr wurden die Gespräche zwischen der EU und der Schweiz zum Austauschprogramm allerdings ausgesetzt.

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