Mitten in Pimco-Krise: Allianz-Chef Diekmann wird abgelöst

Einer der mächtigsten Banken-Manager Deutschlands tritt ab: Allianz-Chef Michael Diekmann wechselt aus dem Vorstand in den Aufsichtsrat. Das ist ein Problem. Denn damit wird es seinem Nachfolger schwerfallen, unvoreingenommen aufzuräumen. Die Allianz ist wegen des Desasters beim Vermögensverwalter Pimco selbst schwer unter Druck geraten.

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Der 49-Jährige Oliver Bäte wird neuer Vorstandschef des Versicherungskonzerns Allianz. Bäte werde mit Wirkung zum 7. Mai 2015 Nachfolger von Michael Diekmann, teilte die Allianz nach einer Aufsichtsratssitzung am Donnerstag in München mit. Der studierte Betriebswirt war im Jahr 2008 von der Unternehmensberatung McKinsey zur Allianz gekommen. Innerhalb des Vorstandes ist er derzeit für das Versicherungsgeschäft in Europa verantwortlich.

Diekmann steht seit März 2003 an der Spitze des größten europäischen Versicherungskonzerns. Im Dezember wird er aber 60 Jahre alt und erreicht damit die interne Altersgrenze der Allianz für Vorstandsmitglieder. Der Aufsichtsrat habe Diekmann aber gebeten, für die Wahl in den Aufsichtsrat ab 2017 zur Verfügung zu stehen. Diese Regelung ist problematisch, weil Diekmann künftig kontrollieren kann, ob Fehler, die er zu verantworten hat, auch als solche erkannt und behoben werden.

Sein Abgang kommt zu einem kritischen Zeitpunkt: Diekmann, der in der deutschen Politik und Finanzwirtschaft einer der einflussreichsten Männer ist, hinterlässt seinem Nachfolger ein schweres Erbe. Der Vermögensverwalter Pimco taumelt den Abgrund entlang. Welche Folgen die Pimco-Krise auf den Bond-Markt haben wird, ist noch nicht abzusehen: Bill Gross, der erst vor wenigen Tagen seinem Rausschmiss durch einen freiwilligen Abtritt zuvorkam, galt als der König des Bond-MArkts – allerdings zu einer Zeit, in der die Zentralbanken sich noch nicht der hemmungslosen Manipulation bei Staatsanleihen hingegeben hatten.

Das Ende der Ära Bill Gross hat bei dem zur Allianz gehörenden US-Vermögensverwalter Pimco den Anleger-Exodus beschleunigt. Im September zogen die Investoren unter dem Strich schätzungsweise 23,5 Milliarden Dollar aus dem Total Return Fund ab, wie Pimco am Mittwoch mitteilte. Besonders viele Anleger hätten dem zentralen Pimco-Fonds am 26. September den Rücken gekehrt. An diesem Tag hatte Gross die von ihm 1971 mitgegründete Firma im Streit verlassen. Der früher als „Bond-König“ bekannte Anlage-Experte hatte bei Pimco den Total Return Fund geführt, zuletzt aber mit weniger Erfolg.

Pimco laufen seit einiger Zeit die Anleger davon. Im August hatten sie unter dem Strich 3,9 Milliarden Dollar aus dem Total Return Fund abgezogen. Im September lief es beim Total Return Fonds nicht rund: Er verbuchte ein Minus von 0,94 Prozent und hinkte damit mehr als drei Viertel der Konkurrenz hinterher, wie aus vorläufigen Daten des Analysehauses Morningstar hervorging. Der Pimco Total Return Fund schlug sich demnach so schlecht wie seit Dezember nicht mehr. Mit dem deutlich größeren Mittelabfluss im September sinkt das Volumen des Fonds nun auf weniger als 200 Milliarden Dollar.

Dabei sei die Welle möglicherweise noch nicht vorbei, sagte der Experte Jeff Tjornehoj von Lipper, das zu Thomson Reuters gehört. „Früher dachten wir, ein Abfluss von acht oder neun Milliarden Dollar im Monat sei ziemlich schlecht“, sagte er. „Jetzt erleben wir acht bis neun Milliarden Dollar pro Tag.“

Für den Pimco-Rivalen DoubleLine Capital war der September dagegen der achte Monat mit Zuflüssen in Folge. Mit 1,65 Milliarden Dollar lag die Summe dabei mehr als doppelt so hoch wie im Vormonat. „Ich weiß das nicht sicher“, sagte DoubleLine-Chef Jeffrey Gundlach zu den Schwierigkeiten seines Konkurrenten. „Aber der gesunde Menschenverstand sagt, dass die Rekordabflüsse sich in den vergangenen drei Tagen ereignet haben.“ Gross wechselt nicht zu DoubleLine, wie zum Teil spekuliert worden war, sondern zum kleineren Konkurrenten Janus Capital.

Die US-Börsenaufsicht SEC zeigte sich gelassen angesichts der Auswirkungen auf die Bond-Märkte. Die Mittelabflüsse seien wegen der Stellung und Bedeutung von Gross in der Branche zu erwarten gewesen, sagte Daniel Gallagher von der Securities and Exchange Commission.

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