Kubanische Bürger bauen unabhängiges Intranet auf

Junge Kubaner haben in Eigen-Regie auf der Insel ein alternatives Internet aufgebaut. Das so genannte „Streetnet“ in Havanna hat bereits 9000 Teilnehmer. Der Zugang zum weltweiten Internet ist in Kuba streng limitiert, sehr langsam und für die Bevölkerung unerschwinglich.

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Weil das Internet in Kuba unerschwinglich ist,  haben junge Kubaner auf der Insel ein alternatives Intranet aufgebaut. In der Hauptstadt hat das so genannte „Streetnet“ bereits 9000 Teilnehmer – und wird bisher von der Regierung toleriert.

Gegründet hat das S-Net ein 22-Jähriger Systemingenieur namens Antonio Moreno. Zusammen mit ein paar Freunden bringt er ein Magazin über IT heraus, das er per E-Mail verteilt. Seit 2001 arbeiten sie daran, das manuelle Netzwerk aufzubauen. Mittlerweile umspannt es 9000  Computer und hat täglich etwa 2000 aktive User. Es gibt zwar keinen direkten Zugang zum „echten“ Internet, aber aus diesem werden immer mehr Inhalte übertragen und regelmäßig aktualisiert. So entstand beispielsweise bereits eine komplette Kopie von Wikipedia.

Es gibt auf der Insel zwar einen Zugang zum echten Internet,  dieses ist jedoch extrem teuer, von der Regierung kontrollierte und zudem viel langsamer als das S-Net. In dem einzigen  Internet-Cafe in Havanna kostet eine Stunde surfen ein Viertel eines durchschnittlichen kubanischen Monatsgehalt, berichtet Vice.

W-Lan-Nutzung ist in Kuba eigentlich illegal. Die kubanische Exil-Zeitung Diario de Cuba berichtet jedoch von einer taktischen Übereinkunft mit der Regierung, die das Projekt zumindest toleriert.

Um nicht auf das Radar der Regierung zu kommen, haben sich die Aktivisten demnach jedoch eigene Regeln auferlegt. So sind Pornografie und Politik im S-Net unerwünscht. Moreno erklärte der ​AP: „Wir legen uns mit niemandem an. Wir wollen nur spielen und Ideen austauschen. Wir versuchen nicht, die Regierung zu beeinflussen, oder das, was in Kuba passiert. Wir tun das Richtige und sie lassen uns machen.“

Ein ähnliches Projekt haben Bürger jüngst in Mexiko gestartet. Hier bauen Dorfbewohner eigenmächtig Funkmasten auf, um ländliche Regionen mit Mobilfunkempfang zu versorgen.


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