Germanwings Absturz: Piloten-Verbände üben scharfe Kritik an Ermittlungen

Der europäische Pilotenverband ECA fürchtet um die Unabhängigkeit der Ermittlungen im Fall des Germanwings Absturzes. Der Internationale Pilotenverband kritisiert, dass die vorzeitige Veröffentlichung von Teilergebnissen aus der Auswertung des Stimmenrekorders die Ermittllungen behindere und auf „Sensationalismus und Voyeurismus der übelsten Sorte“ abziele.

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Mit großer Verärgerung haben Pilotenverbände darauf reagiert, dass Ermittlungsinformationen zum Germanwings-Absturz vorab an Medien weitergegeben worden sind. Der französische Pilotenverband SNPL kündigte am Freitag an, Anzeige wegen Verrats von Berufsgeheimnissen zu erstatten. Der europäische Pilotenverband ECA fürchtet um die Unabhängigkeit der Ermittlungen, wie die dpa schreibt.

Dass Daten aus dem Stimmenrekorder der Germanwings-Maschine so schnell öffentlich gemacht worden seien, sei ein schwerer Verstoß gegen akzeptierte Standards der Unfallaufklärung, kritisierte der Pilotenverband. Er verwies auf ähnliche Kritik des internationalen Berufsverbandes Ifalpa.

Grund für die geplante Anzeige des französischen SNPL sind Berichte der «New York Times», die Informationen auf Basis des Stimmrekorders der abgestürzten Maschine noch vor der Pressekonferenz des Staatsanwaltes verbreitet hatte. Das bedeute, dass es eine undichte Stelle gegeben habe, sagte der Präsident der Vereinigung, Eric Derivry, im französischen Sender BFMTV.

Der zuständige Staatsanwalt Brice Robin aus Marseille hatte am Donnerstag Erkenntnisse der Ermittler zum Todesflug bekanntgegeben. Er hatte aus den Aufzeichnungen des Stimmenrekorders gefolgert, dass der Copilot am Ende des Fluges allein in der Kabine war und der Pilot aus der Kabine ausgesperrt war. Der Copilot soll den Airbus nach derzeitiger Einschätzung der Ermittler absichtlich zum Absturz gebracht haben. Über mögliche Motive gab es zunächst keine gesicherten Erkenntnisse.

Die informelle Weitergabe von Informationen behindere die Ermittler in ihrer Arbeit, erklärte die ECA in einer Stellungnahme. Demnach gäbe es viele offene Fragen über den Unfallhergang. «Die notwendige Führung der Sicherheitsermittler scheint von Strafverfolgungs-Erwägungen verdrängt worden zu sein», beklagte der Verband. «Dies ist äußerst schädlich und macht es schwerer, die Luftfahrt durch Lehren aus dieser Tragödie sicherer zu machen.»

Die internationale Pilotenverband Ifalpa mit Sitz im kanadischen Montreal kritisierte die vorzeitige «Schuldzuweisung» und sprach in einer Mitteilung von einem «Vertrauensbruch gegenüber allen an der Untersuchung Beteiligten und den Familien der Opfer». Eine frühe Veröffentlichung von Teilergebnissen aus der Auswertung des Stimmenrekorders behindere die Untersuchungen. Eine solche Nutzung der Informationen sei «eine inakzeptable Störung der Privatsphäre», die auf «Sensationalismus und Voyeurismus der übelsten Sorte» abziele.

Die ECA (European Cockpit Association) vertritt nach eigenen Angaben 38 000 Piloten aus Europa. Die Ifalpa beschreibt sich als Dachverband für mehr als 100 Berufsorganisationen mit mehr als 100 000 Piloten.

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