Russland-Sanktionen: Österreich rechnet mit Export-Minus von 25 Prozent

Österreichs Exporte nach Russland werden infolge der Sanktionen um 25 Prozent einbrechen. Bis zu 45.000 Arbeitsplätze sind in Gefahr. Ein Studie aus Österreich räumt mit der Illusion auf, die Sanktionen träfen Russlands Präsident Wladimir Putin oder die mächtigen Staatskonzerne. Betroffen ist der Mittelstand in Russland und der EU: Russische Klein- und Mittelbetriebe bekommen keine Kredite mehr. Europäische Industrieunternehmen können nicht mehr nach Russland liefern.

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Die Russland-Sanktionen werden Österreichs Wirtschaft stärker treffen als zunächst befürchtet. Eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) geht davon aus, dass im Extremfall 45.000 Jobs wegfallen. Sollten die Sanktionen noch einmal verschärft werden kann der Export nach Russland um ein Viertel einbrechen, das entspricht einem Verlust der Bruttowertschöpfung in Höhe von 2,9 Milliarden Euro.

Von den gefährdeten Arbeitsplätzen kommen knapp 4.000 aus dem Einzelhandel. Die Handelsvermittlung und der Großhandel verlieren Berechnungen des Wifo zufolge 3.145 Jobs. Ein ähnliches Ausmaß nimmt der Jobabbau bei den Dienstleistungen, im Bauwesen, im Beherbergungs- und Gaststättenwesen sowie beim Maschinenbau an. Auch der Tourismus wird bei dauerhaften Sanktionen nachhaltig geschädigt.

„Im Vergleich zu den anderen EU-27 Ländern leidet Österreich aufgrund seiner engen Lieferbeziehungen in einigen Ländern mit einem hohen Exportanteil nach Russland stärker unter den indirekten Effekten der Russlandkrise als andere europäische Länder“, heißt es in der Wifo-Studie.

Die Studie skizziert drei mögliche Szenarien. Im schlimmsten Fall droht Österreich der Verlust von 45.000 Jobs und der Einbruch der Exporte um bis zu 40 Prozent im Vergleich zu 2013. Sollten die Sanktionen nicht verschärft werden, doch länger anhalten, werden Exportausfall und Tourismusrückgang den Verlust von 24.000 Jobs bedeuten. Auch beim optimalsten Szenario der Wirtschaftsforscher, in dem die Exporte nur temporär ausfallen und sich der Tourismusrückgang in Grenzen hält, sind 9.000 Jobs nicht mehr zu retten.

Deutlich betroffen sind die Österreicher bei der Ausfuhr von Lebensmitteln. Russland hat die Einfuhr von Agrarerzeugnissen verboten. Unter das Importverbot fallen Rind- und Schweinefleisch in jeglicher Form, Geflügel und Geflügelerzeugnisse, Selch- und Wurstwaren, Milch und alle Milchprodukte, darunter auch Rohmilch und sämtliche Lebensmittel, die Milch enthalten, sowie Fisch, Gemüse und Obst. Die Sanktionen senken die Exporte der österreichischen Landwirtschaft in die Region um 50 Millionen Euro.

Zulieferer der Industrie können keine Maschinen-Teile mehr nach Russland schicken. Die Sanktionen betreffen auch sogenannte Dual-Use-Güter, die für den militärischen wie zivilen Sektor verwendet werden können. Der Boykott dieser Güter trifft vor allem Mittelständler und Industriebetriebe, denn jede Dichtung und jedes Kugellager kann genauso gut in eine Maschine oder in einen Panzer eingebaut werden.

Die Sanktionen des Westens verfehlen ihr Ziel. Sie treffen nicht in etwa die großen Konzerne in Russland, sondern die kleinen und mittleren Betriebe. Russische Banken bekommen kein Kapital mehr und können sich folglich nicht mehr in Europa und den USA refinanzieren. Die Kreditvergabe an den Mittelstand in Russland kommt daher zum Erliegen. „Die Staatsbetriebe Rosneft oder Gazprom rennen ohnehin zum Staat und werden von ihm auch unterstützt“, sagt Dietmar Fellner, Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Moskau, zum Standard.

Aus Österreich kommen Maschinen und Anlagen sowie pharmazeutische Erzeugnisse nach Russland. Auch die Papierindustrie, Bauunternehmen und holzverarbeitende Konzerne haben Werke vor Ort. Die Unternehmen in Russland spüren den Rückgang der Kaufkraft, berichtet der Standard.

Abseits der aktuellen Entwicklungen wird es nachhaltige, spürbare negative volkswirtschaftliche Effekte im Handelskonflikt zwischen Russland und der EU geben. Die Handelsbeziehungen, die über Jahre hinweg aufgebaut wurden, werden durch die Sanktionen zerstört. Es wird wieder Jahre dauern, bis gegenseitiges Vertrauen in neue Handelsbeziehungen wachsen kann.

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