Währungskrieg: Schweiz verliert wegen EZB-Programm 30 Milliarden Franken

Die Schweizerische Nationalbank gibt Verluste in Höhe von 30 Milliarden Franken bekannt. Hintergrund ist das QE-Programm Draghis, das den Euro-Kurs nach unten drückte. Wegen der Einführung einer Untergrenze des Wechselverhältnisses zum Euro musste die SNB massiv Devisen ankaufen – vor allem in Euro.

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Im September 2011 führte die Schweizer Nationalbank (SNB) eine Untergrenze für den Schweizer Franken zum Euro ein. Demnach musste ein Euro künftig mindestens 1,20 Franken kosten. Ein niedrigerer Kurs werde ab sofort nicht mehr toleriert, teilte die SNB mit. „Die Nationalbank wird den Mindestkurs mit aller Konsequenz durchsetzen und ist bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen“. Ziel sei „eine deutliche und dauerhafte Abschwächung des Frankens“. In der Folge musste die SNB massiv Euro-Devisen ankaufen.

Hintergrund war damals der starke Schweizer Franken gegenüber dem Euro. Wegen der Euro-Schuldenkrise hatte der Franken stark an Wert gewonnen. Es bedeutete eine Verteuerung vieler Exporte von Schweizer Unternehmen. Laut dem Dachverband der Schweizer Wirtschaft fürchteten 20 Prozent der Exportunternehmen wegen des Höhenflugs des Franken um ihre Existenz. Die gegenwärtig massive Überbewertung des Schweizer Frankens stelle eine akute Bedrohung für die Schweizer Wirtschaft dar, bekundete damals die SNB, und berge das „Risiko einer deflationären Entwicklung“.

Die Einführung einer „Untergrenze“ des Verhältnisses des Franken zum Euro war jedoch gefährlicher als eine Kopplung an den Euro. Denn bei einer Kopplung hätte die SNB bei einem Überschießen als auch Unterschießen innerhalb einer Bandbreite Euros kaufen und auch wieder verkaufen können. Beim einem Mindestkurs jedoch – bzw. bei der Festlegung einer „Untergrenze“ – konnte die SNB aber nur kaufen und kaum verkaufen, da dies vom Markt falsch hätte interpretiert werden können, wie Inside Paradeplatz analysiert. Deshalb stiegen die Euro-Devisen der Zentralbank massiv an. Aktuell liegen bei der SNB 532 Milliarden Franken in Devisenreserven, 42,5 Prozent davon in Euro.

Am Donnerstag gab die Schweizerische Nationalbank nun Verluste in Höhe von 30 Milliarden Franken bekannt. Die Buchverluste waren die Folge der Aufhebung der Untergrenze der Schweizer Währung vom Euro.

Dahinter stehe vor allem der Wertverlust des Euro gegenüber dem Franken von 13,1 Prozent, meldet die Neue Zürcher Zeitung. So weist die SNB allein auf ihre Devisenanlagen einen Verlust von 29,3 Milliarden Franken auf.

Der Wertverlust des Euro gegenüber dem Franken ist auf das Anleihekaufprogramm der EZB zurückzuführen. Noch vor Draghis Ankündigung am 22. Januar, sein QE-Programm wahr zu machen und monatlich 60 Milliarden Euro durch Staatsanleihenkäufe in den Markt zu drücken, hatte die SNB am 15. Januar die Aufhebung des garantierten Mindestwechselkurses von 1,20 Franken pro Euro verfügt. Hintergrund war, dass die SNB auch weiterhin massenhaft Euro hätte kaufen müssen. Nach Draghis QE-Entscheidung fiel der Euro bis 1,06 in Parität zum US-Dollar. Unlängst stieg er wieder auf 1,10. Die SNB veranlasst diese Entscheidung, denn sonst hätte es den Franken und somit die Schweiz mit in die Tiefe gezogen.

Im letzten Quartal 2014 war von der SNB noch ein Gewinn von 4,4 Milliarden Franken ausgewiesen worden, in 2014 hatte die SNB noch einen Gewinn von 38,3 Milliarden Franken verbucht, wie die SNB in ihrem 1. Quartalsbericht 2015 mitteilte.

Nachdem die Schweizerische Nationalbank die Untergrenze zum Euro im Januar aufhob, stieg der Wert der Schweizer Währung zunächst enorm. Nach der Entscheidung der SNB war der Kurs des als krisensicher angesehenen Franken aufgrund der weltweiten Nachfrage stark gestiegen. Zeitweise erreichte er sogar Parität mit dem Euro. Die Aufwertung des Frankens gegenüber allen wichtigen Währungen hatte zur Folge, dass die Devisenbestände der SNB per Ende März gut 41 Milliarden Franken an Wert verloren haben. Der jetzige Quartalsverlust resultiert zu 29,3 Milliarden Franken aus dem Kursverfall des Euro und anderer Fremdwährungspositionen.

Inside Paradeplatz kritisiert die Schweizer Nationalbank-Politik überaus deutlich: „Je nachdem, wie sich der Euro und in abgeschwächter Form der Dollar entwickeln, muss die SNB mit weiteren Ausfällen rechnen. Ihre gigantische Devisenposition macht sie zu einem Hedgefonds, der sein ganzes Kapital auf ganz wenige Währungen gesetzt hat. Krachen diese Währungen, dann erleidet die SNB Großverluste. Hören diese nicht auf, sinkt das Eigenkapital der SNB gegen null. Oder wird sogar rot. Dann wäre die SNB Konkurs“.

Der aktuelle Verlust der SNB bedeutet, dass sie – wie bisher – ihre Gewinne nicht an die Kantone weitergeben kann.

Ihre Zinspolitik wird die SNB, wie von Ökonomen erwartet, nicht verändern. Die Schweizer Notenbank belässt den Dreimonats-Libor-Zinssatz bei minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent. Die Giroguthaben der Banken bei der SNB werden weiterhin mit 0,75 Prozent belastet.

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