Euro-Krise und Russland-Sanktionen schaden der deutschen Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft hat sich im ersten Quartal deutlich schwächer entwickelt als prognostiziert. Die Gründe liegen auf der Hand: Deutschland hat den größten Schaden aus den Russland-Sanktionen. Die Euro-Krise verschärft die Lage deutlich.

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Die deutsche Wirtschaft spürt die Folgen der Euro-Krise und der Russland-Sanktionen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von Januar bis März im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte.

Dies liegt weit unter den Prognosen der Wirtschaftsforscher, die zu Jahresende noch sehr forsch ein Wachstum von 2 Prozent vorhergesehen hatten.

Ein Hauptproblem für Deutschland sind die EU-Sanktionen gegen Russland. Der russische Botschafter in Deutschland, Wladimir Grinin, sagte den Deutschen Wirtschafts Nachrichten, dass die Sanktionen Deutschland und Russland massiv schadeten. Grinin zu den nackten Zahlen:

Deutsche Investitionsagenturen registrierten in der ersten Jahreshälfte 2015 kein einziges Greenfeld-Projekt russischer Investoren in Deutschland. Dabei ist nicht zu vergessen, dass Russland als Nichtmitglied der EU nach der Schweiz das größte europäische Investor-Land bei derartigen Projekten in Deutschland ist – von 2008 bis 2013 wurden 63 Projekte gestartet. Dieser Rückgang kam nach einem recht aktiven Ausbau der Präsenz des russischen Kapitals auf dem deutschen Markt, der faktisch bis 2014 stattfand. 2014 brachen die deutschen Exporte nach Russland dramatisch ein – um 18,1 Prozent oder 6,5 Milliarden Euro. In absoluten Zahlen wurden im vergangenen Jahr an Russland deutsche Waren und Dienstleistungen im Wert von 29,3 Milliarden Euro gegen 35,8 Milliarden Euro im Jahr 2013 verkauft. 2014 schrumpfte der Warenumsatz zwischen Russland und Deutschland um 12,09 Prozent auf 67,7 Milliarden Euro (gegen 77,03 Milliarden im Jahr 2013). Anfang 2015 setzte sich diese absteigende Tendenz fort. Im Januar-Februar dieses Jahres erreichte der Rückgang der deutschen Exports mit 34 Prozent einen weiteren Tiefpunkt.

Ende 2014 war die deutsche Wirtschaftsleistung verglichen mit dem vorangegangenen Vierteljahr noch um 0,7 Prozent gestiegen. Und: Die Erwartungen von Bankvolkswirten, die mit einem Plus von 0,5 Prozent gerechnet hatten, wurden diesmal klar verfehlt.

Wichtigster Wachstumstreiber war erneut der Konsum im Inland. Die privaten Haushalte steigerten ihre Ausgaben, weil einerseits Sparanlagen angesichts der mickrigen Zinsen unattraktiv sind und sie andererseits dank steigender Löhne und Rekordbeschäftigung mehr Geld in der Tasche haben.

Positive Impulse kamen zudem von den staatlichen Konsumausgaben und den Investitionen. «Sowohl in Bauten als auch in Ausrüstungen wurde deutlich mehr investiert als im vierten Quartal 2014», erklärten die Statistiker.

Hingegen bremste der Außenbeitrag – also die Differenz der Entwicklung von Ex- und Importen – das Wachstum. Zwar wurden nach den vorläufigen Berechnungen mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als Ende 2014. Deutschlands Importe stiegen den Angaben zufolge aber noch sehr viel kräftiger.

Im Vorjahresvergleich hat sich das Wirtschaftswachstum ebenfalls verlangsamt: Das preisbereinigte BIP stieg im ersten Quartal 2015 um 1,1 Prozent zum Auftaktquartal 2014. Von Oktober bis Dezember 2014 hatte das BIP im Jahresvergleich noch um 1,6 Prozent zugelegt.

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