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Zu viel Risiko, zu viele Fehler: Die Zentralbanken sitzen in der Falle

Die US-Notenbank steht vor einer weitreichenden Entscheidung. Doch die Verwerfungen an den Märkten verunsichern die Zentralbanker. Die Fed steht vor den Folgen einer völlig verfehlten Geldpolitik. Die EZB schickt sich an, dieselben Fehler zu machen. Die Zentralbanken sitzen in der Falle. Sie finden keinen Ausweg.

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Die amerikanische Zentralbank hat seit rund einem Jahr die Märkte auf eine kommende leichte Normalisierung der Zinssituation vorbereitet. Sie hält seit mehr als sechs Jahren den Satz für Fed Funds bei null Prozent. Diese sehr sacht und behutsam, aber konsistent vorgenommene Kampagne hat ganz wesentlich zu einer Stärkung des Dollars beigetragen. Die vorher aufgesetzten carry trades vor allem in Schwellenländern wurden zurückgefahren, darum die teilweise so massive Reaktion der Währungen.

Die offizielle Diagnose ist ganz einfach und konventionell. In den Reden der Fed-Gouverneurin ist sie gut dargestellt. Ziel der amerikanischen Geldpolitik ist maximales Wirtschaftswachstum bei Preisstabilität. Diese Zielsetzung der Geldpolitik sei noch nicht erfüllt, aber nahe. Die Beschäftigung hat seit dem Tiefpunkt der Rezession wieder um rund 12 Millionen Stellen zugenommen. Sie liegt heute höher als auf dem konjunkturellen Höhepunkt im Jahr 2008. Die Arbeitslosenquote ist deutlich zurückgegangen. Ein Blick auf die Details der Arbeitsmarktstatistik enthüllt auch in der Analyse der Fed-Gouverneurin, dass das Bild etwas weniger positiv ist, als es in diesen Zahlen erscheint. Doch die weitere Festigung der Konjunktur und damit die Richtung Vollbeschäftigung werden nicht bezweifelt. Die Preisstabilität ist in den USA vom Fed seit 2012 definiert als 2% per annum, gemessen an der prozentualen Veränderung des Konsumdeflators (engl. personal consumer deflator, kurz PCE) im Vorjahresvergleich. Liegt die Inflationsrate nachhaltig tiefer, so wird sie als Risiko für eine deflationäre Entwicklung wahrgenommen.

Nach diesem Kriterium gäbe es derzeit noch keinen Grund für eine Straffung der Geldpolitik, verharrt doch die so definierte Inflationsrate penetrant unter 2% und ist 2015 eher noch am Sinken begriffen, auch ohne Erdöleinfluss. Das einzige Argument in den Vorträgen der Notenbankdirektorin ist die Wahrnehmung, dass die rückläufige Teuerung einem vorübergehenden Erdöl-Effekt entspringt. Anfangs nächsten Jahres sollte dieser auslaufen. Die Erdölpreise sollten dann keinen wesentlichen dämpfenden Einfluss mehr ausüben.

Diese konventionelle Analyse dürfte indes nur die halbe Wahrheit darstellen. Auch bei wohlwollender Betrachtung ist aus dieser Analyse nicht einsichtig, warum die Notenbank die Zinsen ausgerechnet jetzt anheben sollte. Der Arbeitsmarkt ist keineswegs so robust, dass eine beschleunigte Lohnsteigerung zu erwarten wäre. Der deflationäre Einfluss der Rohstoffpreise und die scharf nachlassende Weltkonjunktur könnten viel stärker ausfallen und länger anhalten, als dies von der Zentralbank bisher erwartet worden ist.

Die Straffung der Geldpolitik ist nur gerechtfertigt, wenn die Probleme einer Nullzinspolitik im generellen und die Preise für Vermögensgüter einbezogen werden. In den USA sind die Immobilienpreise wieder massiv angestiegen, nicht mehr überall und vor allem nicht mehr im unteren Preissegment, aber in besseren Lagen in ganz extremem Ausmaß. Die Finanzmärkte hatten bis vor kurzem einen spektakulären Höhenflug, mit viel zu engen Risikospreads und überhöhten Aktienpreisen.

Die ganze Wahrheit ist eine andere: Die amerikanische Notenbank hat während mehr als sechs Jahren die Zinsen auf Null festgezurrt und durch drei Phasen quantitativer Lockerung die Konjunktur unterstützt oder angeheizt. Diese lange Phase der Nullzinspolitik hat aber Nebeneffekte gehabt, die jetzt sichtbar werden. Sie hat eine Risiko-Kumulation begünstigt, die jetzt zum Platzen von Blasen führt.

Die Nullzinsen sollten eine absolute Ausnahme darstellen, sie sind gerechtfertigt in einer Situation wirtschaftlichen Ausnahmezustandes, drohenden Systemzusammenbruchs oder schwerer Depression. Lang anhaltende Nullzinsen sind in einem deregulierten Finanzsystem gefährlich, sie sorgen für eine Fehlallokation und für Nebeneffekte, die im Moment schwer erkennbar sind, aber nachher massiv und kumulativ ausfallen können. Während der Zeit viel zu tiefer Zinsen wird die Konstellation als angenehm empfunden, nachher endet die ganze Episode mit einem bösem Kater oder mehr.

Diese lange Periode der amerikanischen Nullzinsen seit 2009 hat global gesehen die präzedenzlose Kreditexpansion Chinas seit 2009 in geradezu beängstigender Weise perfekt ergänzt. Sie hat dafür gesorgt, dass sich eine gigantische Woge der Liquidität in die Schwellenländer, in Rohstoffe und in Aktien und in Kredite ergoss, die mit der Überkonjunktur in China zusammenhängen. In den USA haben die gefühlt ewigen Nullzinsen zu einer massiven Verschuldung in Dollar, und zu carry trades aller Art geführt.

Ein carry trade impliziert mindestens zwei Operationen: Der eine Teil der Operation besteht darin, sich hauptsächlich kurzfristig in einer Währung zu verschulden , in diesem Fall dem Dollar. Der andere Teil der Operation umfasst die Investition in andere Aktiven, möglicherweise in anderen Währungen. Ein solcher carry trade war die Verschuldung in Dollars, und die Anlage in höher verzinslichen Aktiven von Schwellenländern: Im Geldmarkt, in Staatsanleihen, in Rohstoffen. Ein anderer carry trade beinhaltete die Anlage in globalen Aktien und in Krediten, vor allem in high yield oder in junk bonds, die damit zusammen hängen. Auch komplexe strukturierte Produkte, die solche Operationen beinhalteten, kamen wieder in Schwung. Schließlich verschuldeten sich Unternehmen in breitem Ausmaß, um Kapazität in China oder in Rohstoffländern aufzubauen.

Die Nullzinsen haben Akteure mit Restriktionen in Bezug auf Mindesterträge, im Klartext die großen Institutionellen, bewogen oder gezwungen, sich auf die höchsten Erträge zu werfen. Versicherer und Pensionskassen erwarben Dividendentitel, Corporate und high-yield bonds, Anlagen in Schwellenländern, Immobilien. Banken vergaben hohe Kredite dorthin. Sie taten dies, weil ihre traditionellen Anlagen, etwa in Staatsanleihen, keine genügenden Erträge mehr abwarfen, um die Renditen auf den Verpflichtungen zu decken. Die Risikoprämien dieser Anlageklassen wurden gnadenlos zusammengedrückt, und realwirtschaftlich die Allokation in diese Bereiche weit überhöht.

Beispiele: Die globalen Multis expandierten wie verrückt in China, dem ewigen Zukunftsmarkt. Die Direktinvestitionen und die nachfolgende Kapazitätserweiterung nahmen gigantische Formen an. Unter dem Stichwort BRICs wurde auch bedenkenlos in Russland und in Brasilien investiert, sowie in allen möglichen Schwellenländern. Dass die Strukturen dort ein nachhaltiges Wachstum gar nicht erlauben, war kein Hindernis. Dass damit ein einziges global konzentriertes China-Risiko entstand, bekümmerte die Risiko-Manager auf verschiedensten Ebenen nicht. Ein enormer Hype entstand schließlich im amerikanischen Energiesektor um tight oil, das auch bei Erdölpreisen von über 100 Dollar per Barrel während Jahren im Branchendurchschnitt keinen Cashflow zu generieren imstande war.

Die Geldpolitik sowie die Finanzpolitik, die nie so restriktiv war wie in Europa, haben in den USA einen Konjunkturaufschwung hingebracht. Er ist deutlich schwächer als konjunkturelle Expansionsphasen in der Vergangenheit. Aber immerhin viel kräftiger als in Europa, präziser als in der Eurozone. Besser wäre es gewesen, die Steuern auf hohe und sehr hohe Einkommen zu erhöhen, etwa durch die Beendigung der von Präsident Bush durchgepaukten Steuerkürzungen, und damit ein groß angelegtes Infrastrukturprogramm zu finanzieren.

Die USA haben inzwischen eine Infrastruktur, die teilweise dem Standard von Schwellen- oder sogar Entwicklungsländern entspricht. Allein für Reparaturen gibt es praktisch unbegrenzten Bedarf. Auch die Qualität des öffentlichen Bildungswesens würde gezielte Investitionen erfordern. Die fehlende Unterstützung durch die Finanzpolitik hat die Geldpolitik in eine falsche Richtung gedrängt. Ein Nebeneffekt der jahrelang expansiven amerikanischen Geldpolitik war eine gewaltige Fehlallokation von Kapital in allen möglichen Sektoren. Die Fehlallokation der Ressourcen in die Schwellenländer hat dort zu Überkapazität und zu einer gefährlichen Auslandverschuldung vor allem der Unternehmen und typischerweise in US-Dollar geführt.

Allerdings darf die klassische Geldpolitik über die Zinssteuerung nicht allein für diese enorme Kreditexpansion und Blasenbildung verantwortlich gemacht werden. Die verfehlte Banken- und allgemeine Finanzmarkt-Regulierung tragen wesentlich dazu bei. Bei dieser spielen die Notenbanken ebenfalls eine beträchtliche Rolle. Und die Orientierung der Finanzpolitik in den USA (erst recht in Europa) zwang der Notenbank geradezu eine Rolle auf, welche sie langfristig gar nicht durchhalten kann.

Am Ursprung der verhängnisvollen Verkettung aber stand und steht die amerikanische Notenbank. Vor allem ein Mann, der während Jahren oder sogar Jahrzehnten an den Finanzmärkten wie Gott angesehen wurde: Alan Greenspan. Er war ganz wesentlich an der in Etappen erfolgten Manipulation der Inflationsmessung in den Vereinigten Staaten beteiligt, eigentlich deren spiritus rector. Aus den Preisindizes wurden in seiner Zeit für die Zwecke der Geldpolitik Energie- und Nahrungsmittelpreise konsequent herausgerechnet, und eine Kernrate in den Mittelpunkt gestellt und überhöht. Das ist zu rechtfertigen, wenn diese Komponenten nur für kurzfristige Volatilität sorgen. Es ist falsch, wenn die Energie- und Nahrungsmittelpreise jahrelang im Trend scharf ansteigen und eigentlich das Gros der Inflation ausmachen.

Nirgends sind die Rohstoffpreise so direkt von der Geldpolitik bestimmt wie in den USA. Sie sind dort geradezu Teil und Kernstück des geldpolitischen Transmissionsmechanismus. Verschiedene weitere Punkte runden das Bild einer gewissenlosen Manipulation der Inflationsstatistiken ab: Die Messung der Wohnkosten über imputierte Eigenmietwerte (engl. Owner’s Equivalent Rent, kurz OER) und die Art und Weise, wie dies umgesetzt wurde. Die kruden Annahmen über das Konsumentenverhalten bei relativen Preisänderungen (teures Steak wird einfach durch billige Hamburger ersetzt), die Berücksichtigung der Gesundheitskosten. Wäre die Inflation in den 2000er Jahren mit der gleichen Methodologie wie in den 1970er Jahren gemessen worden, wäre sie in der Mehrzahl der Jahre zweistellig ausgefallen. Das bedeutet allerdings nicht, dass die effektive Teuerung so hoch lag. Sie war aber wesentlich höher als ausgewiesen. Und sie vermittelt ein viel zu positives Bild gegenüber der Periode der ersten beiden Erdölschocks.

Die Fed hielt deshalb die Zinsen in den 2000er Jahren zu niedrig, was zusammen mit der Bankenregulierung einen spektakulären Boom der Häuserpreise finanzierte. Greenspan malte 2003 das Schreckgespenst eines Deflationsrisikos an die Wand und senkte die Zinsen nochmals von 1.5% auf 1%, als die Konjunktur mit Macht zulegte und ein gewaltiger Refinanzierungsboom längst im Gange war. Ein Schuldenaufbau mit hoher Eigenmittelentnahme und eine gigantische Fehlallokation der Kreditvergabe in diesen Sektor waren die Folge seiner verfehlten Geldpolitik.

Nach der Finanzkrise von 2008, welche die US-Notenbank maßgeblich selber hervorgerufen hatte, musste die Geldpolitik die Hauptlast der Konjunkturbelebung tragen. Deshalb liegen die Zinsen bis heute bei Null. Jetzt platzt die nächste Blase, welche die US-Geldpolitik zumindest mit geprägt hat. Der Hauptgrund war ganz klar die Geld- und Kreditpolitik Chinas. Im Prinzip ist die inflationäre Wirkung der amerikanischen Geldpolitik über die Rohstoffpreise nun verfallen. Diesen Grund für einen Zinsschritt gibt es eigentlich nicht. Die amerikanische Notenbank hat diese Blase mit ihrer Kampagne bezüglich kommender Zinserhöhung subtil über einen stärkeren Dollar aufgestochen.

Doch die Situation zeigt, in was für eine Ecke zwölf Jahre fehlgeleiteter Geldpolitik die amerikanische Zentralbank gebracht haben. Mit zu expansiver Geldpolitik gehen nicht nur wie im Standard-Lehrbuch-Modell Nachfrage-, sondern auch Angebots- und sektorale Allokationseffekte einher. Von der inländischen Konjunktur her sind Nullzinsen eigentlich nicht mehr gerechtfertigt, und zwar schon seit längerem. Nullzinsen sind für eine konjunkturelle Extremsituation angezeigt.

Aber die Notenbank geht mit einer Zinserhöhung zum jetzigen Zeitpunkt erhebliche Risiken ein, weil aus dem Ausland bereits massive deflationäre Einflüsse kommen. Diese scheinen zumindest in der Rhetorik der Notenbank noch unterschätzt. Was die Fed wirklich machen wird, kann nicht so einfach vorhergesagt werden. Es scheint, dass die Notenbank dies unter anderem von den Arbeitsmarktzahlen vom nächsten Freitag abhängig macht. Dies ist eine Reihe, die durch notorische Revisionen gekennzeichnet ist.

In Europa ist die Kombination von Finanz- und Geldpolitik noch bedeutend ungünstiger als in den USA. Die wirklich nur leichte Konjunkturbelebung hat jegliche Anstrengung für geistige Kreativität in der Finanzpolitik erstickt. Darum lastet viel zu viel Druck auf der EZB. Diese scheint für Donnerstag sogar eine Beschleunigung des Ankaufsprogrammes für Staatsanleihen ins Auge zu fassen. Auch dies könnte ohne Kurswechsel längerfristig ein böses Ende nehmen.

 

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Obama: Angela Merkel ist die neue Ansprechpartnerin der USA
Obama: Angela Merkel ist die neue Ansprechpartnerin der USA
US-Präsident Obama will sich über den Umgang der EU mit Großbritannien künftig direkt mit Bundeskanzlerin Merkel abstimmen. Bisher waren die Briten der erste Ansprechpartner für die US-Regierung. Hillary Clinton will genau diese Achse aufrechterhalten.
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US-Präsident Barack Obama mit der damaligen Außenministerin Hillary Clinton im September 2012. (Foto: dpa)

US-Präsident Barack Obama mit der damaligen Außenministerin Hillary Clinton im September 2012. (Foto: dpa)

US-Präsident Barack Obama stimmt sich beim Umgang mit der britischen Entscheidung für den EU-Austritt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ab, berichtet die AFP. Er habe am Freitag mit Merkel telefoniert, sagte Obama in einer Rede an der kalifornischen Stanford-Unversität. Dabei habe er mit der Kanzlerin vereinbart, „dass die USA und ihre europäischen Verbündeten in den kommenden Wochen und Monaten eng zusammenarbeiten werden“.

Obama äußerte zugleich die Erwartung, dass Großbritannien seinen Austritt aus der Europäischen Union in „geordneter“ Weise vollziehen werde. In einem Telefonat mit dem britischen Premierminister David Cameron habe er mit diesem abgesprochen, dass die Wirtschafts- und Finanzteams beider Regierungen in engem Kontakt bleiben sollten.

Der britische Regierungschef, der das Referendum anberaumt, aber für den Verbleib seines Landes in der EU geworben hatte, hat seinen Rücktritt für Oktober angekündigt. Er will, dass erst sein Nachfolger die Ausstiegsverhandlungen mit der EU führt.

Einen anderen Akzent setzte Hillary Clinton, voraussichtliche Präsidentschaftskandidatin der US-Demokraten: Sie sagte, die „special relationship“ zwischen Großbritannien sowie der transatlantischen Allianz und den USA sei weiterhin unverbrüchlich.

Der US-Präsident hatte sich für den Verblieb Großbritanniens in der EU eingesetzt. Bei einem Besuch in Großbritannien im April warnte er vor schwindendem britischen Einfluss in der Weltpolitik bei einem EU-Austritt. Die Europäische Union habe den britischen Einfluss nicht geschmälert, sondern „vergrößert“.

Die Intervention des US-Präsidenten nutzte aber womöglich eher dem Brexit-Lager. Sie könnte „kontraproduktiv“ gewesen sein, sagte am Freitag der Europa-Experte Michael Geary vom Wilson Center, einem Washingtoner Institut.

Für die USA werden nun die Beziehungen sowohl zu Großbritannien als auch zur Europäischen Union komplizierter und instabiler. Die unüberschaubaren Folgewirkungen des Brexit machen beide Partner zu unberechenbaren Größen.

In einem knappen schriftlichen Statement versicherte Obama am Freitag, dass sowohl die Europäische Union als auch Großbritannien für die USA „unverzichtbare Partner“ blieben, auch während der Phase der Neuverhandlung ihrer gegenseitigen Beziehungen. Und er beteuerte, dass die „besondere Beziehung“ zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien erhalten bleibe und Washington weiter auf Großbritannien als Nato-Partner setze.

Die USA haben ihre besonders enge Partnerschaft zu Großbritannien traditionell dafür genutzt, innerhalb Europas Einfluss auszuüben. Die „besondere Beziehung“ zu London habe die Kooperation mit der EU bei vielen Themen leicht gemacht, sagte der Experte Jeffrey Rathke vom Center for Strategic and International Studies in der US-Hauptstadt. Nach der Entscheidung für den Brexit müssten die USA nun ihre Kooperation mit anderen europäischen Staaten „aufpeppen“.

Stunde der Wahrheit: Brexit als Auslöser der nächsten Finanz-Krise
Stunde der Wahrheit: Brexit als Auslöser der nächsten Finanz-Krise
Der Austritt Großbritanniens aus der EU ist ein Katalysator für gravierende globale Fehlentwicklungen. Er wird als externer Faktor verwendet werden, um massive Bereinigungen in einer Zombie-Wirtschaft vorzunehmen, die zuletzt nur noch auf Zeit gespielt hat. Die Zeit ist jetzt abgelaufen.…
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Der Premier hat seine Schuldigkeit getan: David Cameron mit Frau Samantha am Tag nach dem Brexit. (Foto: dpa)

Der Premier hat seine Schuldigkeit getan: David Cameron mit Frau Samantha am Tag nach dem Brexit. (Foto: dpa)

Für sich genommen und rein rational betrachtet ist der Austritt Großbritanniens aus der EU kein Anlass, der die Welt in eine neue Wirtschaftskrise stürzen kann. Tatsächlich hat das Vereinigte Königreich eine ausgesprochen privilegierte Position in der EU gehabt. Angesichts der vielen komplexen Verträge, die die EU mit anderen Staaten hat, wäre es theoretisch leicht, nun eben auch mit London eine neue Form der Zusammenarbeit zu finden. Der Preis, den beide Parteien zahlen müssen, ist überschaubar und hält sich die Waage: Die EU bekommt keine Netto-Zahlungen mehr, dafür können die Briten nicht mehr mit- und reinreden. Norwegen und die Schweiz haben ähnliche Beziehungen mit der EU. Die Flucht in den Schweizer Franken nach dem Brexit zeigt, dass das durchaus sehr gut funktionieren kann.

Politisch gesehen wird sich nun zeigen, wie pragmatisch die EU ist und wie flexibel die Nachfolger Camerons agieren. Die EU ist ja der Inbegriff von Völkerfreundschaft und Verständigung. Also sollte es möglich sein, mit den Briten einen fairen Deal zu finden. Denkbar ist allerdings auch, dass die nationalen Kräfte die Oberhand gewinnen: Wie leicht Völker gegeneinander aufzuwiegeln sind, haben wir in dieser Reihenfolge bei Griechenland, Russland, Polen und der Türkei gesehen. Die politischen Opportunisten sitzen nicht nur in den Reihen der neuen rechten Parteien, sondern auch in den Regierungen. Immerhin: Der Brexit hat gezeigt, dass eine ausschließlich auf Angst basierende Kampagne nicht verfängt.

Dies hängt paradoxerweise mit der Tatsache zusammen, dass die meisten Leute keine Angst haben – sondern eher Wut, Entfremdung und Unverständnis gegenüber für sie anonymen Institutionen empfinden. Die Angst machte sich vor allem an der zunehmenden Ablehnung von Migration und Zuwanderung bemerkbar. Hier wurden die Briten Opfer einer diabolischen Verführungskunst: Sie sind der Fiktion erlegen, dass die Ausländer die Sündenböcke sind und dass alles gut wird, wenn nur erst die Grenzen geschlossen sind. Absurderweise konnten jene EU-Ausländer, die in Großbritannien Steuern zahlen und zu einem guten Teil die Wirtschaft am Laufen halten, nicht mitstimmen. Dasselbe gilt für andere Migranten, die ebenfalls Steuern zahlen, aber eben noch eine andere Staatsbürgerschaft haben.

Das Paradox besteht in der Tatsache, dass die Leute eigentlich allen Grund hätten, mit Sorge in die Zukunft zu blicken: Das globale Wirtschaftssystem steckt in einer fundamentalen Krise. Vieles ist auf Sand und falschen Versprechungen gebaut. Das Banken-System in der City hat davon profitiert, dass London eine Steueroase ist – mit bisher offenen Toren für Geldwäsche und Steuerhinterziehung aus dem Ausland. Dieses Geschäft dürfte nach dem Brexit in die USA abwandern. Die Amerikaner haben mit den Panama Papers bewiesen, wie die globale Akquisition funktioniert.

Das Gefährliche am Brexit ist, dass er in den kommenden Monaten all jenen die perfekte Begründung liefern wird, die vom Zombie-System profitiert haben. Der Brexit war ein Schwarzer Schwan mit Ansage und kurzer Selbsttäuschung: In den letzten Tagen vor dem Referendum haben sich viele noch ein letztes Mal der Illusion hingegeben, dass man nur zu warten brauche, bis die Lage besser wird. Die enge Verquickung von Politik und Finanzindustrie zeigte der EU-Gegner Nigel Farage: Er war der erste, der bekanntgab, dass die EU-Befürworter gewonnen hätten. Das Pfund schoss in die Höhe. Wenige Stunden später stellte sich heraus, dass das Gegenteil der Fall war. In der Zwischenzeit könnten Spekulanten ein Vermögen verdient haben. Welche Rolle Farage spielte, wird nie bekannt werden.

Nun aber werden Banken, Unternehmen, Verbände und Märkte den Brexit nutzen, um aufzuräumen. Sie können nun, wie nach 9/11 oder Lehman, ein externes Ereignis für schlechte Zahlen, Massenentlassungen, Schließungen und sogar Pleiten anführen. Diese Bereinigung wäre in jedem Fall gekommen. Es liegt aber in der Natur der Menschen, dass man bis zuletzt versucht, die Augen zu schließen und den Crash zu vermeiden – in der Hoffnung, alles sei nur ein böser Traum, den man durch Erwachen hinter sich lassen kann.

Die Ankündigung der Zentralbanken, die Banken mit Liquidität zu stützen und die Ankündigung der Fed, mit Swaps an den Devisenmärkten zu intervenieren, sind deutliche Signale, dass die Weltgemeinschaft zwar aufgewacht ist. Doch sie findet sich nicht einem von Wachstum getriebenen Umfeld wieder, in dem externe Schocks verdaut werden können, sondern in einer weltweiten Rezession, deren Vorbote der Rohstoff-Schock gewesen ist. Die Jagd nach Assets ist Ausdruck der globalen Schulden-Krise, die man auch an Großbritannien erkennen kann: Das Land ist stärker verschuldet als das vielgescholtene Italien.

Anders als beim Platzen der Dotcom-Blase ist noch nicht zu erkennen, wer am Ende von den gravierenden Umwälzungen profitieren wird, die die technologische Revolution von Internet und Industrie 4.0 angestoßen hat. Die „Old Economy“ – von den Banken über die Rohstoffe bis zum Automobil-Sektor – leidet unter einer massiven Überproduktion, der keine künftige Nachfrage gegenübersteht. Bis auf wenige Länder hat kaum eine Regierung dieses Menetekel erkannt. Und auch dort, wo die Innovation herkommt – etwa –en USA – werden nicht die Massen profitieren, sondern eine neue, digitale Oberschicht. Soziale Verwerfungen sind unausweichlich.

Doch diese Spannungen werden erst langsam Folgen für die Gesellschaft zeigen. Sie werden verschärft durch die mangelnden Lösch-Qualitäten der Zentralbanken, in der EU vor allem der EZB: Die Rentensysteme der Lebensversicherer stehen in Europa vor dem Kollaps – und erstaunlicherweise findet dieses Thema öffentlich nur wenig Beachtung. So sagte Kanzleramtsminister Altmaier beim CDU-Wirtschaftstag beiläufig, dass sich auch die deutschen Rentner künftig von der Idee der 100 Prozent-Deckung verabschieden müssen und sich eher auf 80 Prozent einstellen müssen. 90 Millionen Verträge in Lebensversicherungen hängen in der Luft. Die Ergo-Versicherung hat erst vor wenigen Tagen angekündigt, zu überlegen, das Geschäft mit den Lebensversicherungen in eine eigene Gesellschaft ausgliedern zu wollen. Das ist alles andere als beruhigend.

Der Brexit als Katalysator eines morschen globalen Finanzsystems ist nicht, wie einige Kommentatoren meinen, ein Konflikt „Alt gegen Jung“ oder „Stadt gegen Land“ oder „Gebildet gegen Ungebildet“. Der Brexit macht die Bruchlinie sichtbar zwischen dem einen Prozent und den 99 Prozent auf aller Welt. Der Brexit beendet den Alptraum vom Crash, indem der Crash zur Realität wird. Grundlegende Verwerfungen werden in den kommenden Monaten mit dem Label „Brexit“ versehen, weil man auch damit ganz praktisch Sündenböcke gefunden hat. Es werden die „dummen Briten“ sein, denen man die Schuld an der Misere in die Schuhe schieben kann. Doch hinter dem Brexit lauert der echte Crash: Er geht nicht auf das Konto von Wutbürgern. Er ist das eiskalte Kalkül von zynischen Geschäftemachern in Politik und Finanzwirtschaft, die bisher noch bei jedem Crash unerkannt und unbestraft geblieben sind.

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Das neue Buch von DWN-Herausgeber Michael Maier erscheint in wenigen Tagen beim Finanzbuch Verlag München. (Foto: FBV)

Das neue Buch von Michael Maier. (Foto: FBV)

DWN-Herausgeber Michael Maier analysiert in seinem neuen Buch das Wesen der Finanz-Kriege als direkte Folge der Schuldenkrise. Die Jagd nach wirklich werthaltigen Assets führt zu einem mörderischen, globalen Verteilungskrieg. Ein einziges Ereignis genügt, um das weltweite Finanzsystem in seiner unüberschaubaren Vernetzung zu gefährden. In einer solchen Situation neigen die Staaten dazu, Gewalt in jeder Form wieder in ihr tägliches Repertoire aufzunehmen. In der Regel sind die Leidtragenden nicht diejenigen, die einen Crash verursacht haben.

Michael Maier: „Das Ende der Behaglichkeit. Wie die modernen Kriege Deutschland und Europa verändern“. FinanzBuch Verlag München, 228 Seiten, 19,99€.

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Juncker erwartet weitere Volksabstimmungen über die EU
Juncker erwartet weitere Volksabstimmungen über die EU
EU-Präsident Juncker erwartet Volksabstimmungen über die EU auch in anderen europäischen Staaten. Den etwa 1.000 britischen EU-Beamten gab Juncker eine Job-Garantie: Sie arbeiten für die EU und nicht für Großbritannien.
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EU-Präsident Jean-Claude Juncker am Tag nach dem Brexit in Brüssel. (Foto: dpa)

EU-Präsident Jean-Claude Juncker am Tag nach dem Brexit in Brüssel. (Foto: dpa)

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schließt weitere Referenden zum Austritt aus der Europäischen Union nicht aus. Dies sei möglich, „da Populisten in der Regel keine Gelegenheit auslassen, um mit viel Lärm für ihre Anti-Europa-Politik zu werben“, sagte Juncker in einem Interview der Bild-Zeitung. Es dürfte sich allerdings jetzt rasch zeigen, dass es Großbritannien nach dem Votum für einen EU-Austritt bald schlechter gehen werde – „wirtschaftlich, sozial und außenpolitisch“. Beim EU-Gipfel kommende Woche müsse es eine offene und ehrliche Diskussion geben, wie man die Sorgen der Bürger aufnehmen und gegen „Populisten“ vorgehen könne.

Kritik äußerte Juncker am britischen Premier David Cameron, der das Referendum angesetzt und wegen der Niederlage nun seinen Rücktritt angekündigt hat. Der Ausgang sei nicht verwunderlich. „Denn wenn jemand von Montag bis Samstag über Europa schimpft, dann nimmt man ihm auch am Sonntag nicht ab, dass er überzeugter Europäer ist.“ Der sogenannte Brexit sei dennoch nicht der Anfang vom Ende. Europa müsse sich nun darauf konzentrieren, Investitionen anzukurbeln, Arbeitsplätze zu schaffen und für die Sicherheit der Bürger zu sorgen.

Indirekt stellte Juncker den Verbleib des britischen EU-Kommissars Jonathan Hill infrage, der in Brüssel für den Finanzmarkt zuständig ist. „Das ist jetzt zuallererst eine persönliche Entscheidung von Lord Hill, den ich als erfahrenen Politiker sehr schätze“, so der Kommissionspräsident. Den etwa 1000 britischen EU-Beamten gab Juncker eine Jobgarantie. Denn sie arbeiteten für Europa und nicht Großbritannien.

Krise der EU treibt Kosten für Staatsanleihen in die Höhe
Krise der EU treibt Kosten für Staatsanleihen in die Höhe
Die Entscheidung der Briten gegen die EU ist auch am Staatsanleihen-Markt zu spüren. Die Zinskosten für zweijährige, griechische Anleihen stiegen um mehr als 40 Prozent. Auch die portugiesischen, spanischen und italienischen Anleihen geraten unter Druck.
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Die Refianzierungskosten für die Staaten sind erheblich gestiegen. (Grafik: zerohedge)

Die Refianzierungskosten für die Staaten sind erheblich gestiegen. (Grafik: zerohedge)

Das Ja zum Austritt aus der EU wirkt sich nun auch auf die Zinskosten der EU-Länder aus. Die Zinskosten für zwei-, fünf- und zehnjährige Anleihen aus Südeuropa haben allesamt zugelegt. Für zweijährige griechische Bonds beispielsweise liegen die Kosten nun bei 10,63 Prozent. Die Kosten  für zehnjährige stiegen um fast zehn Prozent. Ähnliches zeigt sich auch in Portugal, Italien und Spanien.

Hier sind die Zinskosten für kurzfristige Anleihen zwar bei weitem nicht so hoch wie in Griechenland, doch gestiegen sind die Kosten ebenfalls deutlich. Und bei den langfristigen Anleihen ging es für Portugal wieder auf 3,36 Prozent rauf.

Spekulationen über die Auswirkungen auf die EU insgesamt und über mögliche weitere Referenden im EU-Raum setzen die Staatsanleihen unter Druck. Am Freitag hatten die Schotten noch einmal über eine Abspaltung von Großbritannien nachgedacht, Italien Protestpartei fordert ebenfalls ein Referendum.

Selbst in Katalonien, wo die Regierung derzeit vor dem Zerbrechen steht, kommt nun wieder eine Abspaltung von Spanien ins Gespräch. Das hat zu einem regelrechten Ausverkauf bei den Anleihen der spanischen Region geführt. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Titel zeitweise um einen Prozentpunkt in die Höhe auf 5,502 Prozent. Papiere der Zentralregierung in Madrid warfen Investoren ebenfalls aus ihren Depots. Deren Rendite stieg auf bis zu 1,742 von 1,480 Prozent.

Im Gegenzug dazu fielen die Kosten für Anleihen aus Deutschland, Österreich und Frankreich. Nach einem Abfall um 26,7 Prozent zahlen die Anleger jetzt sogar 0,55 Prozent für zweijährige deutsche Schuldtitel. Und für zehnjährige, deutsche Anleihen liegen die Zinskosten derzeit bei Minus 0,62 Prozent. Die Zinskosten für zweijährige, österreichische Anleihen liegen bei Minus 0,53 Prozent.

Bereits zu Beginn der Woche waren die Kosten für Anleihen aus Südeuropa nach oben geschnellt. Das wachsenden Ungleichgewicht in der EU macht es der EZB sehr schwer, Südeuropa weiter mit ihrer expansiven Geldpolitik zu stärken. Der Brexit könnte die Situation nun verschärfen.

Ohne London: Amerikaner erwarten weniger Widerstand gegen TTIP
Ohne London: Amerikaner erwarten weniger Widerstand gegen TTIP
US-Experten glauben, dass sich der Abschluss des TTIP ohne Großbritannien verzögern wird. Sie sehen jedoch einen sehr positiven Aspekt: Deutschland und Frankreich würden nicht so energisch für ihre Banken kämpfen wie Großbritannien.
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Die EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström und der amerikanische Handelsbeauftragte Mike Froman unterhalten sich am 02.06.2015 im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin. (Foto: dpa)

Die EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström und der amerikanische Handelsbeauftragte Mike Froman unterhalten sich am 02.06.2015 im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin. (Foto: dpa)

Die britische Entscheidung zum Austritt aus der Europäischen Union ist Experten zufolge ein Rückschlag für die Verhandlungen zwischen den USA und der EU über ein Freihandelsabkommen. „Das ist noch ein Grund, warum sich TTIP wohl verzögern wird“, sagte Heather Conley von der Denkfabrik Center for Strategic and International Studies am Freitag. Der früheste realistische Termin sei nun 2018. Dieses Datum nannte auch Hosuk Lee-Makiyama, Direktor des European Centre for International Political Economy in Brüssel. In den kommenden Monaten werde die EU wegen des Brexit sehr mit sich selbst beschäftigt sein. Der US-Handelsbeauftragte Michael Froman sagte, der Einfluss des Brexits werde analysiert. Klar sei aber: „Die wirtschaftliche und strategische Logik für TTIP bleibt stark.“ Die TTIP-Verhandlungen sollen Mitte Juli in Brüssel fortgeführt werden.

Die Verhandlungen über die Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) wurden vor drei Jahren aufgenommen und stocken gegenwärtig. Besonders in Deutschland und Frankreich werden die Chancen des Abkommens zunehmend skeptisch bewertet. In beiden Staaten stehen im kommenden Jahr Wahlen an. Ohnehin ist unklar, wie es nach dem Ende der Amtszeit von US-Präsident Barack Obama im Januar auf der anderen Seite des Atlantiks weitergeht. Auch inhaltlich liegen die beiden Wirtschaftsräume in vielen wichtigen Punkten weit auseinander, etwa beim Umweltschutz oder dem Zugang zu staatlichen Aufträgen.

Mit dem Austritt Großbritanniens stehe den USA auch nicht mehr ein Ansprechpartner mit einer ähnlichen Wirtschaftskultur zur Verfügung, erklärten die Experten. Den Amerikanern könnten am Verhandlungstisch nun Vertreter von Staaten gegenübersitzen, die in einigen Punkten noch stärker auf ihre Positionen beharrten, sagte Chad Brown vom Peterson Institute for International Economics.

Lee-Makiyama zufolge könnten die Gespräche nun immerhin in einem Punkt einfacher werden: Die Regulierung der Finanzdienstleistungen sei eigentlich nur für Großbritannien von vordringlicher Bedeutung. „Deutschland und Frankreich sind vermutlich bereit, loszulassen“, sagte er. Allerdings: „Damit verbleiben noch etwa 20 ungelöste Streitpunkte mit fast dem gleichen Schwierigkeitsgrad.“

Auf Gold gesetzt: Soros gewinnt Wette gegen die EU
Auf Gold gesetzt: Soros gewinnt Wette gegen die EU
Vor einer Woche hatte US-Investor George Soros wegen des von ihm erwarteten Brexit auf Gold gesetzt - und damit satte Gewinne gemacht. Die genaue Höhe seiner Wette ist nicht bekannt.
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George Soros bezahlte Bürgerverbände in Ferguson für die Organisation der Proteste. (Foto: dpa)

US-Investor George Soros. (Foto: dpa)

Vergangene Woche hatte Soros in einem Gastbeitrag der Zeitung Guardian exakt dieses Szenario vorausgesagt, wobei er von einem Einbruch des Pfunds von insgesamt 20 Prozent ausgeht. Zuvor hatte das Soros Fund Management mehrere Aktien-Pakete abgestoßen und stattdessen Gold und Anteile an Gold-Minen erworben. Soros Fund Management verwaltet insgesamt 30 Milliarden Dollar, berichtet das Wall Street Journal. Der US-Investor hatte bereits im Jahr 1992 gegen das britische Pfund gewettet und einen großen Gewinn eingestrichen.

Das britische Pfund verzeichnete nach dem Referendum den heftigsten Kursverlust zum Dollar seit mindestens 30 Jahren, berichtet Market Watch. Der Kurs liegt derzeit bei etwa 1,38 Dollar, doch nach Ansicht des US-Investors George Soros könnte es bis auf 1,15 Dollar fallen. Ein billiges Pfund macht britische Produkte anderswo billiger, verteuert aber Importe und kann so zu höherer Inflation und sinkender Kaufkraft führen.

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