Investoren wetten auf weiteren Öl-Preis-Verfall

Die Ölpreise haben in den letzten Tagen mehr als ein Viertel ihrer Wertes eingebüßt. Ein Ende des Preisverfalls ist derzeit nicht in Sicht. Der Hedgefonds-Manager Pierre Andurand wettet nun sogar auf einen Öl-Preis von 25 Dollar pro Fass und sorgt damit für Aufsehen auf den Rohstoff-Märkten.

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Der Hedgefonds-Manager Pierre Andurand wettet angesichts der anhaltenden Rohstoff-Baisse auf einen stark fallenden Ölpreis. Andurand hält dabei sogar einen Ölpreis unter 30 Dollar pro Barrel für möglich. Der Hedgefonds des gebürtigen Franzosen, Andurand Capital, verwaltet Kapital in Höhe von 575 Millionen Euro und erwirtschaftete im letzten Jahr eine Rendite von 51 Prozent (vor Abzug von Gebühren), vorwiegend mit Wetten auf fallende Rohstoff-Preise. In diesem Jahr liegt der Fonds mit 10,3 Prozent Rendite ebenfalls im grünen Bereich. Und Andurand sieht auch nach einem Preisrückgang von rund 25 Prozent innerhalb einer Woche noch keine Bodenbildung beim Ölpreis.

Der Markt wird auch 2016 und 2017 ein Überangebot aufweisen. Wir brauchen für eine längere Zeit niedrige Preise, um den Markt wieder auszugleichen. Es gibt keine schnellen Lösungen“, so Andurand gegenüber der FT. Der Manager gilt als Rohstoff-Bär und sagte bereits den starken Ausschlag der Ölpreise im Jahr 2008 und den darauf folgenden Crash korrekt voraus.

Die Ölpreise haben innerhalb einer Woche rund 25 Prozent nachgegeben. Am Mittwoch fielen die Preise um durchschnittlich 2,4 Prozent, am Tag zuvor sogar um bis zu 8 Prozent. Ein Grund für den Preisverfall waren Daten des US-Branchenverbandes API, denen zufolge die US-Rohölbestände in der vergangenen Woche stärker als erwartet gestiegen sind. Während die US-Ölproduktion um 1,4 Prozent zurückging, erhöhten sich die US-Reserven um 4,7 Millionen Barrel. Am Donnerstag erholten sich die Preise dann wieder leicht, nachdem die EZB angekündigt hatte, das Anleihekaufprogramm notfalls über September 2016 zu verlängern. So stieg die Sorte Brent um 3,29 Prozent auf 52,07 Dollar pro Barrel und die Sorte WTI legte um 4,52 Prozent zu und notierte bei 48,12 Dollar pro Fass.

Wir und andere Marktteilnehmer haben erwartet, dass die US-Produktion im April ihren Höhepunkt erreicht hat und deshalb zurückging. Aber wir erwarten nicht, dass die US-Produktion sehr viel weiter fällt, vielleicht weitere 200.000 Barrel pro Tag im Vergleich zu heute. Das wird nicht genug sein, um den Markt auszugleichen, es wird also Angebotskürzungen von anderen Ländern geben müssen“, zitiert die FT den Hedgefonds-Manager.

Doch Rückgänge beim globalen Öl-Angebot sind derzeit nicht in Sicht. Vielmehr drückte die Nachricht, dass US-Präsident Obama nun genügend Stimmen im Kongress zusammen hat, um den Atom-Deal zu verabschieden, die Ölpreise weiter nach unten. Die Gegner des Abkommens können nun nicht mehr verhindern, dass die einst vom Parlament erlassenen Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden. Die Regierung in Teheran hat bereits angekündigt, die Öl-Produktion nach Aufhebung der Sanktionen sofort um ein halbe Million Barrel pro Tag anzuheben. Nach einem Jahr könne die Förderung somit von derzeit 2,8 auf 4 Millionen Barrel pro Tag erhöht werden, sagte Irans Öl-Minister Bijan Namdar Zanganeh gegenüber Bloomberg. Damit wäre der Iran hinter Saudi-Arabien der zweitgrößte Öl-Produzent in der OPEC. Die Weltbank geht davon aus, dass die iranische Angebotssteigerung den Ölpreis im nächsten Jahr um zehn Dollar senken wird.

Außerdem wirkte sich ein Kreditabkommen zwischen China und Venezuela negativ auf die Rohöl-Preise aus. Der venezulanische Präsident Nicolas Maduro unterzeichnete einen Vertrag mit China über einen Kredit in Höhe von 5 Milliarden Dollar, wie Zero Hedge berichtet. Der Kredit soll zur Ausweitung der Ölproduktion eingesetzt werden, verkündete die Regierung in Caracas. Öl-Exporte machen 95 Prozent aller Exporteinnahmen Venezuelas aus, wie aus einem OPEC-Bericht hervorgeht. Mit 300 Milliarden Barrel verfügt das Land über die größten Ölreserven der Welt. Das Abkommen mit China erlaubt es Venezuela, weiterhin unterhalb der Produktionskosten zu fördern und das weltweite Angebot dadurch signifikant zu erhöhen.

Die Energiekonzerne reagieren bereits mit Kostenkürzungen auf die fallenden Ölpreise. So kündigte Shell den Abbau von 6.500 Stellen weltweit an und auch Chevron plant bis zu 1.500 Stellen zu streichen. Am härtesten trifft es jedoch den Dienstleistungssektor der Branche. Marktführer Schlumberger muss bis zu 20.000 Stellen streichen. Andurand rechnet jedoch nicht damit, dass sich die Auswirkungen dieser Kostenkürzung vor dem Jahr 2019 bemerkbar machen, da viele Projekte im Energie-Sektor ein lange Vorlauf- und Planungszeit haben. Deshalb rechnet der Hedgefonds-Manager noch in diesem Jahr mit einem Preis von 25 Dollar pro Barrel der Sorte WTI. Dieser Preis könne seiner Meinung nach einen vollen Monat Bestand haben, sagte er der FT.

Ich erwarte eine Spanne für WTI von 25 bis 50 Dollar über die nächsten zwei Jahre. Wenn wir bei etwa 50 Dollar pro WTI-Fass bleiben, denke ich, dass die US-Produktion wieder realtiv stark ansteigen wird“, so Andurand.

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