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Das ist nicht sein Job: ARD-Star Thomas Roth moderiert bei Atlantik-Brücke

ARD-Star Thomas Roth moderiert am Freitag ein Panel bei der Atlantik-Brücke. Das ist falsch und verwerflich. Die Gebührenzahler finanzieren den gewaltigen Apparat der ARD nicht, damit die öffentlich-rechtlichen Journalisten bei Lobby-Veranstaltungen auftreten. Sie sind zur kritischen Distanz verpflichtet. Ist das eigentlich so schwer zu begreifen?
11.09.2015 12:32
Lesezeit: 1 min

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Spätestens seit der ZDF-Sendung „Die Anstalt“ (Video am Anfang des Artikels) hätte es jedem noch so weltfremden ARD-Verantwortlichen klar sein müssen, dass Auftritte im Dienste des US-Lobby-Verbandes Atlantik-Brücke die Glaubwürdigkeit der Berichterstattung beeinträchtigen.

Doch die ARD hat offenbar nichts aus den Vorwürfen gelernt, die von ihrem Schwestersender (!) erhoben wurden: Am Freitagabend moderiert ARD-Tagesthemen-Moderator Thomas Roth ein hochrangiges Panel bei der Atlantik-Brücke. Die Atlantik-Brücke ist ein US-amerikanischer Lobbyverband, der die US-Interessen in Europa befördern will. Das ist völlig in Ordnung – jeder kann seine Interessen vertreten. Und vieles, was die Atlantik-Brücke macht, ist durchaus interessant und berichtenswert.

Die Aufgabe der Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks besteht jedoch nicht darin, bei solchen Organisationen aufzutreten. Kann man sich vorstellen, dass ein ARD-Mann eine Veranstaltung der Atom-Lobby moderiert? Oder eine der amerikanischen Raucher-Lobby?

Es ist doch lachhaft, wenn der Sender behaupten wollte, dass der Auftritt von Roth die politische Berichterstattung nicht beeinflussen werde. Kann man sich vorstellen, dass die „Tagesthemen“ am Freitag einen kritischen Bericht senden werden, bei dem die Atlantik-Brücke hart kritisiert wird? Oder gar die US-Außenpolitik? Die Flüchtlinge aus Syrien, die nach der US-Intervention nach Europa drängen, wären eine Recherche wert – bei der auch die Rolle der politischen Lobby-Gruppen kritisch hinterfragt wird.

Der Auftritt Roths ist keine Frage des Geldes. Er ist verwerflich, egal, wer ihn bezahlt: Müsste man nicht von Korruption sprechen, wenn Roth von der Atlantik-Brücke Geld bekäme? Und müsste man nicht von der missbräuchlichen Verwendung der Rundfunkbeiträge sprechen, wenn der Auftritt ohne Bezahlung erfolgte? Wenn Herr Roth als recherchierender Journalist zur Atlantik-Brücke geht und danach kritisch berichtet – prima. Wenn ein privates Medium, wie konkret die Wochenzeitung Die Zeit, ebenfalls einen Moderator bei der Atlantik-Brücke stellt, dann kann der Leser immer noch entscheiden, ob diese Zeitung kaufen will.

Die ARD dagegen lebt von einem staatlich verordneten Kauf-Zwang. Der GEZ-Zahler hat daher das absolute Recht auf Objektivität und Distanz. ARD-Mitarbeiter haben als Mitwirkende bei politischen Lobby-Vereinen nichts verloren. Das müsste eigentlich nach der Anstalts-Sendung klar sein. Die ARD befördert in der ihr eigenen Selbstherrlichkeit den Verdacht bei der politischen Parteilichkeit.

Thomas Roth macht nämlich mit seinem Auftritt als Moderator, mit dem sich die Atlantik-Brücke selbstverständlich in ihrem Programm schmückt, genau das, was sein Vorgänger Hanns Joachim Friedrichs im WDR (!) als unakzeptabel für Journalisten angeprangert hat: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache - auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazu gehört.“

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