Wirtschaft

Machtkampf der Tech-Eliten: Bill Gates attackiert Elon Musk – „Er tötet die ärmsten Kinder der Welt“

Ein milliardenschwerer Konflikt zwischen zwei Symbolfiguren des globalen Technologiekapitalismus tritt offen zutage. Der frühere Microsoft-Chef Bill Gates erhebt schwere Vorwürfe gegen Elon Musk – es geht um nichts Geringeres als Leben und Tod.
12.05.2025 15:52
Aktualisiert: 12.05.2025 16:42
Lesezeit: 2 min

USAID lahmgelegt – medizinische Versorgung zusammengebrochen

In einem aufsehenerregenden Interview mit der Financial Times greift Bill Gates seinen langjährigen Rivalen Elon Musk frontal an – und beschuldigt ihn, durch die drastische Kürzung von US-Entwicklungshilfemitteln Millionen Menschenleben zu gefährden. Hintergrund ist die faktische Stilllegung der amerikanischen Behörde USAID, die bis vor Kurzem als zentrales Instrument der US-Außenpolitik im Bereich der humanitären Hilfe galt.

Gates, der sein Milliardenvermögen zunehmend in globale Philanthropie investiert, spart nicht mit drastischen Worten: „Das Bild des reichsten Mannes der Welt, der die ärmsten Kinder der Welt tötet, ist nicht schön“, erklärt er im Interview – eine direkte Attacke auf Musk, dessen „Department of Government Efficiency“ (DoGE) die Mittelstreichungen vorangetrieben hatte.

Seit Februar ist die Entwicklungshilfebehörde laut Medienberichten praktisch stillgelegt. Zahlreiche Mitarbeiter wurden entlassen, Programme gestoppt. Laut Gates habe dies unmittelbare humanitäre Folgen: Medikamente verderben ungenutzt in Lagerhäusern, Impfkampagnen sind zum Erliegen gekommen. Krankheiten wie Masern, HIV und Polio kehren zurück – in Regionen, die jahrzehntelang mühsam stabilisiert wurden.

Die Kritik wiegt schwer, denn USAID galt seit seiner Gründung 1961 als strategisches Instrument amerikanischer Außenpolitik – oft umstritten, aber entscheidend für das US-Image als globale Ordnungsmacht. Die plötzliche De-facto-Schließung könnte geopolitische Machtvakuums schaffen – vor allem in Afrika, Südostasien und Teilen des Nahen Ostens.

Gates kündigt Milliardenoffensive an – Rückzug seiner Stiftung bis 2045

Während Musk schweigt, erhöht Gates nun selbst den Einsatz: Er kündigt an, in den kommenden zwei Jahrzehnten sein gesamtes Vermögen für wohltätige Zwecke auszugeben – über 200 Milliarden Dollar sollen in globale Gesundheit, Bildung und Entwicklungszusammenarbeit fließen. Ziel sei es, die Gates Foundation bis 2045 vollständig abzuwickeln. Zum Vergleich: In den letzten 25 Jahren investierte die Stiftung rund 100 Milliarden Dollar.

Gates’ Vermächtnis ist klar: Kaum etwas an seine Kinder vererben, alles für seine Vision einer „besseren Welt“ einsetzen. Doch auch er muss einräumen, dass sein privates Engagement die Einschnitte bei USAID nicht kompensieren könne: Allein 2024 belief sich deren Haushaltsvolumen auf 44 Milliarden Dollar.

Ideologische Kluft zwischen Tech-Milliardären – Musk schweigt

Der Konflikt zwischen Gates und Musk ist nicht neu, doch die ideologische Kluft zwischen beiden hat sich deutlich vertieft. Während Gates den Staat als zentrale Instanz zur Förderung globaler Gerechtigkeit sieht, steht Musk für radikalen Individualismus, Effizienz und Eigenverantwortung – auch in geopolitischen Fragen.

Der Vorwurf, Sparmaßnahmen hätten tödliche Konsequenzen, ist Sprengstoff. Weder Musk noch sein umstrittenes Regierungsprojekt DoGE haben sich bislang zu den Anschuldigungen geäußert.



Der Streit offenbart mehr als persönliche Animositäten – er wirft ein Schlaglicht auf den tiefen Strukturkonflikt im digitalen Kapitalismus: Wer entscheidet über globale Prioritäten – demokratisch legitimierte Institutionen oder einzelne Superreiche? Und was bedeutet „Effizienz“, wenn sie auf Kosten von Menschenleben geht?

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Batteriespeicher-Boom: Deutschland verdoppelt seinen Zubau
27.07.2026

Zwischen Januar und Mai 2026 gingen in Deutschland fast doppelt so viele Batteriespeicher ans Netz wie im Vorjahr. Getragen wird der Rekord...

DWN
Panorama
Panorama Trumps Luxusjet: FBI, Sicherheitslücken und Millionen-Kosten
27.07.2026

Donald Trump feierte den Luxusjet aus Katar als kostenloses Geschenk und neue Air Force One. Doch fehlende Schutzsysteme, Kosten in...

DWN
Politik
Politik KI-Steuer, steuerfreie Einkommen, Grundeinkommen? Zeit für einen Systemwechsel
27.07.2026

Wenn Erwerbsarbeit nicht mehr die Existenz sichert: Künstliche Intelligenz frisst Arbeitsplätze, Inflation und Steuern fressen Löhne,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Rolly Toys: Spielzeughersteller Franz Schneider stellt nach der Insolvenz den Betrieb ein
27.07.2026

Monatelange Hoffnungen auf eine Sanierung und doch kein Happyend: Nach der Insolvenz muss der Spielzeughersteller Franz Schneider nun doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Spritpreise sinken leicht – ADAC sieht Hoffnung
27.07.2026

Autofahrer können kurz aufatmen: Die Kraftstoffpreise geben leicht nach, nachdem der Ölpreis deutlich gefallen ist. Doch die Entlastung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo-Geschäftsklimaindex überrascht positiv: Zuversicht in der deutschen Wirtschaft wächst
27.07.2026

Die Zuversicht in der deutschen Wirtschaft auf eine Konjunkturerholung wächst: Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juli überraschend...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs aktuell: DAX-Rekordhoch im Blick – USA halten still und Ölpreis sinkt
27.07.2026

Nach turbulenten Wochen kehrt an den Finanzmärkten wieder Optimismus ein. Der DAX-Kurs legt am Montag kräftig zu, weil fallende Ölpreise...

DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger wächst rasant – was Anleger jetzt unbedingt wissen sollten
27.07.2026

Das XRP-Ledger sorgt derzeit gleich an zwei Fronten für Aufmerksamkeit: Einerseits wächst das Netzwerk im Markt für tokenisierte...