Deutscher Mittelstand sitzt auf ausreichend Rücklagen

Die finanziellen Mittel des deutschen Mittelstands sind erheblich gewachsen. Die Risikobereitschaft der Unternehmen steigt aber nur leicht an. Niedrige Zinsen sollen dieses Denken nun ändern.

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Die bereits zum sechsten Mal durchgeführte Studie zum Anlageverhalten des deutschen Mittelstandes, welche von der Commerzbank zusammen mit der Fachhochschule des Mittelstandes (FHM) erarbeitet wurde, zeigt, dass die Liquiditätspolster des deutschen Mittelstands deutlich angeschwollen sind – und zwar von durchschnittlich 2,7 Millionen Euro in 2014 auf 5,9 Millionen Euro in 2015.

„Cash is King“ könnte man meinen – reduziert ein Liquiditätspolster doch erheblich die operativen Risiken. Außerdem erleichtern reichlich vorhandene liquide Mittel die Gespräche mit Banken, um beispielsweise Realinvestitionen zu finanzieren. Dies gilt allerdings nur, wenn Unternehmen auch bereit sind, Risiken einzugehen und in ihr operatives Geschäft zu investieren, was nach wie vor nicht der Fall ist.

Martin Keller, Geschäftsbereichsleiter Product Management der Commerzbank, bemerkt, dass Unternehmen Realinvestitionen vornehmlich in Form von Ersatzinvestitionen tätigen. Bei Erweiterungsinvestitionen in neue Maschinen oder neue Märkte sei der deutsche Mittelstand weiterhin sehr vorsichtig. Die Folge ist überschüssige Liquidität, für die risikoscheue Unternehmer eine attraktive Renditequelle suchen.

Der deutsche Mittelstand werde durch das Niedrigzinsumfeld zum Umdenken gezwungen, das nach Ansicht von 86 Prozent der befragten Unternehmen auch noch mindestens drei Jahre andauern dürfte, betont Volker Wittberg, wissenschaftlicher Leiter der Studie. So ist die erwartete Mindestverzinsung für das eingesetzte Kapital von 5,88 Prozent in 2007 auf 2,42 Prozent in 2015 gesunken. Gleichzeitig sind Mittelständler immer öfter bereit, längere Laufzeiten (mehr als sechs Monate) der investierten Gelder in Betracht zu ziehen oder Kursschwankungen in Kauf zu nehmen, um eine ansehnliche Verzinsung zu erwirtschaften.

Die Ausweitung der Anlagezeiträume ist sicherlich auch auf die Strafzinsen zurückzuführen, die Banken für kurzfristig angelegte Termingelder ihrer Kunden an die EZB abdrücken müssen. Ob diese Strafzinsen dann auch irgendwann wieder zu Realinvestitionen führen werden, bleibt abzuwarten.

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