Slowenien baut Zaun aus Stacheldraht zu Kroatien

Nach mehreren anderen europäischen Ländern hat nun auch Slowenien mit dem Bau eines Stacheldrahtzauns an seiner Grenze begonnen. Wie Augenzeugen berichteten, rollten Soldaten am Mittwoch an der Grenze zu Kroatien Stacheldraht aus. Die slowenische Regierung erwartet in den nächsten Tagen zehntausende neue Flüchtlinge.

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In der Grenzregion Gibina im Nordosten des Landes errichteten die Soldaten einen Stacheldrahtzaun in Schulterhöhe, wie ein AFP-Journalist berichtete. Örtlichen Medienberichten zufolge gab es ähnliche Aktionen auch an anderen Stellen der rund 670 Kilometer langen Grenze zum EU-Nachbarstaat Kroatien. Ein Stacheldrahtzaun wurde demnach an einem Flussufer nahe Obrezje in Südslowenien errichtet, in unmittelbarer Nähe der kroatischen Hauptstadt Zagreb. Überdies gebe es Pläne für einen Zaun an einer weiteren Stelle.

Die Regierung von Ministerpräsident Miro Cerar hatte in den vergangenen Wochen wiederholt Warnungen ausgesprochen, dass die Grenze gesichert werden könne, um den Flüchtlingsandrang in den Griff zu bekommen. Am Dienstag kündigte die Regierung den Bau von „vorübergehenden technischen Hindernissen“ an der Grenze zu Kroatien an und verwies auf die bevorstehende Ankunft zehntausender weiterer Flüchtlinge in dieser Woche. Demnach werden in den kommenden Tagen 30.000 neue Flüchtlinge erwartet.

Cerar hatte jedoch versichert, dass die Grenzen offenblieben. Ziel sei es, die Flüchtlinge in Richtung der Grenzposten zu leiten und den Andrang auf ein „beherrschbares“ Niveau zu senken. Cerar zufolge soll die Grenzabsperrung auch dazu dienen, eine „humanitäre Katastrophe“ zu verhindern, die mit dem erwarteten Anstieg bei den Flüchtlingszahlen ausgelöst werden könnte.

Da Österreich plane, die Zahl der ankommenden Flüchtlinge auf 6000 pro Tag zu begrenzen, könne sich in Slowenien ein Rückstau bilden.

Slowenien war zu einem neuen Brennpunkt in der Flüchtlingskrise auf der sogenannten Balkanroute geworden, nachdem zunächst Ungarn seine Grenze zu Kroatien mit einem Stacheldrahtzaun geschlossen hatte. Die Flüchtlinge wichen daraufhin auf ihrem Weg in Richtung West- und Nordeuropa auf eine Route über Slowenien aus. Seit Mitte Oktober passierten mehr als 170.000 Flüchtlinge das kleine EU-Land mit nur zwei Millionen Einwohnern.

Das Nachbarland Kroatien übte Kritik an der Errichtung des Grenzzauns in Slowenien. Innenminister Ranko Ostojic sprach von „unnötiger Geldverschwendung“. „Kein Stacheldraht kann Flüchtlinge davon abhalten, ihren Weg zu finden“, wurde der Minister im Sender TV HRT zitiert. Es wäre „besser gewesen“, wie Kroatien Aufnahmezentren und Notunterkünfte einzurichten.

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