Gazprom muss wegen Rohstoff-Krise harte Einschnitte vornehmen

Der größte Gaskonzern der Welt, Gazprom, leidet stärker unter den niedrigen Preisen für Erdgas als bislang angenommen. Analysten gehen davon aus, dass das Unternehmen künftig neue Projekte abbrechen oder seine Verschuldung massiv erhöhen muss.

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Der russische Gaskonzern Gazprom bekommt die niedrigen Preise für Erdgas zu spüren. Wie Financial Times berichtet, wird das Unternehmen entweder neue Projekte stilllegen oder seine Gesamtverschuldung deutlich erhöhen müssen. In Rubeln gerechnet fiel der Betriebsgewinn im vergangenen Jahr um rund 6 Prozent. Von Financial Times zitierte Beobachter gehen sogar davon aus, dass die Einkünfte Gazproms im laufenden Jahr unter den Ausgaben liegen könnten.

Die Preise für Erdgas liegen ebenso wie die Ölpreise seit Monaten auf ungewohnt niedrigem Niveau. Auf dem Spotmarkt hat sich der Preis für Erdgas zur Lieferung in Europa – Gazproms wichtigstem Markt – in den vergangenen beiden Jahren etwa halbiert. Zudem etabliert sich in Analogie zum Ölmarkt eine junge Konkurrenzindustrie in den USA, die auf den europäischen Markt drängt und Gazprom dadurch Marktanteile abnehmen dürfte. Das Unternehmen rechnet damit, dass die Exportpreise in diesem Jahr durchschnittlich 200 Dollar pro tausend Kubikmeter Gas betragen wird. Im Jahr 2014 lagen diese noch bei etwa 350 Dollar.

Die tiefen Preise für Erdgas sind nicht das einzige Problem des Gaskonzerns. Auf dem Heimatmarkt steigt der politische Druck – zuletzt forderten Konkurrenten die Aufspaltung des Unternehmens. Die Marktkapitalisierung ist gemessen in Dollar seit 2008 um über 80 Prozent gesunken. Anfang des Jahres übernahm der rivalisierende Ölkonzern Rosneft sogar kurzfristig den Titel als Russlands wertvollstes Unternehmen.

„Gazprom hatte sich daran gewöhnt, nach der kommunistischen Vorstellung zu leben, dass alles im Überfluss vorhanden sei. Sie mussten noch nie ein richtiges Defizit verkraften. Sie konnten sich alles leisten. Schon bald müssen sie alles noch einmal überdenken“, wird ein Moskauer Investmentbanker von Financial Times zitiert.

Gazprom beginnt bereits, seine Projekte nach Wichtigkeit zu ordnen und Einsparpotentiale zu analysieren. So sollen dieses Jahr beispielsweise nur 400 statt 800 Kilometer einer Gaspipeline nach China fertiggestellt werden. Als Ergänzung beziehungsweise Alternative zu den Kosteneinsparungen bieten sich außerdem eine höhere Neuverschuldung an. Der Netto-Verschuldungsgrad beträgt Financial Times zufolge derzeit bei nur 0,9 Prozent der Einnahmen. Analysten der Sberbank gehen davon aus, dass sich die Schulden des Unternehmens in den kommenden drei bis vier Jahren verdoppeln könnten.

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