Massen-Demos in den USA gegen Gewalt der Polizei

Nach der Tötung zweier Afro-Amerikaner durch US-Polizisten und den tödlichen Schüssen auf Polizisten in Dallas ist es in den USA am Wochenende bei Demonstrationen zu gewalttätigen Zwischenfällen gekommen, dutzende Menschen wurden festgenommen. US-Präsident Obama appellierte an die Einheit der Nation.

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Eine Demo in New York am Donnerstag. In den USA fanden Massen-Demos gegen die Gewalt der Polizei statt. (Foto: dpa)

Eine Demo in New York am Donnerstag. (Foto: dpa)

In zahlreichen Städten gingen Demonstranten auf die Straße, um gegen Polizeigewalt gegen Afro-Amerikaner zu demonstrieren, nachdem Polizisten in den vergangenen Tagen zwei Afro-Amerikaner in St. Paul und Baton Rouge erschossen hatten. In Dallas hatte daraufhin am Donnerstagabend ein 25-jähriger Afro-Amerikaner während einer friedlichen Kundgebung gegen Polizeigewalt fünf weiße Polizisten aus dem Hinterhalt erschossen. Als Motiv gab der Afghanistan-Veteranen Micah Johnson an, aus Rache weiße Polizisten töten zu wollen, bevor er dann von der Polizei getötet wurde..

In St. Paul, wo ein Polizist vor wenigen Tagen den Afro-Amerikaner Philando Castile in dessen Auto erschossen hatte, blockierten hunderte Demonstranten am Samstagabend stundenlang eine Autobahn und warfen Steine, Feuerwerkskörper und Flaschen auf Polizisten.

Laut Polizei warf ein Demonstrant einem Polizisten von einer Brücke aus einen Betonbrocken auf den Kopf. Auch ein Molotow-Cocktail sei geworfen worden. Fünf Polizisten wurden demnach verletzt. Die Polizei setzte Tränengas und Pfefferspray ein. Nach Angaben eines Beamten in der örtlichen Haftanstalt wurden etwa 60 bis 80 Menschen festgenommen.

In Baton Rouge, wo ein Polizist am Dienstag den CD-Verkäufer Alton Sterling erschossen hatte, gab es nach Medienberichten ebenfalls dutzende Festnahmen bei Demonstrationen. Unter den Festgenommenen war ein prominenter Aktivist der Schwarzen-Bewegung Black Lives Matter. Die Polizei wollte sich zunächst nicht zur Zahl der Festgenommenen äußern.

In San Francisco hielt ein großes Polizeiaufgebot Demonstranten davon ab, eine Straßenkreuzung zu besetzen. Auch in Phoenix im Bundesstaat Arizona hatte die Polizei am Freitagabend Tränengas gegen Steine werfende Demonstranten eingesetzt. In Rochester im Bundesstaat New York wurden 74 Demonstranten nach einem Sitzstreik festgenommen.

Politiker bemühten sich derweil angesichts der Furcht vor neuen Rassenunruhen um beschwichtigende Worte. „Amerika ist nicht so gespalten, wie manche es darstellen“, sagte Präsident Obama am Rande des Nato-Gipfeltreffens in Warschau. „Es gibt Kummer, es gibt Wut, es gibt Verwirrung – aber es gibt Einheit“, mahnte er ein Zusammenstehen der Nation an. Den Heckenschützen von Dallas nannte Obama einen „verrückten“ Einzeltäter, der nicht stellvertretend für die schwarze Bevölkerung stehe.

Der US-Präsident verkürzte seine Europareise um einen Tag und wollte schon am Sonntagabend in die USA zurückkehren. Anfang der Woche will er auf Einladung von Bürgermeister Mike Rawlings Dallas besuchen.

Am Samstag löste eine anonyme Drohung vorübergehend Angst vor weiteren Angriffen in Dallas aus. Das Polizeipräsidium der Stadt wurde teilweise abgeriegelt, Eliteeinheiten positionierten sich rund um das Gebäude. Nach einer Durchsuchung gaben die Behörden schließlich Entwarnung.

Parteiübergreifend mahnten Politiker, die Spaltung des Landes nicht weiter zu vertiefen. Vizepräsident Joe Biden verurteilte die Polizistenmorde, aber auch die tödlichen Polizeieinsätze gegen Afro-Amerikaner in den vergangenen Tagen. „Als Amerikaner haben uns alle diese Tode verwundet“, sagte er in einer Rede.

Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton forderte, „weiße Amerikaner müssen besser zuhören, wenn Afroamerikaner über die Hürden sprechen, auf die sie stoßen“. „Wer kein Afroamerikaner ist, wird niemals ganz begreifen können, was es bedeutet, schwarz zu sein“, sagte der ehemalige republikanische Präsidentschaftsbewerber Marco Rubio. Ähnlich äußerte sich der frühere Sprecher der Republikaner im US-Repräsentantenhaus, Newt Gingrich.

Afro-Amerikaner in den USA lebten gefährlicher als Weiße, erklärte Gingrich, der als Donald Trumps möglicher Kandidat für die Vizepräsidentschaft gehandelt wird. „Manchmal ist es für Weiße schwierig, das zu verstehen“.

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