Ansbach: Syrer bekannte sich vor Anschlag zum IS

Die Polizei glaubt Beweise gefunden zu haben, dass sich der Attentäter von Ansbach aus islamistischen Gründen in die Luft gesprengt habe. Er war allerdings psychisch krank - weshalb er nicht abgeschoben wurde. Am Montag wurde ein Dolmetscher verhaftet, dessen Rolle unklar ist.

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Der Selbstmord-Attentäter von Ansbach wollte aus islamistischen Motiven töten. Auf dem Handy des Syrers entdeckten die Ermittler am Montag ein Video, in dem er sich zur Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS) bekennt. Er handele im Namen Allahs und übe Rache an den Deutschen für die Tötung von Muslimen, heiße es dort in arabischer Sprache, sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Die Deutschen würden nicht mehr ruhig schlafen können. Wegen des Verdachts, dass Mohammed D. die Tat als Mitglied des IS ausführte, übernahm am Abend die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen. In der Wohnung des 27-Jährigen entdeckte die Polizei zudem Diesel, Salzsäure sowie Drähte für den Bombenbau. Der Syrer war 2014 eingereist, sein Asylantrag lehnten die Behörden aber ab. Seine Abschiebung nach Bulgarien wurde ausgesetzt, da er psychisch krank war. Die Polizei nahm auch einen Dolmetscher fest, dessen Rolle zunächst unklar war.

Der Attentäter hatte am Sonntagabend bei einem Musikfestival in Ansbach einen Sprengsatz in seinem Rucksack gezündet. Dabei wurden er selbst getötet sowie nach Angaben der Bundesanwaltschaft zwölf weitere Menschen verletzt, drei davon schwer. Der Rucksack war mit Metallteilen und scharfkantigen Blechen gefüllt, um die Wirkung der Bombe zu erhöhen. Eigentlich wollte der Attentäter direkt auf das Festivalgelände, wurde aber wegen fehlender Eintrittskarte abgewiesen. Anschließend zündete er seinen Sprengsatz an einem Weinlokal nahe dem Gelände. Der Syrer hatte den Ermittlern zufolge eine große Menge Bargeld in Rollen von 50-Euro-Scheinen dabei. Den Behörden war er bereits unter anderem wegen Drogendelikten bekannt.

Im Zimmer des Attentäters fand die Polizei unter anderem einen Zehn-Liter-Kanister Diesel, Salzsäure, Alkoholreiniger, Nitroverdünnung, Lötkolben und Batterien, die offenkundig dem Bombenbau dienten. Außerdem wurde ein Laptop mit „eindeutig gewaltverherrlichenden Bildern und Filmsequenzen“ sichergestellt, die in Beziehung zum IS stünden, teilten die Ermittler mit. Der Mann habe ferner sechs Facebook-Accounts betrieben, mindestens einen davon unter falschen Namen. Auch in diesen Accounts gebe es Bezüge zum Islamismus. Zudem wurde ein Mann aus dem engeren Umfeld des Attentäters festgenommen, der angegeben habe, lediglich Dolmetscher zu sein. Dies werde jetzt geprüft.

Die Bundesanwaltschaft teilte mit, es sei zu klären, ob weitere bislang unbekannte Tatbeteiligte oder Hintermänner in die Tat eingebunden gewesen seien. Daher habe sie die Ermittlungen wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung, versuchten Mordes und anderer Straftaten gegen nicht namentlich bekannte Beschuldigte aufgenommen.

Die Website Amak meldete am Montagnachmittag, der IS beanspruche die Tat für sich. Der Attentäter sei Aufrufen gefolgt, Länder anzugreifen, die an der Allianz zur Bekämpfung des IS beteiligt seien. Nach dem ebenfalls islamistisch motivierten Attentat in einem Regionalzug bei Würzburg, dem Amoklauf eines depressiven Schülers am Freitagabend in München war es bereits der dritte Anschlag binnen einer Woche in Bayern.

Innenminister Herrmann kündigte an, die Landesregierung werde ab Dienstag bei ihrer Klausurtagung eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen beschließen und auch Forderungen gegenüber der Bundesregierung erheben. Es müsse alles getan werden, um die Sicherheit der Einheimischen vor einem Missbrauch des Aufenthaltsrechts zu erhöhen. „Wir wollen vorbereitet sein“, sagte der CSU-Politiker. Offen zeigte er sich für den umstrittenen Einsatz der Bundeswehr im Innern. In Extremfällen sei dieser auch mit dem Grundgesetz im Einklang, sagte der Minister.

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere ordnete nach der Serie von Attentaten verstärkte Streifen der Bundespolizei an Flughäfen und Bahnhöfen an. „Was mir im Moment besonders wichtig erscheint, ist eine erhöhte Präsenz von Polizeikräften im öffentlichen Raum“, sagte de Maiziere am Montag in Berlin. Auch die sogenannte Schleierfahndung an den Grenzen gehe weiter. Zu möglichen Gesetzesverschärfungen hielt sich der CDU-Minister bedeckt. Entsprechende Änderungen könnten vor Abschluss der Ermittlungen nicht feststehen. Er werde jedoch Änderungen anstoßen, wenn diese erforderlich seien.

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