Commerzbank unter Druck: Die Kapitaldecke wird dünner

Die Commerzbank enttäuscht beim Gewinn und muss sich Sorgen um ihre Eigenkapitalquote machen. Das Problem: Wegen der niedrigen Zinsen sinkt die Profitabilität im Kerngeschäft.

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Die Commerzbank fällt beim Gewinn immer weiter hinter ihre Ziele zurück. Im zweiten Quartal schrumpfte das Ergebnis unter dem Strich um fast ein Drittel auf 209 Millionen Euro, wie die zweitgrößte Bank am Montagabend mitteilte. Das lag zwar nur leicht unter den ohnehin reduzierten Erwartungen der Analysten, die die Commerzbank selbst abgefragt hatte. Mit einem Gewinn von 372 Millionen Euro nach sechs Monaten scheint die Wiederholung des Milliardengewinns vom Vorjahr aber kaum noch realistisch. Die Bank liegt bereits um mehr als 40 Prozent unter dem Niveau zur Jahresmitte 2015. Die Banken bekommen die Dauerniedrigzinsen immer stärker zu spüren. Der neue Vorstandschef Martin Zielke hatte schon im Mai gewarnt, dass es schwierig werde, das Ziel zu erreichen.

Branchenexperten trauen der Bank in diesem Jahr im Schnitt nur noch 882 Millionen Euro zu. Eine Sprecherin wollte sich zu den Aussichten nicht äußern und verwies auf die Veröffentlichung des Quartalsberichts am 2. August.

Verschärfte Kapitalvorschriften ließen die Kapitaldecke der Commerzbank zudem überraschend dünner werden. Ende Juni kam die Bank nur noch auf eine harte Kernkapitalquote von 11,5 Prozent. Drei Monate vorher waren es noch 12,0 Prozent. Die Regulierer zwängen alle Banken, ihre Bilanzrisiken (RWA) höher zu bewerten, wenn ihre eigene Risikoeinschätzung zu stark vom Branchendaten abweiche, erklärte die Bank. Steigende Pensionsrückstellungen wegen der niedrigen Zinsen und höhere Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen drückten ebenfalls auf die Quoten.

Finanzvorstand Stephan Engels hatte bereits mehrfach vor vorübergehend schwankenden Quoten gewarnt. Die Commerzbank halte aber daran fest, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) für jede Bank individuell vorgegebenen Kapitalquoten einzuhalten, erklärte sie am Montag. Für 2016 sind das nur 10,25 Prozent, bis 2019 steigt die Vorgabe aber auf 11,75 Prozent.

Das operative Ergebnis der Commerzbank vor Steuern sank im zweiten Quartal um 19 Prozent auf 342 Millionen Euro. Analysten haben in ihren Prognosen vor allem in der Mittelstandsbank – in den vergangenen Jahren der verlässlichste Gewinnbringer – und im Investmentbanking die größten Abstriche gemacht. Im Geschäft mit den fast zwölf Millionen Privatkunden in Deutschland lag die Bank von April bis Juni dagegen fast auf Vorjahresniveau. In der Mittelstandsbank werden auch die größten Einschnitte erwartet, wenn Vorstandschef Zielke seine Pläne für die nächsten Jahr vorstellt. Sie leidet unter der schwächelnden Kreditnachfrage der Unternehmen und den niedrigen Zinsen. Insider gehen davon aus, dass in der Sparte bis zu 20 Prozent der rund 5700 Stellen gestrichen werden.

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