Rohstoff-Schock: Analysten erwarten neue Talfahrt beim Ölpreis

Die Preise für Erdöl sind am Dienstag nach einem skeptischen Kommentar von Goldman Sachs gefallen. Beobachter erwarten, dass sich die Preise nicht mehr lange bei 50 Dollar pro Barrel halten werden können.

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Die Ölpreise haben sich am Dienstag verbilligt. Nordseeöl der Sorte Brent verlor 0,6 Prozent auf 48,85 Dollar je Barrel (159 Liter). US-Leichtöl der Sorte WTI kostete mit 47,04 Dollar 0,8 Prozent weniger. Händler verwiesen auf Analystenkommentare, in denen der Preisanstieg im August als übertrieben beschrieben wird. Goldman Sachs erklärte, dass eine Wiederaufnahme der Produktion in Nigeria, Irak und Libyen im zweiten Halbjahr zum Überangebot beitragen könnte. Daher betrachte man die jüngste Preiserholung als fragil.

Anderen Marktbeobachtern zufolge werden die Notierungen mittelfristig wieder nachlassen. Die vier wichtigsten Gründe fasst Zerohedge folgendermaßen zusammen:

„Nach dem größten dokumentierten ‚short squeeze‘ der Geschichte (Angebotsknappheit eines Wertpapiers, das zuvor in großer Anzahl leerverkauft wurde. Nach den Leerverkäufen müssen die offenen Positionen wieder glattgestellt werden – Red.) wird jede weitere inkrementelle Deckung sehr schwierig. Zudem ist ein derzeit diskutiertes Einfrieren der Fördermenge wirkungslos zu einer Zeit, in der die Produktion vieler OPEC-Mitglieder rekordhoch ist. Die Niger Delta Avengers (eine Separatistengruppe in Nigeria, die Anschläge auf Pipelines verübt hatte – Red.) haben einem Waffenstillstand zugestimmt – 300.000 Barrel könnten so pro Tag wieder auf den Markt kommen. Außerdem suggerieren die Fundamentaldaten ein größeres Angebot, insbesondere von amerikanischen ‚shale gas‘-Anbietern, welche ihre Bilanzen im letzten Abschwung bereinigt haben.“

Die Analysten sehen beim US-Öl weiter eine Preisspanne von 45 bis 50 Dollar bis zum nächsten Sommer. Sollte der Produktionsanstieg stärker ausfallen, dürfte WTI um durchschnittlich 45 Dollar je Fass pendeln. Der relativ schwache Dollar und die Spekulationen um eine Förderbremse durch die Opec hätten den Preisanstieg im August befeuert. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Vereinbarung wäre aufgrund der schlechten Beziehung zwischen dem Iran und Saudi-Arabien aber vermutlich nicht sehr hoch.

Der Preis war seit Anfang August in der Spitze um 20 Prozent gestiegen. Brent hatte zeitweise sogar wieder über der psychologisch und technisch wichtigen 50-Dollar-Marke notiert.

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