Rocket Internet meldet für erstes Halbjahr hohen Verlust

Der deutsche Startup-Investor Rocket Internet hat für das erste Halbjahr einen Verlust von über 600 Millionen Euro bekanntgegeben. Rockets Geschäftsmodell – das Gründen zahlreicher neuer Firmen – kostet viel Geld. Bei Investoren herrscht zunehmend Unsicherheit, ob diese jemals profitabel arbeiten können.

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Der drastische Wertverlust seiner Modehandels-Beteiligungen drückt den Berliner Startup-Investor Rocket Internet tief in die roten Zahlen. Der Verlust summierte sich im ersten Halbjahr auf 617 Millionen Euro, wie Rocket Internet einräumte. Allein auf die Global Fashion Group (GFG), in der Rocket eine Reihe von Online-Modeläden außerhalb Europas gebündelt hat, musste das Unternehmen 383 Millionen Euro abschreiben. Bei einer Finanzierungsrunde im Frühjahr wurde die GFG nur noch mit einer Milliarde Euro statt wie zuvor mit drei Milliarden bewertet. Rocket hält noch gut 20 Prozent an der GFG. Auch bei anderen Beteiligungen wurden Wertberichtigungen fällig.

Die Geschäfte liefen abgesehen davon gut, sagte Finanzchef Peter Kimpel am Freitag: „Wir sind operativ gesehen sehr, sehr zufrieden.“ Anleger waren dagegen unzufrieden: Der Aktienkurs von Rocket fiel um acht Prozent auf 17,27 Euro. Die Rocket-Aktie kostet damit weniger als halb so viel wie beim Börsengang vor zwei Jahren, bei dem sie zu 42,50 Euro ausgegeben wurde.

Bisher schreiben alle Startups von Rocket Internet Verluste. Sie sollen aber von diesem Jahr an sinken. „Nach wie vor erwarten wir, dass bis Ende 2017 mindestens drei unserer Beteiligungen profitabel sein werden“, bekräftigte Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer.

Die Beteiligungen stehen mit dem Wert in der Rocket-Bilanz, der der jeweils letzten Kapitalspritze zugrunde liegt. Bei der jüngsten Finanzierungsrunde der Mode-Holding GFG im Frühjahr hatte Rocket 330 Millionen Euro bei Investoren eingesammelt. Diese erhielten dafür rund ein Drittel der Anteile, so dass sich eine Bewertung von einer Milliarde Euro ergibt. Fast die Hälfte davon steuerte der schwedische Co-Investor Kinnevik bei, der selbst an Rocket beteiligt ist. Rocket selbst ließ seinen Anteil leicht abschmelzen. Zur GFG gehören Unternehmen wie Lamoda (Russland), Dafiti (Lateinamerika) und Zalora (Südostasien).

Rockets Geschäftsmodell – das Gründen von Startups nach dem Fließbandprinzip – kostet viel Geld. Anleger sind verunsichert, ob es dem Konzern gelingen wird, dies über Verkäufe und Börsengänge jemals wieder einzuspielen. Rocket ist unter anderem am Kochbox-Anbieter HelloFresh, dem Essenslieferdienst Delivery Hero und den Möbelhändlern Westwing und Home24 beteiligt. Banker halten es für unwahrscheinlich, dass einem von ihnen im nächsten halben Jahr der Börsengang gelingt.

Der Umsatz von Rocket fiel in der ersten Jahreshälfte um 59 Prozent auf 29 Millionen Euro. Das Unternehmen begründete das mit dem Verkauf und der Schließung von Startups. Der chinesische Amazon -Klon Lazada wurde im Frühjahr an den Internet-Händler Alibaba verkauft. Firmen wie PizzaBo und La Neversa Roja wurden ebenfalls abgegeben. Allerdings bilanziert Rocket nur die Umsätze von Beteiligungen, an denen die Startup-Schmiede auch die Mehrheit hält – was bei den wenigsten der Fall ist.

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