Lächerlich: Anzeige gegen Harting, weil er bei Nationalhymne gewackelt hat

Die olympischen Spiele bieten eine kleine Nachsommer-Groteske: Dem Diskuswerfer Christoph Harting droht angeblich Ungemach, weil er bei der Siegerehrung in Brasilien nicht strammgestanden ist. Das ist lächerlich, weil der Sportler erkennbar nicht aus Respektlosigkeit aufgeregt war.

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Christoph Harting: Unbändige Freude über den Gewinn der Goldmedaille. (Foto: dpa)

Christoph Harting: Unbändige Freude über den Gewinn der Goldmedaille. (Foto: dpa)

Die Bild-Zeitung meldet, dass gegen den Goldmedaillen-Gewinner Christoph Harting eine anonyme Anzeige einer „Privatperson“ erstattet worden sein soll, weil er sich beim Abspielen der deutschen Nationalhymne bewegt hatte. Es ist unklar, woher die Bild weiß, dass es sich um eine Privatperson gehandelt hat, wenn die Anzeige tatsächlich anonym war.

Die Bild schreibt: „Diskus-Olympiasieger Christoph Harting (26) hampelte bei der Siegerehrung in Rio herum, pfiff albern vor sich hin, während die Nationalhymne gespielt wurde. Der Aufschrei unter Sportlern, Funktionären und auch Zuschauern war groß,,respektlos‘ und ,peinlich‘ die gängigen Begriffe.“

Diese Einschätzung ist geradezu lächerlich: Wie man auf dem Video unschwer erkennen kann, hat sich Harting über seinen Sieg maßlos gefreut und konnte seine Freude sympathisch-hilflos nicht kontrollieren. Es ist klar zu erkennen, dass Harting nicht aus Respektlosigkeit „zappelte“, sondern weil er unbeholfen versuchte, seine unbändige Freude und Rührung zu kanalisieren. Die Mitteldeutsche Zeitung hatte dies unmittelbar nach der ersten Kritik richtig erkannt und kommentierte: „Es ist eben keine Staatsaffäre. Christoph Harting hat sich dumm angestellt, aber kein Verbrechen begangen. Der Hüne aus Berlin befand sich in einer Situation, mit der er nicht umgehen konnte. Und im Bestreben, das zu überspielen, tat er genau das Gegenteil von dem, was von einem Helden erwartet wird.“

Die Bild sieht nun jedoch sogar weitere Konsequenzen am Horizont und bringt ein „internes Verfahren“ bei der Bundespolizei gegen Harting ins Gespräch. Zu diesem Zwecke zitiert sie den Sport-Funktionär Jochen Maron, Leiter der Bundespolizeisportschule in Kienbaum, mit den Worten: „Ich stehe dem Verhalten von Christoph Harting sehr kritisch gegenüber. Dieser Vorfall wird auch in jedem Fall noch nachbereitet.“

Bereits nach dem „Vorfall“ hatte die Märkische Oderzeitung geurteilt: „Wenn die Fahne hochgezogen, die Nationalhymne angestimmt wird und Harting mit einem von der Sportförderung des Bundes finanzierten Trikot auf dem Treppchen steht, ist er nicht mehr Privatmann, dann ist er Repräsentant eines Landes. Wenn er beginnt, feixend um sich zu blicken, als ob das Ganze für ihn ein Jux sei, diskreditiert er nicht nur sich selbst. Er macht sich über all jene lustig, die ihm seinen Sport finanzieren – also den deutschen Steuerzahler.“

Man wünscht sich solch engagierte Kritik an jenen, die sich unablässig über die „deutschen Steuerzahler“ lustig machen.

Die Emder Zeitung hatte geschrieben: „Der ,kleine‘ Christoph erntete zunächst viel Sympathie mit seinen kleinen Albernheiten nach dem Sieg – das mag das Volk, so eine Unbekümmertheit eines so starken Modellathleten. Allerdings riss Christoph das zarte Sympathiegebäude, das er mit seiner kleinen Show gerade aufgebaut hatte, mit dem Hintern sofort wieder ein. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Christoph alberte auf dem Treppchen und wackelte mit dem Hintern. Viel schlimmer aber: Er pfiff zwar nicht auf, aber während der Hymne. Das war zu viel fürs Volk. Tatsächlich ist so ein Theater auch wenig sportlich. Das Treppchen bedeutet für die Olympioniken das Ziel ihrer Träume. Das sollte man respektieren, vor allem, wenn man gerade mal ganz oben steht.“

Auch hier: Es gäbe viele interessante Fälle, bei denen man zu Recht beklagen kann, dass „Repräsentanten des Landes“ ein „zartes Sypmpathegebäude“ mit „dem Hintern“ eingerissen haben.

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