Studie: Digitalisierung zerstört Arbeitsplätze, schafft neue

Bis 2019 werden 1,4 Millionen neue Industrieroboter weltweit ihre Arbeit aufnehmen. Die Digitalisierung schreitet weiter voran und Deutschland ist in Europa ganz vorn mit dabei. Die Furcht vor dem massiven Verlust von Arbeitskräften besteht noch immer. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass sich die Digitalisierung der vergangenen Jahre jedoch durchaus positiv auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt haben.

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Zwischen 1999 und 2010 haben Maschinen zwar menschliche Arbeit ersetzt. Allerdings hat die gestiegene Produkt- in einem noch größeren Umfang die Arbeitsnachfrage erhöht. (Grafik: ZEW)

Zwischen 1999 und 2010 haben Maschinen zwar menschliche Arbeit ersetzt. Allerdings hat die gestiegene Produkt- in einem noch größeren Umfang die Arbeitsnachfrage erhöht. (Grafik: ZEW)

Industrie 4.0 steht für Innovation, Fortschritt und gleichzeitig für die Angst vor dem Jobverlust und Hackerangriffe auf Unternehmen. Im Bereich der Automation in der Produktion gehört die EU immer noch zu den Vorreitern. Wie der neue „World Robotics Report 2016“ zeigt, befinden sich 65 Prozent der Länder, die eine überdurchschnittlich hohe Anzahl an Industrierobotern pro 10.000 Angestellten haben, in der EU. 14 EU-Länder zählen dazu – genauso wie die Schweiz, vier asiatische Länder, die USA, Kanada und Australien.

Die Zahl der neuen Roboter und die um sich greifende Vernetzung der Maschinen muss aber nicht, wie häufig postuliert, dazu führen, dass keine Arbeitskräfte mehr benötigt werden. Tatsächlich bringt die Digitalisierung auch Chancen für den Arbeitsmarkt mit sich, wie eine Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zusammen mit der Universität Utrecht zeigt.

In der Studie werden erstmals langfristige Effekte der Digitalisierung untersucht. Die Wissenschaftler prüften die Auswirkungen des technologischen Wandels zwischen 1999 und 2010 auf die Arbeitsnachfrage im gleichen Zeitraum. 238 unterschiedliche europäische Regionen in 27 EU-Ländern wurden dabei genauer betrachtet.

Tatsächlich stellte sich heraus, dass der technologische Wandel durchaus positive Effekte auf die Nachfrage nach Arbeitskräften hatte. Die Digitalisierung führte vermehrt zu sinkenden Produktionskosten und sinkenden Angebotspreisen. Das wiederum hatte zu einer erhöhten Produktnachfrage geführt, die gleichsam auf Seiten der Unternehmen zu einem Anstieg der Arbeitsnachfrage führte, so die Wissenschaftler:

„Zwar haben Maschinen menschliche Arbeit ersetzt und die Arbeitsnachfrage reduziert. Allerdings hat die gestiegene Produktnachfrage in einem noch größeren Umfang die Arbeitsnachfrage erhöht. Wie groß die positiven Arbeitsnachfrageeffekte der Automatisierung ausfallen, hängt jedoch zentral von der Gewinnverteilung des technologischen Wandels ab.“

Bei der Annahme, dass alle Einkommensarten in der regionalen Wirtschaft in den Konsum geflossen sind, ist von einem Arbeitsnachfrageeffekt von 11,6 Millionen Jobs in dem genannten Zeitraum aufgetreten. Geht man von einer niedrigeren Annahme aus, nämlich, dass nur die Lohneinkommen lokal für den Konsum und die übrigen Einkommensarten außerhalb der EU ausgegeben wurden, hätte sich ein Arbeitsnachfrageeffekt von 1,9 Millionen Jobs ergeben.

„Aufgrund kurz- oder mittelfristiger Anpassungskosten infolge von Verschiebungen zwischen Berufen, Sektoren oder Regionen lassen sich die Effekte nicht eins-zu-eins in die Anzahl neuer Arbeitsplätze übersetzen“, sagt Ulrich Zierahn, Wissenschaftler am ZEW und Mitautor der Studie. Vielmehr lassen die Ergebnisse erahnen, dass Ängste über mögliche technologische Arbeitslosigkeit in der langen Frist möglicherweise überschätzt werden. „Für die betrachteten europäischen Länder und den betrachteten Zeitraum rennt der Mensch vielmehr mit anstatt gegen die Maschine.“

Zwar werden Tätigkeiten wegfallen, doch andere neuartige Aufgabenfelder öffnen sich mit der Digitalisierung. Hier sind vor allem die Ausbildungsstätten gefragt. In jeder Schulart muss stärker auf die Digitalisierung in der Gesellschaft und in der Arbeitswelt reagiert werden.

 

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