Rohstoff-Schock: Reederei Maersk stößt Erdöl-Geschäft ab

Die weltgrößte Reederei Maersk stößt das unter dem Preisverfall leidende Geschäft mit Erdöl ab. Der Fokus soll künftig auf dem Transportgeschäft liegen, welches derzeit jedoch ebenfalls in der Krise steckt. Was aus dem Ölgeschäft wird ist unklar.

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Der dänische Reederei- und Energiekonzern A.P.Moeller-Maersk trennt die Ölsparte ab. Ziel sei es innerhalb von 24 Monaten eine Lösung für den Bereich zu finden, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Der Fokus solle künftig auf dem Transport- und Logistikgeschäft liegen. Für die Zukunft des Ölgeschäfts denkbar seien Fusionen, Gemeinschaftsunternehmen oder ein Börsengang. Maersk Oil sei ein kleiner Wettbewerber, es gebe daher viele Konkurrenten, die groß genug seien, um das Geschäft zu übernehmen. Allerdings seien dort die Mittel ebenfalls knapp, sagten von Reuters zitierte Beobachter.

Beide Bereiche hätten mit unterschiedlichen Problemen zu kämpfen, sagte Aufsichtsratschef Michael Pram Rasmussen. Nach der Aufteilung könnten sie sich besser auf ihre Märkte konzentrieren.

Die Ölsparte leidet unter niedrigen Preisen. Der Container-Bereich wiederum steht unter Druck, weil sich vor allem in Asien durch Fusionen und Übernahmen neue Konkurrenz formiert und der Welthandel derzeit lahmt. Über einen Umbau des Unternehmens war bereits spekuliert worden, nachdem der Konzern im Juli mit Sören Skou einen neuen Chef bekam. Der Markt reagierte positiv auf die Pläne: Die Aktie kletterte zu Handelsbeginn um vier Prozent, lag am Mittag etwa ein Prozent im Plus.

Der Container-Bereich wiederum steht seit längerem unter Druck, weil sich vor allem in Asien durch Fusionen und Übernahmen neue Konkurrenz formiert und der Welthandel derzeit lahmt. Viele Reedereien haben in große Schiffe investiert, für die nun nicht genügend Fracht vorhanden ist. Maersk kämpft um seinen Spitzenplatz in der Branche. So schloss sich Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd mit dem arabischen Rivalen UASC zusammen und rückte damit zur Nummer fünf der Branche auf. Im Zuge der jüngsten Großpleite der südkoreanischen Reederei Hanjin legten zwar zuletzt die Preise für Schiffsfracht wieder zu. Doch Experten rechnen nicht mit einer dauerhaften Trendwende, weil die Überkapazitäten weiterhin bestehen blieben.

Fallende Frachtraten und niedrige Preise hatten den Gewinn von A.P. Møller-Maersk im zweiten Quartal massiv einbrechen lassen. Das dänische Unternehmen verdiente unter dem Strich rund 120 Millionen Euro im Vergleich zu knapp 1,1 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. „Das Ergebnis ist unbefriedigend“, sagte der neue Chef der Maersk-Gruppe, Søren Skou.

Der Umsatz sank von rund 10,5 auf knapp 8 Milliarden Euro. Um die Entwicklung abzufedern, hat das Unternehmen vor allem in den Geschäftsbereichen Schifffahrt und Öl stark gespart.

In der Containerschifffahrt machen der Reederei nicht nur die geringen Frachtraten und niedrigen Preise, sondern auch die große Zahl der Mitbewerber zu schaffen. Im zweiten Quartal schrieb der Unternehmensbereich Maersk Line, das größte Standbein des Unternehmens, Verluste von rund 135 Millionen Euro. Bis Ende 2017 wollen die Dänen hier 4000 der etwa 23 000 Stellen streichen. Insgesamt beschäftigt die Gruppe rund 88 300 Mitarbeiter.

Für das dritte Quartal kündigte Skou, der den bisherigen Maersk-Chef Nils Smedegaard Andersen im Juli ersetzt hatte, außerdem eine „strategische Überprüfung des Unternehmens“ an, um die Gruppe wieder auf Kurs zu bringen. Für das gesamte Jahr 2016 erwarten die Dänen ein Ergebnis deutlich unter dem von 2015. Zu dem Konzern gehören neben der Containerschifffahrt, die Öl- und Gasförderung und Logistik.

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