Banken auf der Kippe: Crash-Gefahr in Saudi-Arabien

Im Finanzsystem Saudi-Arabiens zeichnet sich eine Schieflage ab. Das Land leidet nicht nur unter dem Ölpreis-Verfall. In den USA wachsen die Zweifel am wichtigsten Verbündeten im Nahen Osten.

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Die Entwicklung des Interbanken-Satzes. (Grafik: Zerohedge.com)

Die Entwicklung des Interbanken-Satzes. (Grafik: Zerohedge.com)

In Saudi-Arabien zeichnen sich große Verwerfungen im Finanzsektor und am Aktienmarkt ab. Die Aktien der wichtigsten Banken des Landes haben im vergangenen Jahr etwa die Hälfte ihres Werts eingebüßt. Derzeit liegt der entsprechende Index so tief wie zuletzt Anfang des Jahres 2009, berichtet der Finanzblog Zerohedge.

Der Interbanken-Zinssatz, welcher als Richtwert für die Geldausleihung zwischen saudischen Banken dient, steht derzeit so hoch wie seit Ende 2008 nicht mehr. Je höher der Zinssatz liegt, umso misstrauischer sind Banken im Allgemeinen, sich gegenseitig Gelder anzuvertrauen.

Wie die Zeitung The National berichtet, hat die Zentralbank inzwischen Geschäftsbanken angewiesen, Kunden die Zinszahlungen auf Kredite für einen Monat zu erlassen. Der Hintergrund dürfte der Entscheid der Regierung sein, die öffentlichen Ausgaben massiv zu beschneiden, um die Folgen der seit über eineinhalb Jahren andauernden Ölpreisschwäche zu kompensieren.

Ein Grundproblem des Bankensystems in Saudi-Arabien besteht darin, dass der Umfang der Kundeneinlagen stetig abnimmt, während die Forderungen gegenüber dem privaten Sektor hoch bleiben. Dies erschwert es den Geldinstituten, Liquidität zu generieren. „Die sich verengende Liquidität belastet die Kredit-Einlagen-Relation sowie das Niveau an liquiden Mittel bei den Banken und wirkt sich außerdem negativ auf die Refinanzierungskosten und die Profitabilität aus. Folgeeffekte werden eine größere Zahl ausfallgefährdeter Kredite sein“, wird die US-amerikanische Ratingagentur Moody’s von Gulf News zitiert.

Zusätzlich zum niedrigen Ölpreis wird die saudische Wirtschaft derzeit auch von einer schleichenden Entfremdung zum traditionell wichtigsten Bündnispartner USA belastet – beide Volkswirtschaften sind über die Ölverkäufe in US-Dollar eng miteinander verbunden. Vor diesem Hintergrund ist bemerkenswert, dass Moody’s die Kreditwürdigkeit Saudi-Arabiens im Mai herabgestuft hatte (Video am Anfang des Artikels).

Nachdem der US-Kongress ein Veto Präsident Obamas aufgehoben hatte, sind fortan Klagen von Angehörigen der Terroranschläge vom 11. September gegen Saudi-Arabien möglich. Teilen des Behördenapparates wird vorgeworfen, an den Attentatsplanungen beteiligt gewesen zu sein. Saudi-Arabien reagierte daraufhin erbost und drohte ernste Konsequenzen an.

Riad legt einen Großteil seiner Ölgewinne seit Jahrzehnten in US-Staatsanleihen an – kommt es zu einem Umdenken der Saudis, würde die Schuldenaufnahme der USA erschwert. Auch andere wichtige Staaten wie China und Indien fahren die Käufe seit Monaten zurück. Eine Abwendung vom Dollar als allein gültige Währung zur Abwicklung der saudischen Ölverkäufe würde überdies dessen Statur als Weltleitwährung gefährden. Die Regierung in Washington kündigte ihrerseits am Montag an, ihre bereits reduzierte Unterstützung der von Saudi-Arabien angeführten Kampf-Koalition im Jemen zu überprüfen, nachdem dort hunderte Menschen durch Luftangriffe getötet wurden. „Die Sicherheitskooperation der USA mit Saudi-Arabien ist kein Blankoscheck“, erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Ned Price.

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