Finanzen

Banken zahlen Kunden Prämien fürs Schulden-Machen

Lesezeit: 1 min
16.04.2015 00:51
Wegen der Niedrigzins-Politik der EZB kommt es zu einer grotesken Situation: Die Banken zahlen ihren Kunden Geld für die Aufnahme von Krediten. Vor allem in Südeuropa haben viele Schuldner variable Zinssätze vereinbart. Sie verlangen nun, dass die Banken ihnen entsprechende Angebote unterbreiten. In Deutschland dominieren dagegen feste Zinssätze - weil die Deutschen Risiken vermeiden wollten. Das rächt sich nun.
Banken zahlen Kunden Prämien fürs Schulden-Machen

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Grund für die Entwicklung ist das QE-Programm der EZB. In Ländern wie Spanien, Portugal und Italien entspricht der Basiszinssatz für viele Kredite, vor allem Hypotheken, der Euro Interbank Offered Rate beziehungsweise dem Euribor. Der Zinssatz ergibt sich daraus, wie viel es den europäischen Banken kostet, voneinander Geld zu leihen.

Die Banken setzten die Zinsen für die meisten Kredite mit einem kleinen Prozentsatz über oder unter dem Euribor an. Nachdem der Zins ins Negative rutschte, führte das zum Paradoxon, dass die Banken Zinsen an jene zahlen mussten, die sich Geld geliehen haben.

Die Banken hoffen natürlich, solche Zahlungen vermeiden zu können und wenden sich an die Zentralbanken. Doch aus deren Richtung kommt eher Unerfreuliches für die Kreditgeber.

Die Notenbank Portugals hat vor kurzem entschieden, dass die Banken Zinsen auf bestehende Kredite zahlen müssen, wenn der Euribor unter null fällt. Die Notenbank sagte jedoch auch, dass die Kreditgeber frei seien, „Vorsichtsmaßnahmen“ in künftige Verträge mit aufzunehmen. In Portugal haben mehr als 90 Prozent der 2,3 Millionen ausstehenden Hypotheken variable Zinssätze, die an den Euribor gekoppelt sind, berichtet das WSJ.

In Spanien überlegt die Zentralbank ähnliche Schritte. Die große Mehrheit der spanischen Hypotheken haben Raten, die an den 12-Monats-Euribor gebunden sind, zitiert das WSJ Irene Peña, ein Ökonomin vom spanischen Hypothekenverband. Diese Rate liegt momentan bei 0,187 Prozent.

In Spanien wurde die siebtgrößte Bank, Bankinter, gezwungen, ihren Kunden Tilgungszahlungen für Hypotheken abzuziehen, weil eine Benchmark an den Schweizer Franken gekoppelt ist und dieser in den negativen Bereich fiel. „Ich werde meinem Kontoauszug, er zeigt, dass Bankinter mir Zinsen auf meine Hypothek gezahlt hat, einrahmen“, so ein Kunde. „Das ist Finanzgeschichte“.

In Italien warten die Banken noch auf ein Richtlinie vom lokalen Bankenverband, weil Darlehensverträge bislang keine Klausel für den Fall enthalten, dass die Leitzinsen unter null fallen. Etwa die Hälfte der ausstehenden Hypotheken in Italien haben variable Zinssätze, die meisten davon sind an den Euribor gebunden. In Deutschland hingegen sind die Zinssätze meist fest vereinbart.

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