Wirtschaft

Venezuelas Öl: Wie die USA den nächsten Zugriff vorbereiten

Ein Wochenende reicht, um die Fantasie der Märkte zu befeuern. Während US-Ölkonzerne an der Börse steigen, rücken Venezuelas Energieressourcen erneut ins Zentrum amerikanischer Machtpolitik.
07.01.2026 13:33
Lesezeit: 2 min

Ölmarkt: US-Strategie nach Venezuela-Operation

Die USA planen den Zugriff auf Venezuelas Ölreserven mit einem Treffen zwischen Energieminister und Chefs der großen Ölkonzerne. Kann Washington Energieinteressen und geopolitische Strategien verbinden? Die amerikanischen Energiekonzerne profitierten unmittelbar von den dramatischen Ereignissen des vergangenen Wochenendes, als Washington militärisch in Venezuela intervenierte. Am Montag zogen die Aktienkurse der drei Grosskonzerne Conocophillips, Chevron und Exxon Mobil bei der Eröffnung in den USA deutlich an. Conocophillips gewann rund sechs Prozent, Chevron stieg fünf Prozent und Exxon Mobil zwei Prozent. Parallel dazu legten auch Dienstleister der Ölindustrie wie SLB und Halliburton um jeweils etwa acht Prozent zu. Die Rallye an den Finanzmärkten spiegelte die Erwartung wider, dass sich eröffnetes Marktpotential oder neue Geschäftschancen am venezolanischen Ölmarkt bald auszahlen könnten. Das berichten unsere Kollegen von Børsen.

Trump und das Öl: „Totaler Zugang“

US-Präsident Donald Trump hat wiederholt klargestellt, dass sein Ziel ein „totaler Zugang“ zu Venezuelas Öl sei. Diese Worte unterstreichen die strategische Bedeutung, die Washington dem „schwarzen Gold“ beimisst. Laut jüngsten Berichten plant Trumps Energieminister Chris Wright laut Bloomberg ein Treffen mit führenden Managern großer US-Ölkonzerne, um die Wiederbelebung des stark geschrumpften venezolanischen Ölsektors zu diskutieren. Diese Gespräche sollen schon in dieser Woche im Rahmen einer Energie-Konferenz stattfinden und Vertreter unter anderem von Chevron und Conocophillips einschliessen. Ziel dieses Treffens ist es, mögliche Wege zu erörtern, wie amerikanische Firmen wieder stärker in Venezuelas Ölinfrastruktur investieren und dort produzieren können. Reuters ergänzt, dass trotz der Ankündigungen der Regierung bislang keine offizielle Vorabberatung mit den Gesellschaften stattgefunden habe und viele Manager angesichts rechtlicher und politischer Unsicherheiten skeptisch blieben.

Ölmarkt-Perspektiven und Deutschland-Bezug

Die jüngsten Entwicklungen haben bisher noch keinen spürbaren Einfluss auf den globalen Ölpreis. Allerdings könnten längerfristige Veränderungen auf dem Ölmarkt bevorstehen, wenn US-Firmen wieder in Venezuela Fuß fassen und dort investieren. Venezuela verfügt über extrem große Ölreserven, die laut OPEC-Daten rund 17 Prozent der weltweiten nachgewiesenen Rohölreserven ausmachen. Ob und wie dieser Zugang gelingt, hängt von enormen finanziellen Investitionen und der komplexen politischen Lage vor Ort ab. Experten zufolge wäre der Wiederaufbau der venezolanischen Ölproduktion ein langwieriges Unterfangen mit hohen Risiken, sowohl politisch als auch rechtlich. Für Deutschland könnte eine mögliche Stabilisierung der Ölproduktion in Venezuela mittelfristig die weltweiten Energiemärkte und damit indirekt auch die Energiesicherheit beeinflussen. Sollte mehr venezolanisches Öl auf den Weltmarkt gelangen, könnte dies Druck auf die Preise ausüben und die Importkosten für deutsche Unternehmen sowie Verbraucher leicht reduzieren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Die Ökonomie der Aufmerksamkeit: Warum Unternehmen um jede Minute kämpfen

Im Internet ist Geld nicht länger die einzige Währung. Eine ebenso große Rolle spielt die Währung Aufmerksamkeit. Wer im Überfluss an...

DWN
Politik
Politik Leihmutterschaft: CDU-Politiker fordert Spahns Rücktritt
17.07.2026

Die CDU ist strikt gegen eine Zulassung von Leihmutterschaften. Dass ihr Frontmann im Bundestag nun privat einen anderen Weg gegangen ist,...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Upvest: Der unsichtbare Riese hinter Revolut, N26 und Co.
17.07.2026

Die Schnittstellen-Technologie von Upvest etabliert sich zusehends zum Standard im europäischen Wertpapierhandel. Nach N26 und Revolut...

DWN
Finanzen
Finanzen Mercedes-Aktie: Autobauer investiert eine Milliarde Euro in Ungarn – Strategie gegen chinesische Konkurrenz?
17.07.2026

Mercedes hat eine Milliarde Euro in Ungarn investiert. Nach dem Ausbau soll das Werk in Kecskemét jährlich mehrere hunderttausend Autos...

DWN
Politik
Politik EU-Kritik an Deutschland: Mängel bei Pressefreiheit und Lobby-Transparenz
17.07.2026

Rüge aus Brüssel für die Bundesregierung: Im neuen Rechtsstaatsbericht bescheinigt die EU-Kommission Deutschland anhaltende Defizite....

DWN
Politik
Politik Bahn und Länder im Streit: Netzagentur erzwingt Platz für Fernverkehrs-Konkurrenz
17.07.2026

Ein Machtwort mit Folgen für das deutsche Schienennetz: Die Bundesnetzagentur zieht ihren vorläufigen Beschluss durch und verpflichtet...

DWN
Technologie
Technologie Chinas KI-Vorstoß: Moonshot AI setzt US-Giganten wie OpenAI unter Druck
17.07.2026

China startet seinen Angriff auf die globale KI-Spitze. Mit dem Start-up Moonshot AI bringt das Land ein neues Modell auf den Markt, das es...

DWN
Politik
Politik Kurskorrektur in Brüssel: EU-Kommission plant Lockerung beim Emissionshandel
17.07.2026

Um Europas Unternehmen angesichts hoher Energiepreise und internationaler Konkurrenz zu entlasten, will die EU-Kommission das zentrale...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Volvo-Aktie auf Talfahrt: Einbruch im China-Geschäft - Volvo Cars verfehlt Erwartungen
17.07.2026

Hoher Preiskampf in China und steigende Rohstoffkosten machen dem schwedischen Autobauer Volvo Cars schwer zu schaffen. Nach...