Gemischtes

EU-Markenprodukte: Verschiedene Qualität in den Mitglieds-Staaten

Lesezeit: 2 min
16.08.2015 00:16
Gleicher Name, anderer Inhalt. Eine Untersuchung der tschechischen EU-Abgeordneten Olga Sehnalova zeigt, dass man in Deutschland etwas ganz anderes für sein Geld erhält als in Tschechien. Das stelle eine Diskriminierung europäischer Konsumenten dar.
EU-Markenprodukte: Verschiedene Qualität in den Mitglieds-Staaten
14 der 24 Produkte waren in der Tschechischen Republik sogar teurer als in Deutschland. (Bild: University of Chemistry and Technology Prague.)

Mehr zum Thema:  
Europa >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Europa  

Markenprodukt ist nicht gleich Markenprodukt – zumindest nicht in der EU. Wer eine Packung löslichen Kaffees der Marke Jacobs Krönung Gold in Tschechien kauft, bekommt etwas anderes als der Käufer des vermeintlich selben Produkts in Deutschland, das zeigt eine Untersuchung der tschechischen EU-Abgeordneten Olga Sehnalova.

„Die Studie konzentrierte sich auf die Prüfung, Bewertung und den Vergleich von 24 verschiedenen Proben, die in Einzelhandelsmärkten in der Tschechischen Republik und in Deutschland gekauft wurden“, sagte Sehnalova den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. „Es zeigte sich, dass es gravierende Unterschiede in der Zusammensetzung von acht Produkten, die geprüft und bewertet wurden, gab.“ Das sind immerhin 35 Prozent der Produkte. Ein Produkt der 24 untersuchten wurde nachträglich ganz aus der Bewertung genommen, weil sogar daran gezweifelt wurde, dass es sich tatsächlich um die gleiche Marke handelte.

So ist beispielsweise der Koffeingehalt von Jacobs Krönung Gold in der Tschechischen Republik um ein Drittel höher als in demselben Produkt aus einem deutschen Supermarkt. Die Pepsi-Cola wurde in der Tschechischen Republik mit einem Glukose-Fructose-Sirup gesüßt, in Deutschland mit Zucker. Bei Sprite waren in der tschechischen Version sogar noch Aspartame und Acesulfame enthalten. Und beim Nestea-Eistee müssen sich die Tschechen mit 40 Prozent weniger Teeextrakt zufriedengeben. Doch nicht nur in den Inhalten unterschieden sich die Markenprodukte. 14 der 24 Produkte waren in der Tschechischen Republik sogar teurer als in Deutschland.

Als sie die Hersteller mit den Ergebnissen der Untersuchung konfrontierte, hörte Sehnalova meist, dass sich die Zusammensetzung der Produkte aufgrund der unterschiedlichen Vorlieben der Konsumenten vor Ort unterschied. Eine ähnliche Reaktion gab es von Seiten der EU-Kommission. Die Kommission gab auch an, dass die Unterschiede vielleicht auf die verschiedenen Verbraucherpräferenzen und Erwartungen zurückzuführen seien – auch mit Blick auf die Preise –, so Olga Sehnalova zu den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. „Die Ergebnisse der Umfrage zeigen aber, dass diese Argumente ungültig sind.“

Ähnliche Ergebnisse brachte auch eine Untersuchung der Verbrauchervereinigung in der Slowakai 2011 zutage. Diese habe schon damals gezeigt, dass sich die „Zusammensetzung von sechs Markenprodukten und ihren Preisen in sieben EU-Ländern substantiell unterscheiden könne“, so Sehnalova. Die Kommission habe die slowakische Studie damals aufgrund angeblich nur sehr kleiner Stichproben und aufgrund fehlender Informationen über die Methodik in der Datensammlung in Frage gestellt. Das war auch einer der Gründe, warum die EU-Abgeordnete selbst eine solche Untersuchung mit der University of Chemistry and Technology in Prag durchführte.

„Meine nächste Aufgabe ist es, diese Debatte auf die Ebene der europäischen Institutionen zu bringen.“ Ihrer Meinung nach müssen sowohl die EU-Kommission als auch die Mitglieder des Europäischen Parlaments, vor allem aus westeuropäischen Mitgliedstaaten, erkennen, dass es sich um ein Thema handelt, „das unsere Aufmerksamkeit verdient, da es eng mit der Funktionsweise des EU-Binnenmarkts zusammenhängt“.

Vor diesem Hintergrund gibt es Sehnalova zufolge auch eine Initiative im Europäischen Parlament (parteiübergreifende schriftliche Erklärung), die unter anderem besagt, dass „obwohl wir in Verhandlungen mit den USA über die TTIP stehen, unser eigener Markt immer noch alles andere als einheitlich ist“. Wichtig sei es nun, auch größere Untersuchungen genau zu der Problematik anzustreben, auch um zu sehen, ob es notfalls eines Anpassungsbedarfs bei den bestehenden Rechtsvorschriften der Union bedarf. Eine entsprechende Aufforderung des EU-Parlaments an die Kommission gab es bereits. Bisher jedoch hat die Kommission nichts vorgelegt.

„Die laufenden TTIP-Verhandlungen und die damit verbundene Debatte über den Verbraucherschutz und die Interessen der Verbraucher als solche machen dieses Problem besser sichtbar.“ Es gehe bei dieser Thematik eben nicht einfach nur um die Qualität der Produkte, sondern auch um die Sicherheit und die Frage einer Diskriminierung europäischer Konsumenten.


Mehr zum Thema:  
Europa >

DWN
Politik
Politik Der betagte Präsident? Joe Bidens Zustand beim G7-Gipfel sorgt für Gesprächsstoff
15.06.2024

Das Alter von Joe Biden spielt eine zentrale Rolle im US-Präsidentschaftswahlkampf. Auch beim G7-Gipfel in Italien wird über seinen...

DWN
Politik
Politik Inflationsausgleichsprämie: Bis zu 3.000 Euro steuerfrei - wer bekommt sie tatsächlich?
15.06.2024

Seit dem 26. Oktober 2022 können Arbeitgeber ihren Beschäftigten steuer- und abgabenfrei einen Betrag bis zu 3.000 Euro gewähren. Das...

DWN
Politik
Politik Unser neues Magazin ist da: Das neue digitale Gesundheitswesen – Fluch oder Segen für Deutschland?
15.06.2024

Das deutsche Gesundheitssystem kriselt. Lauterbachs Krankenhausreform ist womöglich nicht der Ausweg, stattdessen könnte eine umfassende...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Deutsche Weinbauern reüssieren im Export - starke Nachfrage aus China 
15.06.2024

Deutschland ist berühmt für seine vorzüglichen Riesling-Weine. Das wird auch international anerkannt. Und es scheint so, als ob...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung bedrohen den ehrlichen Mittelstand: Welche Lösungen gibt es?
15.06.2024

Der Zoll geht aktuell deutschlandweit gegen Schwarzarbeit vor - und das ist dringend notwendig: Deutschen Unternehmen gehen jährlich 300...

DWN
Politik
Politik Deutsche Investitionen bedroht: Würth äußert sich besorgt über AfD-Erfolg
15.06.2024

Der Unternehmer Reinhold Würth äußerte Enttäuschung über das Abschneiden der AfD bei der Europawahl, insbesondere in Künzelsau, wo...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zahl der Unternehmensinsolvenzen steigt weiter - Hoffnung auf Trendwende schwindet
15.06.2024

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland steigt weiter an, ohne Anzeichen einer baldigen Trendwende. Experten prognostizieren...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Hauptquartier: Amerikaner übergeben Nato-Mission ausgerechnet Deutschland
14.06.2024

Die Nato plant, die internationalen Waffenlieferungen und Ausbildung der ukrainischen Streitkräfte zu koordinieren. Deutschland fällt...