Chaos an den Börsen: Bloomberg-Terminals stürzen weltweit ab

 

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17.04.2015 12:12
An den Börsen ist am Freitag Hektik ausgebrochen: Sämtliche Bloomberg Terminals waren weltweit abgestürzt. Das Unternehmen konnte keine Erklärung liefern. Deals wurden verschoben, Geschäfte abgesagt. Händler sehen „massive Auswirkungen auf den Primär- und Sekundärmarkt“. Man habe einen derart massiven Ausfall noch nicht erlebt. Bloomberg untersucht nun, wie es zu dem Totalausfall kommen konnte.
Chaos an den Börsen: Bloomberg-Terminals stürzen weltweit ab

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Am Freitag ist es an den Börsen weltweit zu einem veritablen technischen Chaos gekommen: Der Börsendienst Bloomberg, dessen Terminals von den meisten Tradern als wichtiges Instrument des Handels verwendet werden, stürzte in Asien und Europa komplett ab. Der beispiellose Crash führte zu erheblicher Verwirrung bei den Händlern, einige Deals mussten auf nach dem Wochenende verschoben werden, meldet das Wall Street Journal. Die Terminals liefern den Händlern sowohl Realtime-Daten als auch die Basis für ihre Kommunikation untereinander. Bloomberg hat 315,000  Abonnenten weltweit und eine marktbeherrschende Stellung. Der Bloomberg-Ausfall begann um 9:20 Uhr MEZ. Faktisch alle wichtigen Investoren, Banken und Händler verwenden Bloomberg. Nach dem Absturz war es daher für die meisten Marktteilnehmer nicht möglich am Handel teilzunehmen. Später erholte sich der Dienst wieder, doch von überall aus Europa kamen Klagen, dass es weitere Systemabstürze gebe. Auch MarketWatch meldet, dass es immer noch Probleme gebe.

Das Wall Street Journal meldet, dass auch die Begebung einer britischen Staatsanleihe Montag verschoben werden musste. Wie die britische Schuldenbehörde mitteilte, sei dies „aufgrund von technischen Schwierigkeiten mit einer Plattform eines Drittanbieters“ nötig. Die FT zitiert einen anonymen Bloomberg-Mitarbeiter, der sagte, man sei bei Bloomberg in eine Panik verfallen, als man sah, dass die Bildschirme leer blieben. Die Journalisten von Bloomberg wurden angewiesen, mit niemandem über den Vorfall zu sprechen, berichtet die FT.

Auch City AM berichtet von chaotischen Zuständen. Die Website gibt an, dass Bloomberg anfangs keine vernünftigen Auskünfte über die Ursache des Crashs geben konnte. Bloomberg sagte auf Anfrage der Trader, dass es sich um unüblich hohe Handelsvolumina handle. Doch später bestätigte eine Sprecherin, dass das Unternehmen „mit ganzer Kraft daran arbeitet, die Probleme so schnell als möglich zu beheben“.

Bloomberg-Sprecherin Natalie Harland sagte den Deutschen Wirtschafts Nachrichten um 17.50 Uhr: „Der Kundendienst von Bloomberg wurde mittlerweile wieder vollständig hergestellt. Wir hatten eine Kombination aus Hardware- und Softwarefehlern im System erlebt. Dies verursachte eine übermäßigen Datenverkehr im Netz, was zum Absturz der Kundedienste führte, weil die Maschinen überlastet waren. Die Ursache wurde schnell entdeckt, die fehlerhafte Hardware entfernt und die Software neu gestartet. Wir überprüfen derzeit unser mehrfach redundantes System, welches nicht im Stande gewesen ist, die Störung zu verhindern“.

Der Business Insider - immer für Überraschungen gut - berichtet, dass ein Mitarbeiter von Bloomberg versehentlich eine Coca Cola-Flasche über den Server ausgeschüttet haben soll und dies den Crash des Systems ausgelöst habe. Die Zeitung beruft sich dabei auf Informationen eines Börsen-Insiders.

Die Deutsche Börse als Handelsbetreiber war nicht direkt vom Absturz betroffen: „Auf die Deutsche Börse als Betreiber der Handelsplätze hatte der Absturz der Bloomberg-Terminals keinen Einfluss“, so ein Sprecher der Deutschen Börsen AG.

Allerdings dienen die Bloomberg-Terminals zahlreichen Händlern als Informations-Plattform. Ein Händler des Wertpapierspezialisten Walter Ludwig sagte den Deutschen Wirtschafts Nachrichten: „Vom Ausfall des Bloomberg-Systems waren die Handelsteilnehmer weltweit betroffen und der Handel kam über dieses System für etwa 2 Stunden praktisch zum Erliegen“.

Ein Händler der Bankhaus Scheich Wertpapierspezialist GmbH sagte den Deutschen Wirtschafts Nachrichten: „Aufgrund des Bloomberg-Ausfalls war der OTC- sowie auch der elektronische Handel im Anleihe-Bereich lahmgelegt, da die meisten Händler mit diesem System arbeiten. Ich habe einen derart langen Ausfall in meiner Karriere noch nicht erlebt. Im Verlauf des Ausfalls sahen wir keine Geschäftaktivitäten in diesem Bereich. Freitags nimmt die Liquidität gewohnheitsgemäß gegen nachmittags eher ab, dies wurde durch den Bloomberg-Ausfall und natürlich die Dax-Bewegungen aufgrund der Griechenland-Krise verstärkt. Somit ergaben sich massive Auswirkungen auf den Primär- und Sekundärmarkt“.

Verwirrung herrschte bei den Händlern unter anderem, weil auch der Nachrichtendienst Reuters laut City AM an einigen Handelsplätzen zeitweise ausgefallen war.

Bloomberg musste sich von den Händlern einigen Spott gefallen lassen. Ausgerechnet zum Zeitpunkt des spektakulären Absturzes teilte das Unternehmen mit, dass es eine Partnerschaft mit Microsoft geschlossen habe.

Auf Twitter stellen zahlreiche Händler die Frage, ob es denn nicht ein Problem sei, dass der Markt im Prinzip von einem Anbieter völlig abhängig und diesem damit völlig ausgeliefert ist. Es hätte keines Crashs bedurft, um diese Frage vernünftig zu beantworten.

Unklar ist, ob ein Cyber-Angriff auf Bloomberg der Auslöser des Crashs gewesen ist. Ein Sprecher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sagte, dass der Vorfall nicht im Zuständigkeitsbereich der Aufsicht liege. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat sich nach eigenen Angaben noch nicht mit dem Vorfall beschäftigt. Das Ministerium für Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten (Department of Homeland Security) will zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Einschätzung abgeben, wie ein Sprecher den DWN sagte.

Ob Hacker hinter dem Ausfall stecken, ist noch nicht bekannt. Das US-Außenministerium hat sich bisher nicht geäußert, weshalb auch noch keine Mutmaßungen aufgekommen sind, ob Wladimir Putin und die Russen hinter einem Angriff stecken könnten. Solche Spekulationen können allerdings erst effizient verbreitet werden, wenn wieder alle Bloomberg-Terminals hochgefahren sind.



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