Atomwaffen-Gegner Corbyn überzeugt bei erstem Auftritt als Labour-Chef

Der neue Labour-Chef Jeremy Corbyn hat sich bei seiner ersten großen Rede als Kriegsgegner profiliert - und scheute auch nicht vor unmissverständlicher Kritik am Nato-Verbündeten Saudi-Arabien zurück.

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Der britische Oppositionsführer Jeremy Corbyn hat in seiner ersten Rede als Labour-Chef eine „kluge, geduldige“ Diplomatie in der Syrien-Krise gefordert. Die Luftangriffe auf die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) seien erfolglos, weil eine diplomatische Strategie fehle, sagte Corbyn am Dienstag auf dem ersten Parteitag der britischen Sozialdemokraten nach ihrer Wahlniederlage im Mai.

Corbyn legte eine vitale und unbefangene Rede vor. Er verzichtete auf die üblichen politischen Floskeln und zeigte sich als überzeugter Kriegsgegner. Er hatte auch den Mut, den Nato-Verbündeten Saudi-Arabien zu kritisieren – und zwar nicht verklausuliert, sondern unmissverständlich (Siehe Video am Anfang des Artikels).

Die deutsche Bundesregierung hat dagegen, unter Mitwirkung des Koalitionspartners SPD, im Juni den Export von 15 deutschen Patrouillenbooten nach Saudi-Arabien genehmigt. Saudi Arabien führt im Windschatten des Syrien-Krieges einen völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Jemen.

Corbyn, der unter anderem Verstaatlichungen und die Abschaffung der britischen Atomwaffen fordert, hatte zunächst als völlig chancenlos gegolten, um Labour zu führen. Vor allem die Medien hatten sich über ihn lustig gemacht, weil er keinem der etablierten Netzwerke angehört und sich nicht darum schert, was über ihn geschrieben wird. Im Laufe des Wahlkampfes hatte er aber vor allem junge Labour-Mitglieder und -unterstützer begeistert. Erstmals konnten sich auch Wähler registrieren lassen, die weder Partei- noch Gewerkschaftsmitglied waren.

Die konservative britische Regierung will die Luftangriffe gegen den IS vom Irak auf Syrien ausdehnen, eine Abstimmung im Unterhaus wird noch in diesem Jahr erwartet. Am Mittwoch werden die Delegierten der Labourpartei das Thema beraten.

Corbyn sparte bei seiner Rede auch nicht mit Kritik an den Medien – und schlug die für ihren Spott bekannten britischen Boulevard-Medien mit ihren eigenen Waffen, nämlich mit beißendem Spott. Er hat, wie der Guardian etwas angesäuert kommentiert, schließlich nichts zu verlieren.

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