Russland verbietet US-Forschern Zutritt zu Atomanlagen

Russland hat ein Forschungsabkommen mit den USA ausgesetzt. US-Forschern wird der Besuch von russischen Atomanlagen aus Sicherheitsgründen verboten. Russland beklagt außerdem massive Anwerbeversuche von russischen Diplomaten durch US-Geheimdienste.

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Angesichts der wachsenden Spannungen im Verhältnis zu Washington hat Russland ein Abkommen mit den USA zur gemeinsamen Forschung im Bereich der Atomenergie ausgesetzt. Die Regierung veröffentlichte am Mittwoch ein von Ministerpräsident Dmitri Medwedew unterzeichnetes Dekret, wonach das 2013 geschlossene Abkommen zur Kooperation in den Bereichen Forschung und Entwicklung zur Atomenergie gestoppt werden soll. Es handele sich um eine Antwort auf US-Sanktionen im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt.

In der aktuellen Situation sei es nicht ratsam, US-Bürger in russische Atomanlagen hineinzulassen oder eine direkte Zusammenarbeit zwischen russischen und US-Forschungseinrichtungen zu erlauben, hieß es weiter. Von der Entscheidung sei auch eine Vereinbarung zwischen der russischen Atomenergiebehörde Rosatom und dem US-Energieministerium betroffen, in der die Umwandlung russischer Forschungsreaktoren zur Verwendung von schwach angereichertem Uran untersucht werden sollte, erklärte Moskau.

Das russische Außenministerium teilte mit, die USA hätten die Zusammenarbeit schon zuvor „praktisch eingefroren“. Dass die russische Seite das Abkommen nun aussetze, sei eine „Antwort auf unfreundliche Akte der USA“. Ein Sprecher von Rosatom sagte der Nachrichtenagentur Tass, die Zusammenarbeit habe bereits seit zwei Jahren geruht. Neue Verträge seien nicht geplant gewesen.

Am Montag hatte Russland bereits ein Abkommen mit den USA zur Entsorgung von waffenfähigem Plutonium ausgesetzt. Der Kreml begründete den Schritt mit einem „drastischen Wandel der Lage, dem Auftauchen einer Bedrohung der strategischen Stabilität“ infolge „unfreundlicher Handlungen der Vereinigten Staaten gegenüber Russland“.

Nach Angaben des russischen Außenministeriums sind die Familienangehörigen von russischen Diplomaten in den USA massiven Drohungen ausgesetzt. Die Situation werde „immer schlimmer“, so der Vize-Außenminister Sergej Riabkow.

Russland hat sich über steigenden Druck auf seine Diplomaten in den USA beschwert. Die Situation für russische Diplomaten in den USA werde „immer schlimmer“, erklärte Vize-Außenminister Sergej Riabkow am Dienstag. Vor allem die „Anwerbeversuche“ durch den US-Geheimdienst hätten in den vergangenen zweieinhalb Jahren stark zugenommen.
Der US-Geheimdienst schrecke nicht einmal vor den „erbärmlichsten Druckmitteln“ zurück, erklärte Riabkow, der als Beispiel Drohungen gegen die Familienangehörigen von Diplomaten nannte. Wegen „künstlicher Probleme“ und „erfundener Auflagen“ könnten die russischen Diplomaten zudem ihre Aufgaben nicht in vollem Umfang wahrnehmen.

Riabkow warf der US-Regierung außerdem vor, in Russland unter diplomatischem Deckmantel „intensive Spionageaktivitäten“ zu betreiben. Der US-Militärattaché in Moskau sei mehrfach in der Nähe strategisch wichtiger Militäranlagen gesehen worden.

Die USA haben zu den Vorwürfen bisher nicht Stellung bezogen.

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