Großbritannien mobilisiert tausende Soldaten für innere Sicherheit

Großbritannien schickt Soldaten zum Schutz der Bevölkerung auf die Straßen. Die Regierung geht von einem Terror-Netzwerk aus.

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Nach der Ausrufung der höchsten Terrorwarnstufe für Großbritannien erhält die Polizei nun Hilfe vom Militär. Laut Regierung werden derzeit knapp 1.000 militärische Kräfte zur Unterstützung der Polizei eingesetzt. Die Financial Times berichtet, dass insgesamt knapp 4.000 Soldaten in ganz Großbritannien mobilisiert wurden, um die Sicherheit im Land zu gewährleisten. Der weltberühmte Wachwechsel vor dem Buckingham-Palast wurde für Mittwoch abgesagt, um Personal für anderen Aufgaben freizustellen. Der FC Chelsea sagte seine geplante Siegesparade zum Gewinn der englischen Fußballmeisterschaft ab.

Nach dem Anschlag von Manchester hat die Polizei laut AFP einen siebten Verdächtigen festgenommen. Nach einer Durchsuchung in Nuneaton in der zentralenglischen Region Warwickshire sei ein Mann festgenommen worden, erklärte die Polizei von Manchester. Es war die erste Festnahme seit dem Selbstmordanschlag auf ein Pop-Konzert mit 22 Toten außerhalb des Großraums Manchester. Die Polizei bestätigte, dass die Festnahme in Verbindung mit dem Anschlag stehe. Insgesamt seien damit sechs Männer und eine Frau in Gewahrsam und würden befragt.

Die Stadt Nuneaton liegt nicht weit von Birmingham entfernt. Die zweitgrößte britische Stadt wurde schon häufiger im Zusammenhang mit islamistischen Extremisten genannt.

Hinter dem blutigen Anschlag von Manchester mit 22 Todesopfern steckt offensichtlich ein ganzes Terrornetzwerk. Die britischen Ermittler gehen inzwischen eindeutig von einer Gruppe rund um den Attentäter Salman Abedi aus. «Ich glaube, es ist ganz klar, dass es sich um ein Netzwerk handelt, dem wir nachgehen», sagte der Polizeichef von Manchester, Ian Hopkins, am Mittwoch. Auch ein in Libyen festgenommener Bruder Abedis räumt ein, der 22-Jährige sei Mitglied der Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) gewesen.

Zuvor hatten bereits die britische Premierministerin Theresa May und Innenministerin Amber Rudd angedeutet, eine größere Gruppe von Personen könne hinter der Tat in Manchester stehen. Rudd sagte, es sei «wahrscheinlich», dass der Attentäter nicht allein gehandelt habe.

Großbritannien rief erstmals seit 2007 die höchste Terrorwarnstufe aus. Der IS hatte nach dem Anschlag behauptet, der Täter sei ein «Soldat» gewesen. Auch Abedis Bruder sagte nach einer Erklärung der libyschen Spezialkräfte aus, der Attentäter sei IS-Mitglied gewesen. Er selbst sei zudem mit den Einzelheiten des Anschlags vertraut gewesen. Der Mann war am Dienstag in Libyen festgenommen worden, wie die Spezialkräfte am Mittwochabend auf ihrer Facebook-Seite weiter mitteilten. Auch Abedis Vater wurde in Libyen festgenommen, bestätigten örtliche Sicherheitskräfte. Sprecher Ahmed Salem wollte zunächst keine weiteren Auskünfte geben, bevor die Ermittlungen nicht abgeschlossen seien.

Die britischen Ermittler machen den 22 Jahre alten Salman Abedi für den Anschlag auf das Popkonzert der US-Sängerin Ariana Grande verantwortlich. Abedi war bei der Attacke ums Leben gekommen und hatte 22 Menschen in den Tod gerissen. Seitdem sind in Verbindung mit dem Attentat in Großbritannien sieben Männer und eine Frau festgenommen worden. Einer der der Männer soll der zweite Bruder des Attentäters sein.

Abedi, Brite libyscher Herkunft, habe sich «nach einer Reise nach Libyen und dann wahrscheinlich nach Syrien radikalisiert», sagte Frankreichs Innenminister Gérard Collomb dem Sender BFMTV. Verbindungen zum IS seien «erwiesen». Der 22-Jährige war dem britischen Geheimdienst bekannt, wie Innenministerin Rudd sagte. Medienberichten zufolge ist Abedi 1994 in Manchester geboren worden und hat in der nordenglischen Stadt studiert. Seine Familie soll sehr religiös gewesen sein und sich in einer Moschee der Stadt engagiert haben. Einige Familienmitglieder sollen kürzlich nach Libyen zurückgekehrt sein.

Abedi hatte am Montagabend einen selbstgebauten Sprengsatz gezündet. Dutzende wurden verletzt, unter den Toten sind viele Kinder und Jugendliche. Das bisher jüngste bekannte Todesopfer ist ein achtjähriges Mädchen. Deutsche sind nach Erkenntnissen der Bundesregierung nicht unter den Opfern.

Am zweiten Tag nach dem Anschlag waren nach Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörden noch 20 Menschen in kritischem Zustand. Einem deutschen Arzt zufolge, der in Manchester arbeitet, enthielt die Bombe Nägel. Etliche Opfer hätten auch Schädel-Hirn-Verletzungen, sagte der Neurologe Stefan Schumacher dem Südwestrundfunk (SWR).

Der Anschlag vom Montag war der schwerste in Großbritannien seit 2005, als Attentäter in der Londoner U-Bahn und in einem Bus insgesamt 56 Menschen getötet und mehr als 700 verletzt hatten.

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