MSCI-Index nimmt erstmals Aktien aus China auf

Erstmals werden Aktien aus China in den bekannten MSCI-Index aufgenommen. Der Entscheid ist ein weiterer Schritt für die Entwicklung des Yuan hin zu einer globalen Handelswährung.

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China hat an den internationalen Finanzmärkten einen wichtigen Prestigeerfolg errungen, der zusätzliche Investitionen in Milliardenhöhe ins Land locken dürfte. Die Wirtschaftsmacht schaffte im vierten Versuch die Aufnahme in den vielbeachteten MSCI-Aktienindex für Schwellenländer. Der Indexbetreiber bezieht ab August 222 ausgewählte sogenannte A-Aktien aus China in die Berechnung des 1,5 Billionen Dollar schweren Index mit ein, wie MSCI am Dienstag mitteilte.

Investoren führten dies darauf zurück, dass die Regierung in Peking in den vergangenen Jahren ihre Märkte für Kapital aus dem Ausland geöffnet habe. „Wenn man sich die Größe und Bedeutung Chinas als wirtschaftliche Supermacht ansieht, denke ich, dass es ein historischer Moment ist“ zitiert Reuters einen Analysten des US-amerikanischen Anlageberaters State Street Global Advisors. Die zuständige chinesische Behörde begrüßte den Schritt. Dieser spiegle das Vertrauen der internationalen Investoren in die Stabilität des heimischen Finanzmarktes wider.

In den vergangenen drei Jahren war die Volksrepublik mit dem Antrag abgeblitzt, weil MSCI den eingeschränkten Zugang von Investoren zum chinesischen Kapitalmarkt sowie die häufigen Unterbrechungen beim Aktienhandel kritisch bewertete. Doch der Indexbetreiber ermöglichte den Schritt im März durch eine Neuerung: Er ließ lediglich die Aktien zu, welche die erforderlichen Bedingungen erfüllten, die anderen blieben zunächst außen vor. Bei den nun aufgenommenen Werten handelt es sich um große Finanz- und Industriefirmen, viele von ihnen im Besitz des chinesischen Staates.

Bloomberg bezeichnet die Aufnahme einiger Aktien deswegen als gelungenen Kompromiss zwischen einer vollständigen Öffnung der Märkte einerseits und einer Beibehaltung der Kontrolle durch die chinesische Regierung andererseits. „Die Entscheidung von MSCI symbolisiert eine außergewöhnliche Periode, in der China dem Mainstream der internationalen Finanzmärkte beitreten und gleichzeitig ein ausreichendes Maß an Kontrolle über seine Märkte behalten will. Seitdem MSCI zum ersten Mal im Jahr 2014 über eine Aufnahme nachdachte, kam es am chinesischen Aktienmarkt zu starken Schwankungen und zahlreichen Interventionen der Regierung sowie vielen Initiativen, um die Märkte mit der restlichen Welt zu verbinden.“

Durch den Entscheid dürften nach MSCI-Berechnungen zunächst etwa 17 bis 18 Milliarden Dollar an Kapital in chinesische Aktien fließen. Langfristig, wenn der chinesische Markt vollständig aufgenommen ist, könnten es mehr als 340 Milliarden Dollar sein. Wann dies der Fall sein wird, hänge davon ab, wie schnell die Regierung in Peking ihre Reformen vorantreibe, sagte der zuständige MSCI-Manager Sebastien Lieblich.

A-Aktien sind Wertpapiere von Unternehmen, die in der chinesischen Währung Renminbi gehandelt werden. Ursprünglich konnten die Titel nur von Bürgern aus China gehandelt werden. Mittlerweile ist eine Auswahl auch für Investoren aus dem Ausland offen. An den Börsen in Schanghai und Shenzhen gibt es auch B-Aktien, die in ausländischen Währungen gehandelt werden. Die Aufnahme der A-Aktien in den MSCI-Index dürfte daher auch den Bestrebungen der Regierung in Peking, den Renminbi (Yuan) zu einer weltweit akzeptierten Handelswährung zu machen, einen Schub verleihen.

Experten bewerteten die Aufnahme chinesischer Papiere in den Index positiv. „Chinas Markt für A-Aktien ist der zweitgrößte Aktienmarkt weltweit“, sagte Fondsmanagerin Jing Ning vom Vermögensverwalter Fidelity. Die unmittelbaren Auswirkungen seien jedoch begrenzt, sagten Händler. Der Schritt sei bereits weitgehend eingepreist. Der Index der Börse in Schanghai legte am Mittwoch 0,5 Prozent zu. Das Barometer für die 300 wichtigsten Aktien schloss 1,2 Prozent fester und erreichte den höchsten Stand seit anderthalb Jahren. Die nun in den Index MSCI Emerging Markets aufgenommenen Papiere haben dort einen Anteil von 0,73 Prozent. MSCI bezieht in seine Schwellenländer-Berechnungen bereits länger chinesische Aktien ein, die an den Börsen in Hongkong und den USA gehandelt werden.

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