USA wollen Weltmarkt für Flüssig-Gas dominieren

Die USA expandieren auf dem globalen Markt für Erdgas. Europa spielt bei dieser Strategie eine entscheidende Rolle.

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Eine durch Erdgas betriebene Kochstelle. (Foto: dpa)

Eine durch Erdgas betriebene Kochstelle. (Foto: dpa)

Bis zum Jahr 2035 könnten die USA noch vor Katar und Australien zum weltweit größten Lieferanten von verflüssigtem Erdgas (LNG-Gas) aufsteigen. Das sagen zumindest die Chefs des kanadischen Energie-Riesen Enbridge und des kanadischen LNG-Lieferers Tellurian, berichtet Bloomberg. Die USA produzieren bereits jährlich 70 Millionen Tonnen an LNG. Australien produziert 87 Millionen Tonnen pro Jahr und Katar 82 Millionen Tonnen pro Jahr. Der weltweite Bedarf an LNG wird in den kommenden fünf Jahren wahrscheinlich um etwa 20 Millionen Tonnen steigen. Tellurian-Chefin Meg Gentle ist der Ansicht, dass die USA künftig das günstigste LNG-Gas bereitstellen werden.

Dadurch werden die USA die Möglichkeit haben, einen Großteil des weltweiten LNG-Markts für sich zu verbuchen, meint Gentle. Vor einem Jahrzehnt war die Gasproduktion in den USA noch rückläufig. Doch im vergangenen Jahr hat der US-Schiefergasproduzent Chenerie Energy erstmals damit begonnen, Gas nach Übersee zu versenden. Seither wurden mehrere Staaten von Mexiko über China bis zur Türkei mit US-Gas beliefert. „Der Energievorteil von Nordamerika reicht von einer einzigartigen Kombination aus Ressourcen, den modernsten Technologien, die bei der Förderung eingesetzt werden, und verfügbarem Kapital. Bis 2035 werden wir sehen, dass die USA den größten Teil des LNG-Markts ausmachen werden“, so der Enbridge-Chef Albert Monaco.

Nach Angaben der US-Energy Information Administration (EIA) ging der größte Anteil der US-amerikanischen LNG-Lieferungen nach Chile. Das Land hatte einen Anteil von 16 Prozent an den gesamten LNG-Exporten der USA. Der zweitwichtigste Exportmarkt war Mexiko mit 15 Prozent und Indien, Argentinien und China mit jeweils rund neun Prozent. Die USA exportierten insgesamt 187 Milliarden Kubikfuß (Bcf) in 18 Länder. Der Großteil des Exports erfolgte mit LNG-Schiffen. Nur eine geringe Menge wurde mit Lkw nach Mexiko und Kanada geliefert.

Aus einer aktuellen Aufstellung der EIA geht hervor, dass die USA im April 2017 Argentinien, Chile, Japan, Kuwait, Mexiko, Südkorea und die Vereinigten Arabischen Emirate mit LNG beliefert hatten. Auffällig ist, dass die LNG-Lieferungen nach China konstant verliefen, aber im März und April 2017 nichts mehr geliefert wurde.

Eine weitere Auffälligkeit besteht in der Preisgestaltung. Dort sind große Schwankungen zu beobachten. Die Preise ändern ich von Lieferung zu Lieferung. So musste Barbados von Januar bis April 2017 einen LNG-Preis von 10,40 Dollar pro Tausend Kubikfuß bezahlen. Die VAE mussten hingegen für ihren einzigen LNG-Import aus den USA im April 2017 nur 3,80 Dollar pro Tausend Kubikfuß zahlen. China zahlte im Januar 2017 4,70 Dollar und im Februar 2017 4,92 Dollar pro Tausend Kubikfuß. Kuwait zahlte im Februar 2017 5,50 Dollar, im März 2017 3,14 Dollar und im April 2017 4,19 Dollar pro Tausend Kubikfuß

Im Jahr 2016 war Katar mit einem LNG-Exportvolumen von 104,4 Millionen Kubikmeter der weltweit größte LNG-Exporteur. An zweiter Stelle stand Australien mit 56,8 Millionen Kubikmeter. Darauf folgten Malaysia mit 32,1 Millionen Kubikmeter, Nigeria mit 23,7 Millionen Kubikmeter, Indonesien mit 21,2 Millionen Kubikmeter, Algerien mit 15,9 Millionen Kubikmeter, Trinidad & Tobago mit 14,3 Millionen Kubikmeter und Russland mit 14 Millionen Kubikmeter, berichtet Statista.com.

Die größten LNG-Lieferanten sind nach Angaben von Prnewswire.com Anadarko, Chevron, Cheniere, Dominion Energy, Freeport Liquefaction LLC, NextDecade, Sempra Energy, Steward Energy, ExxonMobil (USA), BG Group (Großbritannien), Kitsault Energy, Steelhead Energy, Veresen, Woodfibre LNG (Kanada), Novatek, Gazprom, Rosneft (Russland), Petronas (Malaysia), NIOC (Iran), Woodseide Petroleum (Australien).

Offenbar ist es ein vorrangiges Ziel der US-amerikanischen LNG-Industrie, nach Europa zu exportieren, um den dort dominierenden russischen Anbietern wie Gazprom Marktanteile abzuringen. Der amerikanische Vorstoß im Energiesektor stößt insbesondere in Osteuropa auf Wohlwollen, welches seine Abhängigkeit von Russland verringern möchte.

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