Fed-Vize Stanley Fischer tritt überraschend zurück

Der Vize-Chef der US-Notenbank Fed, Stanley Fischer, tritt überraschend zurück.

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Der Vizepräsident der US-Notenbank Federal Reserve, Stanley Fischer. (Foto: dpa)

Der Vizepräsident der US-Notenbank Federal Reserve, Stanley Fischer. (Foto: dpa)

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Der Vize-Chef der US-Notenbank Fed, Stanley Fischer, tritt überraschend zurück. Er scheide aus persönlichen Gründen per Mitte Oktober aus, schrieb der 73-jährige in einem Brief an US-Präsident Donald Trump, ohne das näher zu erläutern. Fischers Amtszeit wäre eigentlich erst 2018 ausgelaufen. Jüngst hatte er für Aufsehen gesorgt, als er die US-Regierung eindringlich vor einer Rücknahme der Bankenregulierung warnte. Trump kann die Notenbank nun früher nach seinen Vorstellungen umbauen. Ob er den Vertrag der mächtigen Fed-Chefin Janet Yellen verlängern wird, ist offen. Trump hatte sie im Wahlkampf heftig kritisiert. Ihre Amtszeit endet im Februar 2018.

Am Devisenmarkt sorgte Fischers Ankündigung für Verunsicherung. Der Dollar-Index bröckelte ab, der Euro verteuerte sich leicht auf 1,1940 Dollar. „Das bedeutet eine grundlegende Veränderung in der Zusammensetzung der Fed, vor allem, da nicht klar ist, ob Fed-Chefin Janet Yellen wieder nominiert wird“, kommentierte Zinsstratege Subadra Rajappa vom Bankhaus Societe Generale in New York die Nachricht.

Trump hatte Yellen im Wahlkampf vorgeworfen, auf Anweisung seines Vorgängers Barack Obama den Leitzins künstlich niedrig zu halten. Von seiner harten Kritik war er zuletzt aber abgerückt und schloss sogar eine erneute Amtsperiode Yellens nicht mehr aus.

Fischer war 2014 von Obama in das Führungsgremium der Fed berufen worden. Davor war er von 2005 bis 2013 Gouverneur der israelischen Notenbank. Einen Großteil seiner Karriere verbrachte Fischer in der akademischen Welt, wo er viele Jahre als Professor für Ökonomie am einflussreichen Massachusetts Institute of Technology (MIT) lehrte. Von 1988 bis 1990 war Fischer Chefvolkswirt der Weltbank.

Mit Blick auf eine mögliche Rücknahme der Bankenregulierung hatte der Ökonom gesagt, dies wäre „gefährlich und extrem kurzsichtig“. Es gebe beunruhigende Anzeichen für eine Rückkehr zu einem Zustand von vor der Finanzkrise. Trump will Forderungen aus der heimischen Bankenbranche nach weniger Vorschriften weit entgegenkommen. So hatte das Finanzministerium im Juni Pläne für mehr als 100 Änderungen an geltenden Bankenregeln vorgestellt, die in den USA als Reaktion auf die Finanzkrise eingeführt wurden.

In seinem knapp formulierten Abschiedsbrief weist Fischer darauf hin, dass die Regulierungen nach der Finanzkrise das Finanzsystem stabiler gemacht hätten.

Fischers Amtszeit wäre eigentlich nächstes Jahr ausgelaufen. Trump kann damit die Notenbank früher nach seinen Vorstellungen umbauen. In Washington gilt der frühere Goldman-Banker und jetzige Wirtschaftsberater Gary Cohn als Favorit auf einen Posten in der Fed. Er hat auch gute Chancen, Janet Yellen nachzufolgen.

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