Berichte über Folterung verhafteter Prinzen in Saudi-Arabien

Anonymen Quellen zufolge sollen viele der in Saudi-Arabien Festgenommenen gefoltert werden.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic
Der de facto-Herrscher Saudi-Arabiens, Kronprinz Mohammed bin Salman, soll die Folterung befürworten. (Foto: dpa)

Der de facto-Herrscher Saudi-Arabiens, Kronprinz Mohammed bin Salman. (Foto: dpa)

Nach Angaben des Generalstaatsanwalts des Königreichs Saudi-Arabien wurden im Verlauf der Korruptionsermittlungen gegen zahlreiche Prinzen und Staatsbedienstete 201 Personen festgenommen. „Bisher wurden insgesamt 208 Personen verhört. Von diesen 208 Personen wurden sieben ohne Anklageerhebung freigelassen (…). Das potenzielle Ausmaß korrupter Praktiken, die aufgedeckt wurden, ist sehr groß”, zitiert die Saudi Gazette den Generalstaatsanwalt Sheikh Saud Al-Muajab aus einer Mitteilung.

Den Angeklagten wird vorgeworfen, über Jahre hinweg mindestens 100 Milliarden Dollar unterschlagen zu haben. „Basierend auf unseren Untersuchungen in den vergangenen drei Jahren schätzen wir, dass mindestens 100 Milliarden Dollar durch systematische Korruption und Unterschlagung über eine Zeitspanne von mehreren Jahrzehnten widerrechtlich angeeignet wurde”, so der Generalstaatsanwalt.

Doch das Middle East Eye berichtet, dass die Angaben des saudischen Generalstaatsanwalts zur Anzahl der Festgenommenen nicht korrekt seien. Dem Blatt zufolge sollen über 500 Personen festgenommen worden sein und doppelt so viel verhört worden sein. „Einige hochrangige Personen, die am Samstag in Saudi-Arabien inhaftiert wurden, wurden während ihrer Verhaftung oder während der Verhöre so schlimm geschlagen und gefoltert, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten (…). Einige Gefangene wurden gefoltert, damit sie Details ihrer Bankkonten preisgeben”, so das Middle East Eye. Bei dieser Behauptung stützt sich das Blatt auf Aussagen anonymer Mitglieder des Königlichen Gerichts.

Einer der prominentesten Inhaftierten soll Prinz Bandar bin Sultan sein. Er ist der ehemalige Geheimdienst-Chef Saudi-Arabiens. Nach einem Bericht der Haaretz aus dem Jahr 2012 spielte Prinz Bandar in einer Kollaboration mit der CIA die entscheidende Rolle bei der Bewaffnung und Finanzierung der Söldner in Syrien, die Assad stürzen sollten.

Die New York Times führt aus: „Die saudischen Bemühungen wurden von dem extravaganten Fürsten Bandar bin Sultan, dem damaligen Geheimdienstchef, angeführt. Er veranlasste saudische Spione dazu, für die syrischen Rebellen (ausländische und syrische Söldner, Anm. d. Red.) Tausende von AK-47 und Millionen Patronen Munitionen in Osteuropa zu kaufen. Die CIA half dabei, einige der Waffenkäufe für die Saudis zu arrangieren – einschließlich eines großen Deals in Kroatien im Jahr 2012.”

The Daily Mail berichtet, dass bei der Folterung der festgesetzten saudischen Prinzen US-amerikanische Söldner zum Einsatz kommen sollen. Die Söldner sollen unter anderem der Söldner-Firma Academi, ehemals Blackwater, angehören. Die Prinzen sollen massiven Erniedrigungen und körperlichen Misshandlungen ausgesetzt sein. Eine Quelle, die mit den Folterungen betraut ist, sagte dem britischen Blatt, dass alle Folterer privaten Sicherheitsfirmen angehören. Mohammed bin Salman wolle nicht, dass die Prinzen von saudischen Offizieren gefoltert werden, die ihr Leben lang Befehle der Prinzen ausgeführt haben. Einige der Verhöre führe Mohammed bin Salman selbst durch. Er stelle den Inhaftierten zunächst Fragen. Wenn er keine Antwort bekommt, verlässt er den Raum, damit die US-Söldner Hand an die Prinzen anlegen können.