Australien: Studenten mit Billig-Jobs im Arbeitsmarkt

Ein Großteil der in Australien arbeitenden Touristen bekommen weniger als den Mindestlohn.

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Besonders die Obst- und Gemüseernte durch niedrige Löhne gekennzeichnet. Mindestlohn ist hier ein Fremdwort. (Foto: dpa)

Besonders die Obst- und Gemüseernte durch niedrige Löhne gekennzeichnet. (Foto: dpa)

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Internationale Studenten und Rucksackreisende werden einer australischen Studie zufolge systematisch beim Stundenlohn für Aushilfsjobs ausgebeutet. Zwei Universitäten in Sydney veröffentlichten am Dienstag eine umfangreiche Umfrage unter mehr als 4.300 Zeitarbeitern aus über hundert Ländern. Demnach gaben 30 Prozent der Befragten an, dass sie rund die Hälfte des für Gelegenheitsarbeiter geltenden Stundenlohns bekommen. Dieser beträgt 22,13 australische Dollar (rund 14,30 Euro), berichtet AFP.

Gelegenheitsjobber, etwa Studenten auf einem Working-Holiday-Visum, machen elf Prozent des australischen Arbeitsmarkts aus. Für junge Menschen ist vor allem die Verbindung aus Arbeits- und Reisezeit attraktiv. Viele von ihnen verdienen sich auf Farmen oder im Gastronomiebereich Geld dazu, um dann längere Zeit durch das Land reisen zu können. Unter den Befragten waren 55 Prozent Studenten und 33 Prozent Rucksackreisende.

„Auffällig“ bei der Studie sei gewesen, dass 86 Prozent der Studenten und Rucksackreisenden davon ausgingen, dass alle, die auf ihrem Visum arbeiten, unterbezahlt würden, sagte Co-Autorin Bassina Farbenblum von der Universität von New South Wales der Nachrichtenagentur AFP. Dadurch würde niemand den Job wechseln, da er nicht auf Besserung hoffe. „Besonders schlimm“ ist die Lage der Studie zufolge bei der Obst- und Gemüseernte, auch in der Gastronomie werde systematisch zu wenig gezahlt.

Australiens Arbeitsministerin Michaelia Cash erklärte, junge Betroffene könnten sich an den Ombudsmann der Regierung für Arbeitsgerechtigkeit wenden. Seit der Erhebung der Umfrage Ende 2016 habe es eine Reihe von Reformen gegeben, so sei der Posten etwa mit mehr Geld ausgestattet worden, um Fällen von Ausbeutung nachzugehen.

„Ausbeutung“ nennt auch der 25-jährige Belgier Laurent Van Eesbeeck das, was er auf einigen australischen Farmen erlebt hat. Er war zuletzt mit einem Working-Holiday-Visum im Land und sagte der Mediengruppe Fairfax Media, er habe in diesem Jahr zum Beispiel für fünf Dollar die Stunde Tomaten in Queensland gepflückt.

Ein weiteres Ergebnis der Studie legt nahe, dass Arbeiter aus asiatischen Ländern noch stärker von der Ungleichbehandlung betroffen sind. Demnach gaben rund drei Viertel der Befragten aus China, Taiwan und Vietnam an, dass sie 17 Dollar Stundenlohn oder weniger bekämen – unter den Befragten aus den USA, Großbritannien und Irland waren es nur zwischen 35 und 41 Prozent.