Zoll: Größte Razzia gegen Schwarzarbeit in Nordrhein-Westfalen

Im Zuge einer umfangreichen Razzia ist dem Zoll ein Schlag gegen die organisierte Schwarzarbeit gelungen.

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Bei einer landesweiten Razzia mit über 1.120 Fahndern gingen die Zoll-Behörden in Nordrhein-Westfalen am Dienstag gegen ein angebliches Netzwerk vor, das laut Angaben der Behörden einen Steuer- und Sozialversicherungsschaden von 35 Millionen Euro angerichtet haben soll. Die acht mutmaßlichen Drahtzieher des Netzwerks wurden von Spezialeinsatzkräften festgenommen, wie die Ermittler in Krefeld weiter mitteilten. Worauf die Ermittler ihre Erkenntnis stützen wurde nicht bekanntgegeben.

Die Fahnder durchsuchten fast 140 Objekte in 31 nordrhein-westfälischen Städten. Bei den Festgenommen handelt es sich nach Angaben der Ermittler um sechs Männer und zwei Frauen im Alter zwischen 72 und 31 Jahren.

Die Ermittlungsbehörden sprachen von einem der schwerwiegendsten Fälle im Kampf gegen organisierte Schwarzarbeit bundesweit. Die Tätergruppe soll über ein von ihr betriebenes Scheinfirmengeflecht im Baugewerbe sogenannte Schein- und Abdeckrechnungen im Umfang von rund 48 Millionen Euro erstellt haben – für mehr als 450 in Nordrhein-Westfalen tätige Bauunternehmen, und zwar auf deren Anforderung hin.

Diesen Rechnungen lagen den Ermittlungen zufolge meist keine tatsächlich erbrachten Leistungen zugrunde. Die bezahlten Rechnungsbeträge sollen nach Abzug einer „Provision“ an die bestellenden Unternehmen zurückgeflossen sein. Diese sollen die Rechnungen dann widerrechtlich im Geschäftsbetrieb als Betriebsausgaben verbucht und somit Steuern und Sozialversicherungsabgaben hinterzogen haben.

Mit dem zurückgeflossenen Schwarzgeld sollen dann illegale Gewinne erzielt und eingesetzte Schwarzarbeiten „entlohnt“ worden sein, ohne die fälligen Abgaben abzuführen. Der Wuppertaler Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert sprach von „professionellen Tätern“, die ein „außerordentlich kompliziertes Firmengeflecht“ aufgebaut hätten. Den Hauptverdächtigen droht nach seinen Worten bei einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

Für die Razzia wurden nach Angaben der Ermittler Beamte aus 30 Hauptzollämtern bundesweit in Nordrhein-Westfalen zusammengezogen. Sie wurden unterstützt durch Einsatzkräfte der Steuerfahndung und Spezialeinsatzkräfte des Zollkriminalamts, der Zollfahndung und der Bundespolizei. Bei der Vollstreckung der Haftbefehle gegen die acht Hauptverdächtigen gab es den Ermittlern zufolge keine Zwischenfälle.