Saudi Aramco: Erste Investoren zweifeln an Börsengang

Der geplante Börsengang von Saudi Aramco gerät ins Stocken. Potentielle Investoren hinterfragen den von der saudischen Regierung kolportieren Unternehmenswert.

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Der Zeitplan für den geplanten Teilbörsengang der staatlichen saudischen Ölgesellschaft Saudi Aramco scheint erneut ins Stocken geraten zu sein. Wie die Financial Times berichtet, wird von Offiziellen aus Saudi-Arabien nun ein Termin frühestens im Jahr 2019 in Aussicht gestellt. Bislang erwarteten viele Beobachter, dass die Privatisierung Aramcos im Umfang von 5 Prozent Ende des laufenden Jahres stattfinden könnte.

Der Vorstandsvorsitzende von Aramco, Amin Nasser, soll vor britischen und saudischen Investoren am vergangenen Donnerstag gesagt haben, dass die administrativen Vorbereitungen bis Ende des Jahres abgeschlossen seien. Dies widerspricht den bislang vorherrschenden Kommentaren aus der saudischen Führen, denen zufolge alle Vorbereitungen bereits abgeschlossen waren und eine Entscheidung über den Börsengang nun der Regierung vorliege.

Ein wichtiger Grund für den Verzug könnte darin bestehen, dass potentielle Investoren die offizielle Bewertung Aramcos durch die saudische Regierung hinterfragen. Diese gibt an, dass das gesamte Unternehmen etwa 2 Billionen Dollar wert sei – ein äußerst hoher Wert, welcher bereits zu Diskussionen geführt hatte. Basierend auf einer Bewertung von 2 Billionen Dollar hätte der Teilbörsengang von 5 Prozent demnach einen Umfang von etwa 100 Milliarden Dollar.

Völlig unklar ist auch, an welcher Börse die Teilprivatisierung stattfinden soll. Der politisch dominante Kronprinz Mohammed bin Salman favorisiert offenbar ein Listing in New York, während der Energieminister des Landes, Khalid al-Falih, zur Vorsicht mahnt. „Ich würde sagen, dass juristische Prozesse und Verantwortlichkeiten große Bedenken hinsichtlich der USA darstellen. Saudi Aramco ist zu groß und zu wichtig, um von diesen Risiken betroffen zu werden“, sagte al-Falih kürzlich in einem Interview mit CNN.

Neben New York sollen auch noch London und Hongkong im Rennen sein. Die britische Premierministerin Theresa May hatte Saudi-Arabien vergangenes Jahr zusammen mit dem ehemaligen Leiter der London Stock Exchange, Xavier Rolet, besucht und die Regeln für Börsengänge ausländischer Unternehmen in London gelockert. Hongkong ist aus Sicht der Saudis offenbar interessant, weil es die Beteiligung chinesischer Investoren erleichtern könnte.