Pimco hält Kapitalverkehrskontrollen für die Türkei für möglich

 

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10.08.2018 00:42
Am Freitag will die türkische Regierung eine neue Wirtschaftspolitik präsentieren.
Pimco hält Kapitalverkehrskontrollen für die Türkei für möglich

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Yacov Arnopolin von Pimco sagte Bloomberg, dass die Einführung von Kapitalkontrollen in der Türkei weitaus wahrscheinlicher sei, als die Beantragung von IWF-Krediten. Arnopolin wörtlich: “Ich denke, es gibt zwei Lager: die Bullen sagen, dass sie (die Türken, Anm. d. Red.) zum IWF gehen werden, die Bären sagen, dass sie Kapitalkontrollen einführen werden. Ich denke, in naher Zukunft ist beides nicht wahrscheinlich (...) Aber, wenn sie mir eine Waffe an den Kopf halten, und mich zu einer Entscheidung zwingen würden, würde ich sagen, Kapitalkontrollen sind wahrscheinlicher als der IWF, weil Präsident [Recep Tayyip] Erdogan sehr resistent gegen Einsteiger von außerhalb ist.”

James Athey, leitender Investmentmanager bei Aberdeen Standard Investments, sagte Bloomberg, dass die türkische Notenbank sich “so verhalten, als ob sie immer noch unter dem Einfluss von Politikern” stehe. Dieses Verhalten sei ursächlich für das Misstrauen von Investoren. Dabei habe sie die Pflicht und die Möglichkeiten, einzugreifen. Timothy Ash, ein Stratege bei BlueBay Asset Management, meint: “Persönlich kann ich keine Kapitalkontrollen in der Türkei sehen, aber [die Pimco-Kommentare] zeigen nur, wie der Markt in Bezug auf die Risiken in der Türkei denkt. Warum keine Kapitalkontrollen? Weil Erdogan und seine Geschäftskreise von ganzem Herzen Händler und Geschäftsleute sind. Sie verstehen, was Kapitalkontrollen bedeuten. Sie wissen, dass es dann schwieriger wird, Geschäfte zu betreiben.”

Dem Wall Street Journal zufolge seien sich internationale Investoren sicher, dass die Türkei kein IWF-Bailout benötige.

Der türkische Ökonom Korkut Boratav sagte im Juli 2018 der Zeitung Cumhuriyet zufolge, dass die Türkei sich früher oder später an den IWF wenden müsse. Die derzeitigen Regeln auf dem globalen Kapitalmarkt würden eine unabhängige Notenbankpolitik, eine restriktive Geldpolitik und einem freien Devisenmarkt, ohne den Eingriff durch die Notenbank erfordern. Es sei möglich, hier entgegenzusteuern, indem Kapitalkontrollen eingeführt werden. Doch von dieser Methode habe sich die Türkei im Jahr 1989 verabschiedet. Es sei auch möglich die Devisenkurse zu kontrollieren, aber auch von dieser Methode habe sich die Türkei im Jahr 2001 unter dem damaligen Wirtschaftsminister Kemal Dervis verabschiedet. Die AKP habe sich bisher an jene Regeln des Kapitalmarkts gehalten. “Entweder man fügt sich diesen Regeln, oder aber man wird abgestraft”, so Boratav. Der Ökonom führt aus: “Nun, wie sieht diese Bestrafung aus? Der Kapitalzufluss wird gestoppt. Dies führt zu einer Verteuerung der Bankenkredite und zu einer Devisenkrise. Wenn man die Spielregeln akzeptiert, muss man am Ende an der Tür des IWF anklopfen. Genau an diesem Punkt befindet sich die Türkei.”

Boratav erwartet, dass die türkische Regierung die Inflation nicht unter Kontrolle bekommen wird. Am Ende des Jahres, aber eher im kommenden Jahr, werde es in der Türkei zu einer großen Krise kommen.

Das US-Magazin Forbes führt hingegen aus, dass die Türkei keine IWF-Kredite benötige. Forbes wörtlich: “Die Situation der Türkei unterscheidet sich erheblich von der Argentiniens. Das Land hält fast dreimal so viele Währungsreserven, während seine Inflationsrate und seine Zinssätze weit unter denen Argentiniens liegen. Dies bedeutet, dass die türkische Notenbank besser in der Lage ist, einen anhaltenden Spekulationsangriff auf die Türkische Lira abzuwehren.”

Die Türkei verfügt über 139,56 Milliarden US-Dollar an Devisenreserven, während dieser Anteil in Argentinien bei 50,77 Milliarden US-Dollar liegt. Die Inflationsrate in der Türkei liegt bei 10,85 Prozent, während sie in Argentinien bei 25,6 Prozent liegt. Der Leitzins liegt in der Türkei bei 17,75 Prozent, während dieser in Argentinien bei 40 Prozent liegt. Nach Angaben von Forbes wird sich die Türkei offenbar nicht um Kredite vom IWF bemühen, wie dies in Argentinien der Fall gewesen ist.


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