Dammbruch in Brasilien: Schwere Vorwürfe gegen TÜV Süd

Lesezeit: 1 min
20.07.2019 08:15
Angesichts des Dammbruchs im brasilianischen Brumadinho erheben brasilianische Ermittler und Politiker schwere Vorwürfe gegen TÜV Süd. Das deutsche Unternehmen hatte den Damm als sicher zertifiziert.
Dammbruch in Brasilien: Schwere Vorwürfe gegen TÜV Süd
Trägt Tüv Süd eine Mitschuld am Dammbruch von Brumadinho. (Foto: dpa)

Sechs Monate nach dem Dammbruch von Brumadinho in Brasilien, bei dem über 300 Menschen starben, sind neue Beweise bekannt geworden, die darauf hindeuten, dass die Katastrophe hätte verhindert werden können. Nach Angaben von Ermittlern liegen Beweise dafür vor, dass das deutsche Unternehmen TÜV Süd, welches die Struktur als sicher eingestuft hatte, wusste, dass diese anfällig für einen Zusammenbruch ist. 

Die brasilianische Staatsanwaltschaft gibt an, dass TÜV Süd in diesem Zusammenhang nicht mit der Justiz kooperieren möchte. Staatsanwalt William Garcia Pinto sagt, dass das Unternehmen zu dem Vorfall “schweigen” möchte. “Ich habe keinen Zweifel daran, dass ein kollaborativerer Ansatz neue Erkenntnisse in den Fall bringen und auch klären könnte, was hinter verschlossenen Türen passiert ist”, so Pinto. 

TÜV Süd hatte 2013 ein Ingenieurbüro mit Sitz in Sao Paulo mit dem Namen Bureau de Projetos erworben. Dies war die Chance, im lukrativen brasilianischen Bergbau Fuß zu fassen, und das Unternehmen konnte eine Reihe von Verträgen mit Vale, einem der weltweit größten Bergbauunternehmen, abschließen.

Die BBC berichtet: “Dokumente und interne E-Mails, die von Ermittlern beschlagnahmt wurden, zeigen, dass die Mitarbeiter von TÜV Süd rund ein Jahr lang wussten, dass es am Damm zu einer Verflüssigung kam.”

Das Unternehmen unterzeichnete mit Vale Verträge im Wert von vier Millionen Euro  - einschließlich eines Vertrags, der im Dezember 2017 unterzeichnet wurde, um Lösungen für die Verflüssigung am Staudamm zu bewerten und vorzuschlagen. Eine solche Lösung ist bekanntermaßen im Juni 2018 gescheitert. Aus E-Mails in den folgenden Monaten geht hervor, dass nach Analysen des TÜV Süd eine Zertifizierung des Staudamms nicht möglich war, da die offiziellen Sicherheitsstandards nicht erfüllt werden konnten.

Die Ermittler stellten fest, dass dieses Problem dadurch umgangen wurde, indem einfach die Art und Weise der Zertifizierung geändert wurde. So wurde beispielsweise die Zertifizierung davon abhängig gemacht, ob in der Gegend des Staudamms Explosionen stattfinden könnten, oder nicht. Doch Explosionen in der Nähe des Staudamms waren ohnehin ausgeschlossen. 

Die gesamte Geschichte könnte sehr schlecht ausgehen für TÜV Süd. Eine Untersuchungskommission des brasilianischen Senats hat kürzlich empfohlen, 14 Personen, die meisten von Vale und zwei von TÜV Süd, anzuklagen, obwohl die Betroffenen nicht namentlich genannt wurden. 

Die Kongressabgeordnete Aurea Carolina fordert sogar Konsequenzen im Zusammenhang mit den Beziehungen zwischen Deutschland und Brasilien: “In Brasilien ist dies beispiellos. Dies sollte unsere internationalen Beziehungen zu Deutschland einbeziehen, da der Hauptsitz des TÜV Süd dort angesiedelt ist.”


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