Finanzen

Samsung wird Intel als weltgrößten Chip-Hersteller ablösen

Lesezeit: 3 min
29.07.2017 02:51
In der globalen Branche für Computerchips steht eine Wachablösung bevor. Samsung mach Intel die Marktführerschaft streitig.
Samsung wird Intel als weltgrößten Chip-Hersteller ablösen

Mehr zum Thema:  
IBM > Samsung >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
IBM  
Samsung  

Seit einem Vierteljahrhundert ist Intel gemessen am Umsatz der weltgrößte Hersteller von Computerchips. In den kommenden Jahren wird jedoch der Konkurrent Samsung Electronics voraussichtlich erstmals die Spitze übernehmen. Das koreanische Unternehmen macht derzeit sogar mehr Profit als Apple, sein größter Konkurrent auf dem Handy-Markt.

Die wachsenden Anwendungsgebiete von Smartphones, beispielsweise in den Bereichen Automobil und „Internet der Dinge“ haben zu Kapazitätsengpässen für Flash-Speicher-Chips geführt. Daher sind die Preise massiv angestiegen, wovon vor allem Samsung profitiert. Zugleich schrumpft der Markt für traditionelle Computerprozessoren, dem Kerngeschäft von Intel.

Wegen des Aufstiegs von IBM-Personalcomputern konnte Intel im Jahr 1992 die Spitzenposition auf dem Markt für Halbleiter von NEC übernehmen. Doch diese seit 25 Jahren anhaltende Ära von IBM könnte nun am Donnerstag zu Ende sein. Dann legen Intel und Samsung ihre Quartalszahlen vor.

Die Koreaner haben Umsätze mit Halbleitern von bis zu 15 Milliarden Dollar prognostiziert. Dies wird laut einem Bericht der Financial Times voraussichtlich erstmals die Umsätze des US-Rivalen Intel in Höhe von 14,4 Milliarden Dollar übertreffen.

Nach Schätzungen des IT-Marktforschers Gartner wird der weltweite Umsatz mit Halbleitern dieses Jahr zum ersten Mal die Marke von 400 Milliarden Dollar überschreiten. Grund dafür ist vor allem das Wachstum im Speichermarkt um 52 Prozent, wo Samsung einen großen Marktanteil hat.

Die Analysten sind uneins darüber, wie dauerhaft der Wechsel an der Spitze der Speicherindustrie ist. „Was auch immer für Umsatzzuwächse Samsung heute über Intel stellen, sie werden nur von kurzer Dauer sein“, sagt Tim Bajarin, Analyst bei Creative Strategies.

Die globale Speicherchipindustrie erfährt derzeit einen beispiellosen Boom. Die Nachfrage nach mit dem Internet verbundenen Geräten und nach Datenservern hat Unternehmen wie Samsung und SK Hynix massive Gewinne beschert. Denn die Preise für Speicherchips haben sich im letzten Jahr verdoppelt. Die Aktienpreise in der Branche sind seit ihrem zyklischen Tiefpunkt letztes Jahr im Schnitt um 155 Prozent gestiegen. SK Hynix teilte am Dienstag mit, dass der Nettoprofit im zweiten Quartal um 763 Prozent auf rund 2,2 Milliarden Dollar angestiegen ist.

Der anhaltende Boom bei Speicherchips hat Samsung im zweiten Quartal einen Rekordgewinn beschert. Trotz einer Delle im Smartphone-Geschäft schnellte das Betriebsergebnis des südkoreanischen Unternehmens in den Monaten April bis Juni binnen Jahresfrist um 73 Prozent auf umgerechnet 10,8 Milliarden Euro (14,1 Billionen Won) in die Höhe. Das Management bestätigte am Donnerstag seine Anfang Juli veröffentlichten vorläufigen Zahlen.

Der Markt für Speicherchips bleibe günstig, erklärte der Elektronikgigant. Wegen Schwächen im Display- und Handy-Geschäft dürfte das Ergebnis im dritten Quartal jedoch etwas geringer ausfallen. Analysten wie Greg Roh von HMC Investment & Securities halten dagegen dennoch einen Gewinn von 11,5 Milliarden Euro für erreichbar und sehen das Unternehmen auch auf Kurs für einen Rekordgewinn im Gesamtjahr.

Die Mobilfunk-Sparte musste dagegen im vergangenen Quartal einen Gewinnrückgang von fünf Prozent auf 3,1 Milliarden Euro hinnehmen. Analysten zufolge übertraf der Absatz des neuen Smartphones Galaxy S8 den des Vorgängermodells S7 nicht so stark wie vom Markt erwartet. Der operative Gewinn im zweiten Quartal in Höhe von 12,1 Milliarden Dollar liegt sogar höher als der von Apple in Höhe von 10,5 Milliarden Dollar.

Samsungs Marktführerschaft bei Speicherchips nahm ihren Ursprung vor fast einem Jahrzehnt. Im Jahr 2008 sah sich die Branche zugleich mit Überproduktion und mit den Folgen der globalen Finanzkrise konfrontiert. Viele Lieferanten waren gezwungen, die Produktion einzustellen. Samsung hingegen erweiterte seine Pläne. „Sie sahen das als eine große Gelegenheit“, sagt Tim Bajarin.

Heute liegt Samsungs Profitmarge für Dram-Speicher, die in Computern und Datencentern verwendet werden, bei geschätzten 60 Prozent. Und bei NAND-Flashspeicherchips liegt die Marge bei rund 45 Prozent. Das Unternehmen investiert dieses Jahr rund 12,5 Milliarden Dollar in eine Reihe von Halbleitern. „Es gibt eine schnell wachsende Zahl von Geräten, die Speicher benötigen“, sagt Geoff Blaber, ein Analyst für CCS Insight im Silicon Valley. Er erwartet daher eine weiterhin hohe Nachfrage. „Samsung hat einen erheblichen Skalierungsvorteil, daher ist die Kostenbasis viel niedriger.“

Auch Intel hat in den letzten zehn Jahren in Handy-Speicher investiert, allerdings mit deutlich weniger Erfolg. Erst mit der Einführung des iPhone 7 im letzten Jahr trägt nun ein führendes mobiles Telefon den Slogan „Intel inside“.

Doch auch wenn Intel den Smartphone-Boom verpasst hat, hat das Unternehmen seinen Anteil auf dem PC-Markt erfolgreich gegen Konkurrenten wie AMD verteidigt. Zwar sind Intels Verkäufe hier von 400 Millionen Computer auf rund 270 Millionen Computer zurückgegangen. Doch dafür ist Intel bei Datenzentren gewachsen. So gelang es dem Unternehmen, im Cloud-Computing Fuß zu fassen und seine Spitzenstellung in der Branche zu behalten.

Die unter dem Schlagwort „Internet der Dinge“ (IdD) bekannte Vernetzung einer vollintegrierten Produktion macht bei Intel nur einen kleinen Teil des Umsatzes aus. Im letzten Jahr verkaufte das Unternehmen IdD-Geräte für 2,6 Milliarden Dollar. Dies sind zwar acht Prozent mehr als im Jahr zuvor, aber nur vier Prozent des Gesamtumsatzes im letzten Jahr von 59,4 Milliarden Dollar.

Während Samsung und Intel um die Marktführerschaft streiten, wird die Konkurrenz aus China bei Flashspeichern immer stärker. Seit 2014 hat das Land 150 Milliarden Dollar in die Entwicklung des Sektors investiert. In einigen Jahren könnte China daher zu einem führenden Produzenten werden.

Mike Howard von IHS Markit sieht die größte Gefahr für die Branche darin, dass die Chinesen den Markt mit billigem Speicher fluten werden. „Überinvestition und dadurch ein zu großer Anstieg des Angebots ist die größte Bedrohung für Dram und NAND, und es ist wohl nur eine Frage des Wann und nicht des Ob.“

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  
IBM > Samsung >

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Finanzen
Finanzen Target2 macht's möglich: Deutsche Netto-Auslandsvermögen in Gefahr

Die Target-Forderungen Deutschlands innerhalb der EU haben längst astronomische Höhen erreicht. Ökonomen hatten zuvor inständig davor...

DWN
Politik
Politik Drohung aus der EU: „Angriff auf Ukraine heißt: sofortiges Öl/Gasembargo“ gegen Russland

Ein hochrangiger deutscher EU-Vertreter droht Russland bei einem Angriff auf die Ukraine mit einem Gas-Embargo, einem Ausschluss aus dem...

DWN
Politik
Politik Drei Brennpunkte bedrohen den Frieden: Schickt der Westen nur Berater - oder seine Armeen?

In seinem meinungsstarken Artikel analysiert DWN-Kolumnist Roland Barazon die weltweite Sicherheitslage.

DWN
Finanzen
Finanzen Explosion der Immobilien-Preise: Mieten lohnt sich immer öfter als Kauf

In 51 von 75 Städten ist die finanzielle Belastung durch die Miete geringer als beim Kauf. Die Unterschiede sind vor allem in den...

DWN
Deutschland
Deutschland Ernste Lage: Versorgungsengpass bei Lebensmitteln und Rohstoffen droht

In zahlreichen Branchen innerhalb der deutschen Lieferkette droht ein Kollaps bei der Versorgung. „Dann sprechen wir nicht mehr bloß...

DWN
Politik
Politik EU-Direktorin für Impfstoff-Zulassung war Pharma-Lobbyistin – unter anderem für AstraZeneca

Die aktuelle Direktorin der Europäischen Arzneimittelagentur, die für die Impfstoffzulassung verantwortlich ist, war zuvor für den...

DWN
Deutschland
Deutschland Gesetzes-Verschärfung steht bevor: Regierung will deutschlandweite Ausgangsbeschränkungen - Bundestag dürfte zustimmen

Die Bundesregierung will mittel einer Gesetzesverschärfung die Einspruchmöglichkeiten der Länder brechen.

DWN
Finanzen
Finanzen Banken sprechen von "Verwahrentgelt": In Wahrheit handelt es sich um Strafzinsen

Immer mehr deutsche Banken und Sparkassen berechnen ihren Kunden Strafzinsen.