Deutschland

Justiz eröffnet Ermittlungen gegen deutsche Landwirte

Lesezeit: 1 min
07.08.2017 17:03
Die deutsche Justiz ermittelt gegen mehrere Landwirtschaftsbetriebe in Niedersachsen.
Justiz eröffnet Ermittlungen gegen deutsche Landwirte

Mehr zum Thema:  
Justiz >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Justiz  

Im Skandal um mit Fipronil belastete Eier wird nun auch die deutsche Justiz aktiv. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Oldenburg erklärte am Montag, dass Ermittlungsverfahren gegen niedersächsische Landwirte eingeleitet worden seien, berichtet AFP. Es gehe um den Verdacht, gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz verstoßen zu haben.

Die Ermittlungen befänden sich noch „im Anfangsstadium“, erklärte die Sprecherin. Sie richteten sich gegen Verantwortliche derjenigen Betriebe, die positiv auf das Insektizid getestet worden seien. Medienberichten zufolge sollen drei Betriebe in der Grafschaft Bentheim sowie ein Legehennenbetrieb im Landkreis Leer im Visier der Ermittler sein.

Das Schädlingsbekämpfungsmittel Fipronil war zuerst in Eiern aus Belgien und den Niederlanden nachgewiesen worden. Die dortigen Behörden nahmen bereits Ermittlungen auf. Mindestens zehn Millionen kontaminierte Eier aus den Niederlanden wurden nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums nach Deutschland geliefert, ein Teil davon gelangte in den Handel.

Auch in einigen deutschen Legehennen-Betrieben wurde Fipronil festgestellt. Die in der Nutztierhaltung verbotene Chemikalie gelangte offenbar als Zusatz in einem Desinfektionsmittel in die Betriebe. Eine belgische Firma steht im Verdacht, dem Mittel zur Stallreinigung unerlaubt Fipronil beigemischt zu haben.

Die belgische Lebensmittelsicherheitsbehörde wusste schon im Juni von den Fipronil-Funden, ohne andere EU-Länder zu informieren. Belgiens Landwirtschaftsminister Denis Ducarme forderte bei der Behörde am Montag einen Bericht über ihr Vorgehen an, um für „vollständige Transparenz“ zu sorgen.

Der Bericht soll nach Angaben eines Sprechers am Dienstagnachmittag vorliegen. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) wollte am Montag mit seinen Amtskollegen aus Belgien und den Niederlanden telefonieren, um seiner Forderung nach einer „lückenlosen Informationsweitergabe“ Nachdruck zu verleihen.

Beim Menschen kann Fipronil in höheren Dosen zu Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen führen. Die von den belasteten Eiern ausgehenden Gefahren für Verbraucher sind dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) allerdings gering. Gemessen am bislang höchsten in Belgien festgestellten Wert von 1,2 Milligramm Fipronil pro Kilogramm Ei könnte dem BfR zufolge ein Erwachsener mit 65 Kilogramm Körpergewicht sieben Eier binnen 24 Stunden essen, ohne dass der gesundheitliche Richtwert überschritten wird.

Der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen KAT, dem europaweit 2200 Legehennenbetriebe angehören, gab im Fipronil-Skandal unterdessen Entwarnung. „Das Ventil ist zu. Es gelangen keine belasteten Eier mehr frisch in den Handel“, sagte der KAT-Vorsitzende Friedrich-Otto Ripke der Neuen Osnabrücker Zeitung. Verbraucher könnten wieder unbesorgt Schaleneier deutscher Betriebe kaufen. Fast jedes Ei in deutschen Supermärkten kommt aus einem KAT-Betrieb.


Mehr zum Thema:  
Justiz >

Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Halbzeit Urlaub bei ROBINSON

Wie wäre es mit einem grandiosen Urlaub im Juni? Zur Halbzeit des Jahres einfach mal durchatmen und an einem Ort sein, wo dich ein...

DWN
Politik
Politik Europaparlament billigt neue EU-Schuldenregeln nach langwierigen Debatten
23.04.2024

Monatelang wurde über Europas neue Regen für Haushaltsdefizite und Staatsschulden diskutiert. Die EU-Abgeordneten sprechen sich nun für...

DWN
Immobilien
Immobilien Bauministerin: Innenstädte brauchen vielfältigere Angebote
23.04.2024

Klara Geywitz wirbt für mehr Vielfalt in den deutschen Innenstädten, um damit stabilere Immobilienmärkte zu unterstützen. Ein Mix von...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Palantir: Wie Vorurteile die sinnvolle Anwendung von Polizei-Software behindern
23.04.2024

Palantir Technologies ist ein Software-Anbieter aus den USA, der entweder Gruseln und Unbehagen auslöst oder Begeisterung unter seinen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 20 Jahre EU-Osterweiterung: Wie osteuropäische Arbeitskräfte Deutschland unterstützen
23.04.2024

Zwei Jahrzehnte nach der EU-Osterweiterung haben osteuropäische Arbeitskräfte wesentlich dazu beigetragen, Engpässe im deutschen...

DWN
Finanzen
Finanzen Der DWN-Marktreport: Spannung und Entspannung – Geopolitik sorgt für Bewegung bei Aktien und Rohstoffen
23.04.2024

Die hochexplosive Lage im Nahen Osten sorgte für reichlich Volatilität an den internationalen Finanz- und Rohstoffmärkten. Nun scheint...

DWN
Finanzen
Finanzen Staatsverschuldung auf Rekordhoch: Steuerzahlerbund schlägt Alarm!
23.04.2024

Der Bund Deutscher Steuerzahler warnt: Ohne Kehrtwende droht der fiskalische Abgrund, trotzdem schöpft die Bundesregierung das...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zahl der Apotheken in Deutschland sinkt weiter - Verband alamiert
23.04.2024

Laut neuen Zahlen gibt es immer weniger Apotheken-Standorte. Der Apothekerverband spricht von „alarmierenden Zeichen“ und erklärt,...

DWN
Finanzen
Finanzen Silber im Aufschwung: Das Gold des kleinen Mannes holt auf
23.04.2024

Silber hinkt traditionell dem großen Bruder Gold etwas hinterher. In den letzten Wochen hat der Silberpreis massiv zugelegt. Was sind die...