Unternehmen

Mindestlohn: Lohnerhöhungen führen zu Preissteigerungen und Stellenabbau

Schritt für Schritt steigt der Mindestlohn in Deutschland - das führt zu einer Welle von Lohnerhöhungen. Wie die Unternehmen nun versuchen die steigenden Personalkosten auszugleichen, zeigt eine DIHK-Umfrage.
21.01.2026 13:23
Lesezeit: 2 min
Mindestlohn: Lohnerhöhungen führen zu Preissteigerungen und Stellenabbau
Peter Adrian, Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), rief die Politik zum Gegensteuern auf. (Foto: dpa) Foto: Carsten Koall

Umfrage: Welle von Lohnerhöhungen durch Mindestlohn

Tausende Unternehmen berichten einer DIHK-Umfrage zufolge über Lohnerhöhungen wegen des gestiegenen Mindestlohns. Zum ersten Januar war die gesetzliche Lohnuntergrenze auf 13,90 Euro pro Stunde angehoben worden. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer hatte 15.000 Betriebe nach den Auswirkungen gefragt. Ergebnis: Jedes zweite Unternehmen ist nach eigenen Angaben direkt oder indirekt betroffen, dabei jedes vierte direkt wegen Löhnen, die zuvor unter der Mindestlohnschwelle lagen.

Besonders in Gastronomie steigen Löhne

In der Gastronomie beschäftigt laut den Ergebnissen, die der DPA in Berlin vorliegen, sogar jeder zweite Betrieb Angestellte zum Mindestlohn. Im Einzelhandel stiegen bei 38 Prozent die Löhne und damit laut DIHK auch die Arbeitskosten. In der Bauwirtschaft sind im Vergleich dazu nur 17 Prozent betroffen.

Der DGB verwies darauf, dass gerade Einzelhandel und Gastronomie seit Jahren gute Löhne per Tarif verweigerten. "Jetzt so zu tun, als brächte der höhere Mindestlohn den Untergang des Abendlandes mit sich und müsste zu Sozialeinschnitten führen, ist einfach nur schäbig", kritisierte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell.

DIHK: Die gesamte Lohnstruktur verändert sich

Über alle Branchen hinweg geben laut DIHK 40 Prozent der Befragten an, auch die Löhne in höheren Lohngruppen anzuheben. In der Industrie ist es sogar fast jeder Zweite. "Eine Mindestlohnerhöhung verändert die gesamte Lohnstruktur, und zwar nicht nur in den unteren Lohngruppen", sagte DIHK-Präsident Peter Adrian. "Etliche Arbeitgeber sehen sich veranlasst, auch Löhne, die über dem Mindestlohn liegen, anzupassen, um einen entsprechenden Abstand zum Mindestlohn beizubehalten."

Preissteigerungen bei zwei von fünf Unternehmen

Um steigende Personalkosten auszugleichen, planen laut der Umfrage rund 40 Prozent der Unternehmen, ihre Preise zu erhöhen. 13 Prozent gaben an, Personal abbauen zu wollen, im Einzelhandel und im Gastgewerbe sogar über 20 Prozent.

Adrian wertete die Effekte für die Unternehmen negativ. "Die Mindestlohnerhöhung und steigende Sozialabgaben treiben die Arbeitskosten weiter in die Höhe." Das bremse Investitionen und Investoren aus. Der DIHK-Präsident rief die Politik zum Gegensteuern auf. So solle sie "Fehlanreize zur Frühverrentung" abbauen und das Renteneintrittsalter an die Entwicklung der Lebenserwartung anpassen.

2027: Mindestlohn steigt auf 14,60 Euro

Bis Ende 2025 hatte ein Mindestlohn von zuletzt 12,82 Euro gegolten. Anfang 2027 soll der Mindestlohn weiter auf 14,60 Euro steigen. Parallel zur Mindestlohnerhöhung war auch die Obergrenze für sogenannte Minijobs angehoben worden. Diese erhöhte sich ab Januar von 556 auf 603 Euro im Monat.

Der DIHK hat eine eigene Umfrage unter 15.000 Unternehmen quer über die Branchen ausgewertet. Die Unternehmen waren unter anderem gefragt worden, ob sie Mitarbeitende unter der Schwelle des heutigen Mindestlohns beschäftigt hatten, ob sie die Löhne wegen der jüngsten Erhöhung erhöht haben und ob sie deshalb die Preise angehoben haben. Der gesetzliche Mindestlohn war zum 1. Januar auf 13,90 Euro brutto je geleisteter Arbeitsstunde gestiegen (vorher 12,82 Euro).

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Politik
Politik Deutsche im Iran: Pistorius bereit für Bundeswehreinsatz bei Waffenruhe
26.03.2026

Der Iran-Krieg alarmiert die Bundesregierung, weil die wirtschaftlichen Folgen weltweit spürbar werden. Verteidigungsminister Pistorius...

DWN
Politik
Politik USA verschärfen Ton gegenüber Teheran: Diplomatie unter maximalem Druck
26.03.2026

Washington droht dem Iran mit einer massiven Ausweitung der Militärschläge, falls die Führung in Teheran nicht einlenkt....

DWN
Politik
Politik EU und Ungarn: Spionageverdacht erschüttert Vertrauen in Europa
26.03.2026

Misstrauen breitet sich in der Europäischen Union aus und trifft einen ihrer eigenen Mitgliedstaaten. Der Verdacht, dass Ungarn...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienmarkt in Gefahr: Investoren warnen vor Eskalation im Iran-Konflikt
25.03.2026

Die Märkte geraten ins Wanken, während geopolitische Spannungen eskalieren. Investoren befürchten nach den Drohungen eines eskalierenden...

DWN
Politik
Politik Russlands Ölexport unter Beschuss: Energiekrieg erreicht neue Stufe
25.03.2026

Explosionen in russischen Ostseehäfen lassen den Ölfluss abrupt versiegen. Die Angriffe treffen Moskaus Energieinfrastruktur empfindlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarif-Durchbruch in der Chemie: Mehr Geld und Jobgarantie für 585.000 Beschäftigte
25.03.2026

Lohnplus trotz Krise: Die rund 585.000 Beschäftigten der deutschen Chemie- und Pharmabranche erhalten künftig deutlich mehr Geld. Nach...

DWN
Politik
Politik Turbo für die Verteidigung: EU plant Millionen-Spritze für Militär-Innovationen
25.03.2026

Die EU-Kommission will die militärische Schlagkraft Europas durch schnellere Innovationszyklen sichern. Ein neues Förderinstrument namens...

DWN
Politik
Politik Digitale Gewalt: Was die Regierung jetzt plant
25.03.2026

Deepfakes, Überwachung, intime Bilder – digitale Gewalt nimmt zu, und der politische Druck wächst. Die Bundesregierung arbeitet an...