Wirtschaft

Gastronomie in Deutschland: Insolvenzen erreichen Rekordniveau

Steigende Preise, sinkende Nachfrage und wachsende Insolvenzen setzen Restaurants und Bars massiv unter Druck. Selbst staatliche Entlastungen bringen nur begrenzte Wirkung. Viele Betriebe kämpfen ums Überleben – doch wie dramatisch ist die Lage wirklich?
19.03.2026 17:10
Lesezeit: 2 min
Gastronomie in Deutschland: Insolvenzen erreichen Rekordniveau
Weniger Gäste, höhere Kosten: Die Zahl der Gastronomie-Insolvenzen steigt weiter. (Foto: ChatGPT)

So viele Insolvenzen in der Gastronomie wie seit 2011 nicht mehr

Über 11.000 Pleiten in sechs Jahren: Die Krise im Gastgewerbe spitzt sich weiter zu. Viele Verbraucher sparen beim Essen im Restaurant. Eine rasche Erholung ist aktuell nicht absehbar.

Harte Phase für das Gastgewerbe: Die Insolvenzen in der Branche sind laut einer Analyse der Wirtschaftsauskunftei Creditreform im Jahr 2025 bereits zum vierten Mal hintereinander gestiegen. Nach vorläufigen Angaben waren im vergangenen Jahr mehr als 2.900 Betriebe betroffen. Das entspricht dem höchsten Niveau seit 2011 und liegt fast 30 Prozent über dem Vorjahr. Damit ist die Branche deutlich stärker betroffen als die Gesamtwirtschaft (+8,3 Prozent).

Im Gastgewerbe wurden zwischen 2020 und 2025 laut Creditreform mehr als 11.200 Insolvenzen registriert. Insgesamt stellten in diesem Zeitraum fast 69.000 Unternehmen, die Restaurants, Gaststätten, Cafés oder Bars betrieben haben, ihren Betrieb ein. Die tatsächliche Zahl der Schließungen dürfte höher liegen, da einzelne Unternehmen mehrere Standorte betreiben können.

"Pandemie, Energiekrise und Inflation haben die Gastronomie hart getroffen. Viele Betriebe haben diese Abfolge von Krisen nicht überlebt", sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. Zu den bekanntesten Insolvenzfällen der vergangenen Jahre zählen die Restaurantketten Sausalitos und Vapiano. Während der Pandemie hätten staatliche Hilfen das Überleben vieler Betriebe gesichert und Schließungen zunächst verhindert, so Hantzsch.

"Weniger Aperitif, weniger Nachtisch, weniger Wein"

Der Experte nennt weitere Ursachen. Viele Gastronomen könnten in der aktuell angespannten wirtschaftlichen Lage mit hohen Personalkosten nicht profitabel arbeiten. "Die steigenden Preise in Lokalen treffen auf eine Bevölkerung, die in vielen Bereichen spart." Die Menschen bestellten häufiger Speisen nach Hause. Insgesamt gebe es weniger Besuche in Restaurants und Bars, auch bei Bestellungen werde gespart. "Weniger Aperitif, weniger Nachtisch, weniger Wein. Das schlägt auf den Umsatz."

Hantzsch rechnet 2026 mit weiter steigenden Insolvenzen und einer zusätzlichen Ausdünnung der Gastronomielandschaft. "Besonders kleine, inhabergeführte Betriebe kämpfen angesichts hoher Energie-, Miet- und Lebensmittelkosten ums Überleben." Vor allem in kleineren Städten und ländlichen Regionen dürfte sich der Wandel deutlich zeigen. Die finanzielle Situation vieler Betriebe ist laut Analyse angespannt. Bei knapp 40 Prozent der Unternehmen liegen die Eigenkapitalquoten bei unter 10 Prozent. Knapp ein Drittel arbeitet defizitär.

Umfrage: Bei Kleidung und Lebensmitteln wird weniger gespart

Laut einer im Februar durchgeführten YouGov-Umfrage sparen Verbraucher besonders bei Freizeitaktivitäten. 42 Prozent geben an, bei Ausgaben für Kino, Theater, Konzerte und Restaurantbesuche am stärksten zu kürzen. Bei Möbeln (32 Prozent), Bekleidung (29 Prozent), Elektronikprodukten (28 Prozent) oder Lebensmitteln (14 Prozent) wird weniger gespart.

Zur Entlastung der Gastronomie wurde die Mehrwertsteuer für Speisen zu Jahresbeginn von 19 auf 7 Prozent gesenkt. Nach der Senkung sind die Preise einer Analyse zufolge jedoch nur geringfügig gesunken. Der vom Datenspezialisten Meoton berechnete Preisindex für Speisen lag Mitte Februar bei 99,6 im Vergleich zu 100 im Dezember. Für die Auswertung wurden mehr als 200.000 Preise von über 30.000 Betrieben analysiert.

Nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) verzeichnete die Branche 2025 preisbereinigt bereits das sechste Jahr in Folge Umsatzrückgänge. Die Betriebe leiden laut Dehoga unter deutlich gestiegenen Kosten für Waren, Personal und Energie. Diese seien seit 2022 teilweise um bis zu 40 Prozent gestiegen. Viele Gastronomen hatten bereits Ende des Jahres betont, dass die Steuersenkung genutzt werde, um die gestiegenen Kosten zu kompensieren – und nicht, um Preise zu senken.

Gastronomie vor ungewisser Zukunft

Die aktuelle Entwicklung zeigt, wie tiefgreifend die Krise der Gastronomie in Deutschland ist. Steigende Kosten, zurückhaltende Verbraucher und strukturelle Veränderungen setzen die Branche dauerhaft unter Druck. Besonders kleine, inhabergeführte Betriebe geraten zunehmend ins Hintertreffen, während sich das Konsumverhalten nachhaltig wandelt. Politische Maßnahmen wie die Mehrwertsteuersenkung können die Probleme bislang nur abmildern, aber nicht lösen. Die kommenden Jahre dürften entscheidend dafür sein, wie sich das Gastgewerbe neu aufstellt. Klar ist: Ohne Anpassungen und neue Konzepte wird es für viele Betriebe schwierig bleiben, wirtschaftlich zu bestehen.

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