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Ende einer Illusion: Die Rückkehr der globalen Schuldenkrise

Lesezeit: 3 min
26.02.2018 00:46
Das Ende der niedrigen Zinsen wird zum Problem für die Staatshaushalte.
Ende einer Illusion: Die Rückkehr der globalen Schuldenkrise

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In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Staatsverschuldung in den Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) fast verdoppelt: Im Jahr 2008 lag sie bei 25 Billionen US-Dollar, dieses Jahr wird sie knapp 45 Billionen US-Dollar erreichen. Mit dem Aufschwung der Weltwirtschaft deutet sich nun aber das Ende der Niedrigzinszeit an. Das bedroht die Haushalte der Industrieländer.

Durch die Niedrigzinspolitik der letzten Jahre konnten Staatsschulden günstig finanziert werden. In den OECD-Staaten stieg die Verschuldungsquote in weniger als zehn Jahren von 49,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2007 auf 74 Prozent im Jahr 2016. Dieses Jahr wird ein leichter Rückgang auf 73 Prozent erwartet. Grund sei die Aussicht auf ein stärkeres Wachstum in den Ländern.

40 Prozent der Schulden müssen in den nächsten drei Jahren refinanziert werden

Ein Großteil der Schulden wurde aufgenommen, um die Auswirkungen der Finanzkrise zu bekämpfen. Knapp zehn Jahre danach, werden diese Schulden nun fällig. Innerhalb der nächsten drei Jahre müssen 40 Prozent der bestehenden Schulden refinanziert werden. Auf viele der Mitgliedsstaaten kämen hohe Kosten für fällige Schuldzahlungen und zur Finanzierung der anhaltenden Haushaltsdefizite zu, so Fatos Koc, Senior Policy Analystin bei der OECD.

Die höhere Staatsverschuldung führt zusätzlich zu einer schlechteren Einstufung der Bonität für Staatsanleihen durch die Rating-Agenturen. Für private Investoren, die nach sicheren Anlagen suchen, werden die Staatsanleihen so weniger attraktiv, wodurch wiederum die Zinsen für die betroffenen Länder steigen.

Die Zeit der Niedrigzinsen ist vorbei

Die expansive Geldpolitik der Zentralbanken führte zu günstigen Bedingungen für die Schuldenaufnahme. Die Zentralbanken senkten die Leitzinsen und kauften im großen Stil Anleihen auf: Heute halten sie mehr als 10 Billionen US-Dollar der Staatsverschuldung aller OECD-Länder. In Japan werden 40 Prozent der marktfähigen Staatsschulden von der Zentralbank gehalten, in Deutschland, dem Vereinigten Königreich und Schweden sind es 30 Prozent.

Die lange Zeit der niedrigen Leitzinsen und stabilen Marktbedingungen ermöglichten den OECD-Staaten, Haushaltsdefizite günstig zu finanzieren. In den USA und Japan, den größten Emittenten von Staatsanleihen der OECD-Länder, lagen die Zinsen in den letzten beiden Jahren bei unter 2,5 Prozent beziehungsweise unter 0,1 Prozent.

Die Wirtschaft wächst gerade deutlich: 2018 weltweit mit 3,7 Prozent, in den OECD-Ländern mit 2,4 Prozent und in der Eurozone mit 2,1 Prozent. Auch die Inflation steigt wieder: 2015 betrug sie in den OECD-Ländern noch 0,8 Prozent, im Jahr 2018 voraussichtlich 2,1 Prozent. Die Zentralbanken wenden sich deshalb Schritt für Schritt von der laxen Geldpolitik ab. Das bedeutet steigende Leitzinsen und weniger Staatsanleihen, die von den Zentralbanken gehalten werden. Staaten müssen so vermehrt private Investoren für ihre Anleihen finden.

Höhere Zinsen bedrohen die Staatshaushalte

Geschätzte 10,5 Billionen US-Dollar brutto brauchen die Mitgliedsstaaten der OECD in den Jahren 2017 und 2018, um die Haushaltsdefizite und die Zinszahlungen zu finanzieren. Die Fiskalpolitik in den Ländern erhöht zusätzlich den Bedarf: In den USA muss beispielsweise die Steuerreform finanziert werden.

Noch im November 2017 lobte die OECD ihre Mitgliedsstaaten für die wachstumsfördernde Fiskalpolitik. Im Februar 2018 klingt das anders: Schuldenfinanzierte Staatshaushalte seien ein guter Weg, in wirtschaftlich schwachen Zeiten das Wachstum zu unterstützen. Wirtschaftlich gute Zeiten sollten aber genutzt werden, die Haushalte auszugleichen, die Staatsausgaben zu reduzieren und die Verschuldung abzubauen.

Doch die höheren Zinskosten belasten die Haushalte der Industrieländer. Die OECD empfiehlt deshalb, auf Schulden mit langer Laufzeit auszuweichen. So kann die Refinanzierungsbelastung in den jeweiligen Jahren gering gehalten werden. Die durchschnittliche Restlaufzeit der Schulden in der OECD ist so im Jahr 2017 auf etwa acht Jahre angestiegen.

Längere Laufzeiten sind keine nachhaltige Lösung für die Schuldenkrise

Für wirtschaftlich schwache Länder mit hoher Staatsverschuldung bedeutet das die Rückkehr der Schuldenkrise. In Griechenland beträgt die Verschuldungsquote dieses Jahr 178 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, in Italien 131 Prozent und in Portugal 124 Prozent. Durch die höheren Zinsen steigen die Ausgaben für bestehende Schulden, außerdem wird es zunehmend teurer, das Haushaltsdefizit zu finanzieren. Das positive aber vergleichsweise geringe Wirtschaftswachstum in diesen Ländern kann so nicht durch Staatsausgaben gestützt werden.

Aber auch für alle anderen Länder bedeutet der höhere Verschuldungsgrad eine zusätzliche Belastung. Das günstige Geld der letzten zehn Jahre und das massive Aufkaufen von Staatsanleihen ließen die Schulden anwachsen. Die veränderten Marktbedingungen machen die damit verbundenen Probleme jetzt sichtbar: Während die Kosten zur Finanzierung der Schulden schnell ansteigen, ist ein Rückgang der Schulden kurz- und mittelfristig nicht in Sicht.

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