Finanzen

EU-Parlament: Euro-Clearing soll in London bleiben

Lesezeit: 1 min
17.05.2018 17:21
Die Zahlungsabwicklung für Euro-Geschäfte wird wahrscheinlich auch nach dem Austritt Großbritanniens in London bleiben.
EU-Parlament: Euro-Clearing soll in London bleiben

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Clearing-Häuser für Euro-Geschäfte müssen nach dem EU-Ausstieg Großbritanniens dem Europaparlament zufolge nicht unbedingt in einen anderen EU-Staat umziehen. Der Währungsausschuss des Brüsseler Abgeordnetenhauses nahm einen dementsprechenden Gesetzesentwurf am Mittwochabend mit 45 zu 4 Stimmen an. Eine Hintertür ließen die Vertreter allerdings offen: Falls die Aufsichtsbehörde in einem Nicht-Mitgliedsland - hier also die Bank of England nach dem Brexit - nicht ausreichend mit den EU-Überwachern zusammenarbeite, könnte das Clearing für EU-Kunden zwangsweise in die Union verlagert werden. Dafür sollen aber hohe Hürden gelten.

Das Votum des Ausschusses hat Gewicht, da Plenum selbst nicht nochmal gesondert darüber abstimmen wird. Der Entwurf muss die Unterstützung der Mitgliedsstaaten finden. Damit entschärft sich der Clinch um den künftigen Sitz von Euro-Clearing-Häusern. Die EU-Kommission hatte im Juni einen Gesetzentwurf vorgestellt, wonach ihr, der EZB und der Europäischen Finanzmarktaufsicht (ESMA) weitgehende Rechte zugestanden werden, über den Sitz von Clearing-Häusern für Derivategeschäfte in Euro zu entscheiden. Insbesondere sollen sie anordnen können, dass solche Häuser in die EU umziehen müssen, wenn sie als systemrelevant eingestuft werden - also eine Schlüsselrolle für das Finanzsystem spielen.

Das Geschäft mit in Euro ausgegebenen Derivaten wird derzeit zu großen Teilen in London von Anbietern wie der Londoner-Börse-Tochter LCH abgewickelt. Doch nach dem geplanten EU-Ausstieg wird Großbritannien ein sogenanntes Drittland sein. Als solches unterliegt es dann nicht mehr den bisherigen EU-Regeln. Die Kommission wollte sicherstellen, dass Regulierer und Aufseher auch nach einem Brexit noch Zugriffsrechte auf diese Geschäfte haben. Hauptargument war, dass die Behörden sie nur dann richtig kontrollieren können, wenn sie in der EU angesiedelt sind.

Clearing-Häuser stehen im Handel zwischen Käufer und Verkäufer und springen ein, wenn einer der Handelspartner ausfällt. Damit sorgen sie für Transparenz und Sicherheit des Finanzsystems. In London hängen Zehntausende Jobs vom Euro-Clearing-Geschäft ab. Branchenverbände warnen, dass eine Zersplitterung des Euro-Clearing hohe Kosten für die Kunden verursachen würde und die Banken mehrere Milliarden Euro für zusätzliche Sicherheiten beiseitelegen müssten.

***

Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung. Bitte unterstützen Sie die Unabhängigkeit der DWN mit einem Abonnement:

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, werden Sie von uns benachrichtigt und können dann das Abo auswählen, dass am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Halbzeit Urlaub bei ROBINSON

Wie wäre es mit einem grandiosen Urlaub im Juni? Zur Halbzeit des Jahres einfach mal durchatmen und an einem Ort sein, wo dich ein...

DWN
Politik
Politik Großangriff des Iran: Wie sieht Israels Antwort aus?
14.04.2024

Die Spannungen im Nahen Osten erreichen einen gefährlichen Höhepunkt, nachdem der Iran israelische Ziele attackiert hat. Wie schlägt...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Auch Deutschland betroffen: Wie China westliche Technologien verbannen und autark werden will
14.04.2024

Offenbar will sich China von westlichen Technologien schrittweise unabhängig machen. Warum das auch die deutsche Wirtschaft bedrohen...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis erreicht Rekordhöhe: Spannungen und Zentralbankkäufe treiben die Märkte
14.04.2024

Gold klettert auf einen neuen Spitzenwert, unterstützt durch geopolitische Spannungen und aggressive Zentralbankkäufe. Silber erreicht...

DWN
Finanzen
Finanzen Die Vorabpauschale einfach erklärt: Was Anleger wissen müssen
14.04.2024

Die Vorabpauschale ist ein wichtiger Bestandteil der Besteuerung von Investmentfonds in Deutschland, der seit der Einführung des...

DWN
Politik
Politik Schlagabtausch zwischen CDU und AfD: Höcke demaskiert?
14.04.2024

Warum entschied sich die CDU für ein direktes Duell mit dem rechtsextremen Höcke?Wie beeinflusste das TV-Duell die öffentliche...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Die versteckten Kosten der Globalisierungsverlangsamung
14.04.2024

Die Entstehung eines offenen multilateralen Handelssystems, das den Handel von der Geopolitik trennte, spielte eine entscheidende Rolle als...

DWN
Politik
Politik Dänemark verlängert Grenzkontrollen zu Deutschland
14.04.2024

Aus Sicherheitsgründen verlängert Dänemark die Grenzkontrollen zu Deutschland um sechs Monate. Neue Technologien wie Drohneneinsatz...

DWN
Finanzen
Finanzen Berufsunfähigkeitsversicherung – ebenso wichtig wie komplex
14.04.2024

Berufsunfähigkeit - das kann sowohl für Arbeitnehmer als auch für Selbstständige auf eine finanzielle Katastrophe hinauslaufen. Wie...