Steuergelder verbrannt: „Euro Hawk“ vor der Verschrottung

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 1 min
07.07.2018 00:19
Die Riesendrohne „Euro Hawk“ soll in Einzelteilen verkauft werden, wenn das nicht klappt wird sie verschrottet.
Steuergelder verbrannt: „Euro Hawk“ vor der Verschrottung

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Für die Entwicklung und Beschaffung des mittlerweile gestoppten Drohnenprojekts „Euro Hawk“ einschließlich des von Airbus Defence and Space gefertigten Spionagesystems ISIS habe die Bundesregierung seit 2007 mehr als 700 Millionen Euro ausgegeben (Bundestagsdrucksache 18/12279), so die Fraktion die Linke. Dies beinhalte Gelder zur mittlerweile ebenfalls abgebrochenen Wiederaufnahme von Testflügen des vom Hersteller Northrop Grumman an die Bundeswehr gelieferten Prototypen. In einer Kleinen Anfrage vom 29. Mai wollten die Abgeordneten Andrej Hunko, Michel Brandt u.a. und die Fraktion Die Linke nun wissen, wie es mit „Euro Hawk“ weitergeht.

„Die Riesendrohne ‚ Euro Hawk‘ soll in Einzelteilen verkauft werden, wenn das nicht klappt wird sie verschrottet. Besonders ärgerlich ist dies für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler: Ich gehe davon aus, dass auf der Resterampe Verluste in dreistelliger Millionenhöhe entstehen“, so der Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko angesichts einer Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Silberhorn.

Im Projekt „Euro Hawk“ hatte der US-Hersteller Northrop Grumman zunächst einen Prototypen an die Bundeswehr geliefert. Seit Abbruch des Vorhabens im Jahr 2013 lagert die Drohne in Manching. Das Verteidigungsministerium hat vier Optionen zur Verwertung untersucht: Eine Verwendung im Nachfolgeprojekt Pegasus und ein Verkauf als flugfähige Drohne sind nicht möglich. Denkbar sei nur der Verkauf in Ersatzteilen oder eine „museale Verwendung“, ansonsten drohe die Verschrottung.

„Zu Verkaufsverhandlungen mit Kanada und der NATO gibt es seit einem halben Jahr keinen neuen Stand. Ich gehe davon aus, dass die Drohne am Ende auf den Schrott wandert, denn alle gewinnbringenden Teile hat das US-Militär ausgebaut“, sagt Andrej Hunko. „Dies betrifft Funkgeräte, Navigationsgeräte, Flugführungscomputer und Verschlüsselungssysteme, sogar Software wurde deinstalliert. Ich hoffe, dass dafür wenigstens Geld in die Kassen des Verteidigungsministeriums zurückfließt.“

Damit sei Hunko zufolge die Geschichte aber längst nicht zu Ende. Man müsse sich jetzt gegen das nächste Drohnenprojekt aufstellen: „Für zwei Milliarden will die Bundesregierung vier Riesendrohnen ‚Pegasus‘ beschaffen. Bei dem Spionagesystem ISIS, das mitfliegen soll, droht eine weitere Kostenexplosion.“ Airbus werde voraussichtlich im vierten Quartal 2018 ein neues Angebot vorlegen, die früher genannten Preise (275,7 Millionen Euro für ein erstes und 28,6 Millionen Euro für die Beschaffung zweier weiterer Systeme) würden jetzt als frühere Schätzungen bezeichnet. Außerdem erfahre man erst jetzt von versteckten Kosten: Für Tests des ISIS habe Airbus ein Versuchslabor eingerichtet, das jährlich 3,9 Millionen Euro verschlinge.

Am Ende würden die Mehrkosten auf das Projekt ‚Pegasus‘ aufgeschlagen. „Die nachträgliche Verteuerung ist gängige Praxis bei allen großen Rüstungsprojekten. Die Bundesregierung muss sich deshalb aus der Beschaffung der Spionagedrohnen ‚Pegasus‘ zurückziehen“, so der Europapolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke.


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland „Deutschland spürt das Ende der Behaglichkeit“ – Warum Sie jetzt die DWN zum Vorteilspreis abonnieren sollten

Unser Redaktion zeigt auf, warum Sie nicht auf ein DWN-Abonnement verzichten sollten. Für das erste Jahr wird Ihnen ein besonderes Paket...

DWN
Deutschland
Deutschland Ab Mittwoch: Kaufprämie für Elektro-Autos verdoppelt sich

Der Staat zahl ab Mittwoch eine doppelt so hohe Kaufprämie für Elektroautos.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Weltbank: Pandemie stürzt Russland in die schwerste Rezession seit elf Jahren

Russland steht vor dem größten Einbruch seiner Wirtschaft seit elf Jahren, sagt die Weltbank in einer aktuellen Studie.

DWN
Politik
Politik USA treten aus Weltgesundheitsorganisation aus

Trump hat es längst angekündigt, jetzt ist es offiziell: Die USA kehren der Weltgesundheitsorganisation mitten in der Corona-Pandemie den...

DWN
Politik
Politik Erst Kroatien, dann Polen: Mischt sich von der Leyen in einen weiteren Wahlkampf ein?

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will nicht ausschließen, dass sie sich in einen weiteren Wahlkampf einmischt.

DWN
Politik
Politik Polizist in Mainz erschießt Messer-Stecher

Nach einer Messerattacke trifft die Polizei in Mainz auf einen bewaffneten Mann. Pfefferspray und Taser kommen zum Einsatz. Dann schießt...

DWN
Politik
Politik Libyen: Premier fordert Unterstützung von der EU gegen Söldner-General Haftar

Libyens Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch fordert Deutschland und die EU dazu auf, Hilfen im Kampf gegen den Söldner-General Chalifa...

DWN
Finanzen
Finanzen Kampf gegen das Bargeld: Italien senkt Obergrenze für Cash-Zahlungen deutlich

Italien hat die Obergrenze für Bargeldzahlungen deutlich gesenkt. Bei Verstößen hagelt es künftig Strafen.

DWN
Politik
Politik Spionage für die Nato: Russischer Geheimdienst nimmt prominenten Journalisten fest

Wegen Spionage und Hochverrats hat der russische Inlandsgeheimdienst einen prominenten Journalisten festgenommen.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Deutscher Hoffnungsträger e.Go ist insolvent: Bei den E-Autobauern rollt weltweit die Pleitewelle

Der Insolvenzantrag des deutschen Elektroautobauers e.Go wirft ein Schlaglicht auf die prekäre Finanzsituation bei vielen E-Autobauern...

DWN
Deutschland
Deutschland Für die nächste Pandemie: Deutschland benötigt strategische Reserven an Masken und Schutzausrüstung

Es sieht ganz danach aus, als ob Deutschland die Pandemie relativ gut in den Griff bekommt. Für den Fall der Fälle braucht das Land aber...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Firmen-Ticker: Ausrüster für Geheimdienste geht an die Börse

Im Folgenden die Unternehmens-Meldungen von Dienstag, den 7. Juni.

DWN
Panorama
Panorama Corona-Ticker: Situation in Brasilien verschlimmert sich immer mehr

Im Folgenden die Corona-Ereignisse von Dienstag, 7. Juli.

DWN
Finanzen
Finanzen Turbulenzen an den Börsen: Silber und Platin verzeichnen gewaltiges Preisgefälle

Das gleiche Phänomen, das zuletzt bereits den Goldmarkt durcheinander brachte, hat nun auch den Handel mit Silber, Platin und Palladium...

celtra_fin_Interscroller