Politik

EU gewährt Ukraine neuen Milliarden-Kredit

Lesezeit: 2 min
07.10.2018 01:09
Die EU hat der Ukraine einen neuen Milliarden-Kredit gewährt. Die Weltbank sieht das Land noch lange in Abhängigkeit von ausländischer Finanzierung.
EU gewährt Ukraine neuen Milliarden-Kredit

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der Vize-Präsident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis, hatte am 14. September 2018 angekündigt, dass die EU der Ukraine ein Kreditpaket in Höhe von einer Milliarde Euro gewähren werde, um die Stabilisierung der ukrainischen Wirtschaft zu garantieren, berichtet France 24. "Dieses Programm wird wirtschaftliche Schwachstellen angehen und die wirtschaftliche Stabilisierung unterstützen", sagte Dombrovkis in Brüssel bei der Zeremonie zur Unterzeichnung des Memorandum of Understanding (MoU) für das 4. ukrainische Kreditpaket. Der Vorschlag wurde im Juli vom Europäischen Parlament und dem EU-Rat angenommen, nur wenige Wochen nachdem Kiew ein Anti-Korruptions-Gericht einberufen hatte - eine Schlüsselforderung der westlichen Unterstützer der Ukraine. Die neuen Mittel werden in zwei Tranchen von bis zu 500 Millionen Euro ausgezahlt, die jeweils an die von der EU geforderten Durchführungsmaßnahmen der Ukraine geknüpft sind. Dem Abkommen zufolge werden die Mittel in Form von mittel- und langfristigen Krediten ausgezahlt, die darauf abzielen, "Schlüsselreformen" zu unterstützen, wenn sich Kiew zu politischen Veränderungen verpflichtet.

Die EU hat der Ukraine seit 2015 zinsgünstige Kredite in Höhe von 1,2 Milliarden Euro gewährt.

Verhandlungen mit dem IWF

Die Ukraine wird auch die aktuellen Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) für mehr finanzielle Unterstützung beschleunigen und glaubt, dass die Gespräche mit einer Einigung enden werden, sagte die stellvertretende ukrainische Notenbankchefin Kateryna Rozhkova am Donnerstag. "Es gibt nichts Negatives, wir arbeiten weiter, wir werden die Verhandlungen von beiden Seiten beschleunigen", zitiert der englischsprachige Dienst von Reuters Rozhkova.

Am Donnerstag hatte die Weltbank ihren Prognosebericht für die Ukraine veröffentlicht. Die Weltbank schreibt in einer Mitteilung: "Die ukrainische Wirtschaft wuchs in der ersten Hälfte des Jahres 2018 um 3,5 Prozent, gestützt durch eine frühe landwirtschaftliche Ernte und ein starkes Konsumwachstum aufgrund höherer Löhne, Renten und Überweisungen (...) Das Vertrauen der Anleger wird jedoch durch Verzögerungen bei wichtigen Reformen, den hohen Finanzierungsbedarf der Ukraine und die Unsicherheit über die Wahlen 2019 gebremst (...) Eine Einigung mit dem IWF, eine zügige Umsetzung der kürzlich verabschiedeten Reformen und Fortschritte bei der unvollendeten Reformagenda würden den Investoren ein positives Signal geben. Wenn dies geschieht, wird das Wirtschaftswachstum 2018 auf 3,3 Prozent und 2019 auf 3,5 Prozent geschätzt (...) Wenn die Reformen hingegen nicht fortschreiten und die IWF-Überprüfungen nicht abgeschlossen sind, könnte das Wachstum 2019 unter 2% fallen, da sich das Vertrauen der Investoren verschlechtert, sich makroökonomische Schwachstellen verschärfen und Finanzierungsschwierigkeiten die Binnennachfrage drücken. Die Ukraine benötigt auch eine Finanzierung für die Rückzahlung der hohen öffentlichen Schulden in den Jahren 2019 und 2020. In diesem Zusammenhang ist die Genehmigung und Umsetzung eines glaubwürdigen und erschwinglichen Haushaltsplans 2019, der das Haushaltsdefizitziel von 2,5% des BIP erfüllt, von entscheidender Bedeutung. Dies erfordert eine kostengünstige Umsetzung der jüngsten Reformen in den Bereichen Renten, Gesundheit, Bildung, öffentliche Verwaltung und Wohngeld."

"Die Wachstumsaussichten hängen von der Geschwindigkeit der Reformen und von einer Einigung über das IWF-Programm ab. Dies gilt umso mehr, als sich die globalen Finanzierungsbedingungen in den letzten Monaten für Schwellenländer deutlich verschärft haben", sagte Satu Kahkonen, Direktorin der Weltbank für Belarus, Moldawien und die Ukraine.

Der IWF genehmigte der Ukraine im Jahr 2015 ein vierjähriges Darlehensprogramm der EFF (Extended Fund Facility) in Höhe von 17,5 Milliarden US-Dollar. Im Rahmen des Programms erhielt die Ukraine aufgrund der langsamen Umsetzung der vereinbarten Reformen nur vier Auszahlungen aus dem Fonds in Höhe von 8,7 Milliarden US-Dollar, meldet die Nachrichtenagentur UNIAN. Das Programm läuft im März 2019 aus.

 

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Die Finanz-Jongleure der EU üben neue Tricks - besser wäre es, wenn sie den Banken die Arbeit nicht erschweren würden

Plötzlich taucht der Krisenfonds ESM aus der medialen Versenkung wieder in der öffentlichen Debatte auf. Doch was genau ist der ESM, was...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Aluminium-Branche schlägt Alarm: Cocktail aus Covid und Green Deal führt den Mittelstand in den Ruin

Der europäische Zusammenschluss der Aluminium verarbeitenden Unternehmen warnt in einer neuen Studie vor dem Ausverkauf einer ganzen...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Hunderte Millionen betroffen: Pandemie löst weltweite Ernährungs-Krise aus

Zahlreiche Menschen werden offenbar nicht wegen einer Corona-Infektion, sondern aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie auf...

DWN
Politik
Politik Eskalation in Sachsen-Anhalt: Ministerpräsident Haseloff feuert Innenminister im Streit um Rundfunkgebühren

Der Streit um die Anhebung der Rundfunkgebühr in Sachsen-Anhalt eskaliert. Ministerpräsident Haseloff feuert seinen INnenminister.

DWN
Finanzen
Finanzen Wirecard-Skandal verändert Dax dauerhaft

Die Deutsche Börse stockt den Dax auf 40 Mitglieder auf. Das ist nur eine Folge der Wirecard-Pleite. Die Zusammensetzung des Dax soll...

DWN
Politik
Politik Nord Stream 2: Keine US-Sanktionen gegen Merkel, sondern „nur“ gegen deutsche Firmen

Im Streit um die deutsch-russische Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 will der US-Kongress Sanktionen gegen Regierungen und Behörden...

DWN
Finanzen
Finanzen EU-Ombudsfrau rügt Deal zwischen BlackRock und EU-Kommission, doch ohne Konsequenzen

Die Europäische Ombudsfrau hat einen Auftrags-Deal zwischen der EU-Kommission und dem US-Finanzgiganten BlackRock wegen möglicher...

DWN
Politik
Politik US-Kongress will Truppenabzug aus Deutschland stoppen

Demokraten und Republikaner im US-Kongress wollen den von Präsident Donald Trump geplanten Truppenabzug aus Deutschland blockieren. Doch...

DWN
Politik
Politik Scholz droht Tankstellen mit Pflicht zum Bau von Ladestationen für E-Autos

Wenn Deutschlands Tankstellen Ladestationen für Elektro-Autos nicht bald freiwillig installieren, dann will Bundesfinanzminister Olaf...

DWN
Deutschland
Deutschland Industrie meldet sechstes Auftragsplus in Folge, Aufträge über Vorkrisenniveau

Im Oktober sind die Industrieaufträge in Deutschland überraschend deutlich weiter gewachsen. Entscheidend war das starke Auftragswachstum...

DWN
Finanzen
Finanzen Die Rückkehr des „Bail in“: Denkfabriken erwarten eine neue Euro-Krise im kommenden Jahr

Mehrere Denkfabriken befassen sich konkret mit Vorbereitungen für eine neue europäische Schulden- und Bankenkrise. Dabei könnte die 2013...

DWN
Politik
Politik Studie: China soll die Welt wegen des Corona-Virus entschädigen

Das chinesische Corona-Virus hat alleine in der G7-Staatengruppe bis zum April 2020 einen Schaden von 3,62 Billionen Euro verursacht. Nun...

DWN
Politik
Politik Weihnachten in Europa: Wo darf man wie feiern?

Im Hinblick auf die Weihnachtsfeiertage gehen die Länder Europas abweichende Weg. Es folgt ein Überblick über die beschlossenen...

DWN
Politik
Politik Tschechien öffnet Skigebiete, Schweiz hält Pisten offen

Während die Skipisten in Bayern dieses Jahr geschlossen bleiben, werden Tschechien und Österreich ihre Skigebiete öffnen, und auch in...